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200,142/Nachlass Hermann Huttel (Bestand)
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Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,142/Nachlass Dr. Hermann Huttel (1895-1973)
Biographie Dr. Hermann Huttel
Der am 17. Mai 1895 in Ehringshausen (Geburtsregister Ehringshausen Nr. 94/1895) geborene Hermann Friedrich Huttel wuchs in seinem Geburtsort auf, der damals zum Kreis Wetzlar im Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz gehörte, heute zum Lahn-Dill-Kreis, Hessen. Seine Eltern waren der Gemeinderentmeister Heinrich Huttel (1854-1910) und Magdalene Huttel geb. Rumpf (1854-1927).
Nach dem Abitur am Königlichen Gymnasium zu Wetzlar meldete er sich 1914 als Freiwilliger zur Front und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Nach dreimaliger Verwundung inkl. einer Gasvergiftung geriet er am 5. Mai 1917 in französische Gefangenschaft. Dunkelhaft und Einweisung in die Zitadelle der Île d’Oléron als Strafe für Fluchtversuche verarbeitete er in Gedichten. Nach seiner Entlassung 1919 studierte er an der Ludoviciana in Gießen Literaturgeschichte, Philosophie und Staatswissenschaften und wurde dort mit einer Dissertation über "Die Entwicklung des Proletariates im Kreise Wetzlar unter besonderer Berücksichtigung ihres Einflusses auf die lokale Bevölkerungsbewegung" (107 S.; vorgelegt 1922) im April 1924 zum Dr. rer. pol. promoviert.
Am 21. Juni 1923 heiratete er in Ehringshausen die 1901 geborene Erna Elisabeth "Elli" Läufer (Heiratsregister Ehringshausen Nr. 23/1923). Aus der Ehe ging der Sohn Heinz-Hermann Huttel (1925-2014) hervor. Hermann Huttel arbeitete zunächst als Betriebswirt in einem heimischen Industriebetrieb, zog aber 1928 mit seiner Familie von Ehringshausen nach Gadderbaum, Kreis Bielefeld, wo er im Vorjahr eine Tätigkeit bei der christlich-sozialen Zeitschrift "Aufwärts" der von Bodelschwinghschen Anstalten (heute Stiftungen) in Bethel in Bielefeld aufgenommen hatte. Vom 18. November 1927 bis zur Einstellung der Zeitung am 30. April 1936 kann Huttel im Impressum als Redakteur für "Wirtschafts- und Weltpolitik" nachgewiesen werden. Ende November 1929 verzog Huttel mit seiner Familie nach Bielefeld.
Am 3. Juli 1930 avancierte Huttel zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Gadderbaum, legte dieses Amt aber am 8. November 1934 aus eigenem Antrieb nieder. Huttel gehörte, eigenen Angaben zufolge, 1921 der "Völkischen Freiheitsbewegung" an, bei der es sich um die Deutschvölkische Freiheitspartei gehandelt haben dürfte, die die Weimarer Republik ablehnte und eine völkische Diktatur forderte, nach 1925 aber zusehends Einfluss an die NSDAP verlor und bedeutungslos wurde. Huttel war danach, wie er 1930 angab, bei der "Brigade Erhard" . Diese Marine-Brigade-Ehrhardt war ein Freikorps, das nach seiner Teilnahme am Kapp-Putsch (13. März 1920) allerdings schon im April 1920 aufgelöst worden war, also bevor Huttel Mitglied gewesen sein will. 1928 war er "Christlich-Sozial (Bethel)" orientiert, also dem Christlich-Sozialen Volksdienst nahe, der von 1929 bis 1933 existierte. Seit dem 14. April 1933 war Huttel NSDAP-Mitglied.
Von 1936 bis 1947 war er in den von Bodelschwinghschen Anstalten (heute Stiftungen) für Erbschafts- und Schenkungssachen zuständig. Am 22. September 1944 trat Dr. Huttel aus der evangelischen Kirche aus. Gegen Kriegsende war er zum Volkssturm einberufen worden. 1945 wurde er im Internierungslager Hemer interniert (ein Buch, VE Nr. 28 trägt allerdings einen Stempel des Civil Internment Camp, Nr. 4 in Recklinghausen-Hillerheide) interniert, kehrte von dort am 14. Juni 1946 nach Bielefeld zurück, verzog aber bereits am 31. Juli 1946 nach Stromberg, Linzel 16, in die Nähe von Anna-Luise von Eissen (1894-1987), die auf Gut Nottbeck lebte und mit der er seit 1931 liiert war. Seine Ehefrau 1946 zog zurück nach Gadderbaum. Huttel beendete die Beziehung zu Anna-Luise von Eissen und kehrte zur Familie zurück, mit der er 1960 von Gadderbaum nach Senne I verzog. 1972 nahm er in Sennestadt einen Zweitwohnsitz. Aus einer Beziehung mit der Lehrerin Elke Ohlhagen ging 1967 die Tochter Helmi Ohlhage hervor, die als Künsterlin arbeitet.
Hermann Huttel starb am 20. November 1973 in Bielefeld-Sennestadt (Sterberegister Sennestadt Nr. 91/1973 - "Jagdschriftsteller"). Seine Witwe Elisabeth Huttel verzog 1974 von Senne I nach Garbenheim bei Wetzlar.
