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Stadtarchiv Sigmaringen: Nachlass Franz Keller, Pädagoge, Heimatkundler (1875-1950) (Bestand)
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Überlieferungsgeschichte
Franz Keller, Rektor, Ehrenbürger der Stadt Sigmaringen, geb. 11.2.1875, gest. 15.2.1950
Ein Wort zu meinem Nachlaß
1. Aus welchen Gründen ich meinen Nachlaß dem Archiv übergebe
Also bin ich willens, den gesamten heimatkundlichen Nachlaß dem städtischen Archiv, zunächst zu treuen Händen des von mir hochverehrten Bürgermeisters E. Müller zu übergeben. Der wiederholten Bitte, des um die Heimatgeschichte Hohenzollerns verdienten Herrn Dr. Senn Konstanz ihm den Nachlaß oder wenigstens die geschichtl. Stoffe über Sigmaringen und Hohenzollern für das Landesmuseum auf dem Zoller zu überlassen, konnte und wollte ich trotz 1933 aus treuer Liebe zur Stadt und ihren Bewohnern nicht entsprechen.
Mich bewegten bei Hingabe der Arbeiten Gefühle der Freude und Wehmut zugleich und ich mußte gegen letztere des öfteren ankämpfen, auch in der Familie, um all das, was ich während mehr als 30 Jahren gesammelt, erforscht, geschrieben und eingeordnet, abgeben zu können. Es sind in der Tat große Stoffgebiete, die ich erarbeitet und erschlossen habe und ich sage das mit Nachdruck: Neben Schule und Familie umschließen die Arbeiten einen Teil meiner Lebenskraft und ungezählte Tage und Stunden liebewarmer Hingabe für die Stadt, auch in den Jahren meines Ruhestandes.
Die Aktenstücke über 250 an der Zahl, jedes für sich eine Geschichte, abgeschlossen mit Inhaltsverzeichnis und durch Hinweise mit dem Ganzen doch enge verbunden, - die Kartei mit über 2000 Personen und Ortsnamen, - all das bildet in sich ein Ganzes, von dem ich nichts vermissen möchte. Noch einmal grüße ich die Arbeiten mit frohem Blick in mich hinein und mit Dank gegen den Herrgott und alle die mich unterstützten, das Werk wenigstens im allgemeinen zum Abschluß bringen zu dürfen.
Hier im Archiv werden die Akten ruhen, vielleicht nur kurz, vielleicht lange, lange, bis Schrift und Bild vergilbt. Und doch wird ihr Wert mit den Jahren wachsen, denn nach meiner festen Überzeugung wird der Heimatforscher, der neben den Archivalien einen tieferen Einblick in das vielgestaltige Leben und Sein der Stadt gewinnen möchte, an dem Nachlaß nicht ganz vorübergehen können. Er wird darin manches finden und zu klären vermögen, was nur auf mühsamen Wege und mit viel Zeitaufwand, vielleicht überhaupt nicht richtig zu stellen wäre.
So ersehe ich im Archiv den einzigen Ort, die ganze Sammlung der Nachwelt zu erhalten und Jedem der Lust und Liebe für Heimatkunde im weitesten Sinne, insbesonders für die wechselvolle Zeit der letzten 150 Jahre fühlt, eine weitere Quelle der Forschung zu bieten.
Ich bin mir der Vorzüge wie der Mängel des Nachlasses wohl bewußt, denn es findet sich darin kein Blatt, das ich nicht gelesen, kein Bericht eingereiht, der nicht aus diesem oder jenem Grunde aufgenommen wurde. Mag mancher dies oder das als wertlosen Balast ansehen, der nicht hierhergehört; mir war er wertvoll genug, festgehalten zu werden. Das Urteil wird die Nachwelt sprechen. Der gute Wille, jedem, der den Nachlaß benützt, etwas Neues bieten oder Gefundenes durch lebendige Schilderung zu ergänzen, beseelte mich bei meiner Sammelarbeit von Anfang an. "Wer vieles bringt, wird jedem etwas geben".
Was geschrieben, ist geschrieben, niemand zu liebe, keinem zu leide, aber in der wohlgemeinten Absicht, der Ehre und dem Ansehen der Stadt und ihrer Bürgerschaft auch nach dem Tode einen Dienst zu erweisen.
Zuletzt ersehe ich