Seinen ersten literarischen Erfolg mit Jagderzählungen hatte Huttel 1941 mit dem mehrfach aufgelegten Buch "Auf silbernen Zinnen" gefeiert. Nach der Entlassung aus der Internierung nahm er diese schriftstellerische Tätigkeit 1949 ("Die grobe Fährte") wieder auf und legte bis zu seinem Tod 1973 zahlreiche weitere Schriften vor, die durchweg dem Genre der Jagd-Literatur zuzurechnen sind. Etliche seiner Gedichte erlebten musikalische Umnsetzungen, u. a. eine von Publikum und Presse gefeierte Vertonung von "Sankt Hubertus" 1941 durch Max Cahnbley (1876-1959), der 1933 als Städtischer Musikdirektor Bielefelds von den Nazis entlassen worden war. Darüber hinaus war Huttel ein talentierter Fotograf, seine Bilder illustrieren eigene Werke und wurden in Zeitschriften veröffentlicht.
Veröffentlichungen (hier nur Monographien, darüber hinaus zahlreiche Erzählungen und Gedichte vor allem in Jagdzeitschriften und Sammelbänden)
- Auf silbernen Zinnen: Ein Bergjagdbuch, Neudamm 1941 (2. Aufl. 1942; 3. Aufl. 1958)
- Die grobe Fährte - Die Geschichte eines Keilers (mit Illustrationen von Erik Mailick), Radebeul 1949
- Der Wildkater (mit Illustrationen von Erik Mailick), Radebeul 1951
- Neue Jägerlieder, Hannover 1953
- In freier Wildbahn: Waidwerk in deutscher Landschaft, Berlin 1954
- Hochwild zieht durch die Wälder: Ein Buch von Bären, Hirschen, Sauen und Elchen, Berlin 1955
- Jäger Jörg und der Wildschütz, Münster/Westf. 1956
- Der Wildkater und andere Erzählungen, Münster/Westf. 1956
- Der korsische Widder: Auf der Wildfährte durch Korsika, Berlin 1957
- Auf eigener Spur: Pürsch durch ein halbes Jahrhundert, Hamburg 1958
- Die Jagd ist immer neu, Berlin 1958
- Waidwerk am Ende der Welt: Unter Lappen, Fischern und Bärenjägern in Finnland, Berlin 1959
- (Hg.), Weltjagd heute: Der Jäger und sein Weltreich, Berlin 1961
- Jagd in einsamen Revieren: Drei Erzählungen, Berlin 1962
- Des Jägers schönste Pirsch: Lob des heimatlichen Waidwerks, Berlin 1963
- Der Jäger und sein Wild: Berichte aus heimischen Revieren, Berlin 1966
- Hohe Jagd im Schwarzwildrevier. Safari, Berlin 1968
- Lob des Waidwerks mit dem Hund. Safari, Berlin 1970
- Noch immer lockt die Wildbahn: Von jagdlichen Erlebnissen und neuen Aufgaben in den Revieren. Safari, Berlin 1973
Posthum
- Glanz und Schönheit des Jagens: Klang von Horn und Geläut, Berlin 1976
- Senne, Moor und Heide: Erzählungen, Bielefeld 1983
- Huttel, Heinz (Hg.), Die Birken und die Berge, die Wolken und der Wind: Gedichte von Hermann Huttel. Heinz Huttel, Bielefeld 1995
Bestandsgeschichte
Der Aktenbestand wurde am 19. September 2017 von Hubertus Huttel (Bielefeld), einem Enkel Hermann Huttels, dem Stadtarchiv als Schenkung übergeben. Dazu gehörten zahlreiche Publikationen, die in die Landesgeschichtliche Bibliothek eingingen, die bereits über einen Huttel-Bestand verfügte.
Kassiert wurde ein Aktenordner zur Mitgliedschaft des Heinz-Hermann Huttel im Greifenstein-Verein e.V. (1993-2000), da kein unmittelbarer Bielefeld- oder Hermann-Huttel-Bezug gegeben war.
Der Teilnachlass umfasst 0,3 lfm. Schriftgut bestehend aus 29 Verzeichnungseinheiten.
Weitere Nachlasssplitter des Hermann Huttel liegen im Kreisarchiv Warendorf, Bestand N 29. Diese resultieren aus Huttels etwa 1930 begonnener Beziehung zu Anna-Luise von Eissen (1894-1984), Eigentümerin des Gutes Nottbeck, dessen Eigenjagd Huttel ab 1961 pachtete. Bemerkenswerterweise umfasst dieser Splitterbestand zahlreiche persönliche Dokumente wie insbesondere die Entnazifizierungsunterlagen und Korrespondenz mit seinem Sohn Heinz-Hermann (Feldpost 1943/44) und vor allem mit Anna-Luise von Eissen.
Benutzungshinweise
- Archivalienbestellungen: 200,142/Nachlass Huttel, Nr.
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 200,142/Nachlass Dr. Hermann Huttel, Nr.
Literatur
- Detert, Horst, Hermann Huttel †, in: Wild und Hund 76 (1973/74), S. 852
- Huttel, Heinz (Hg.), Die Birken und die Berge, die Wolken und der Wind: Gedichte von Hermann Huttel. Heinz Huttel, Bielefeld 1995
Dr. Jochen Rath
Archivleiter
Bielefeld, September 2017
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.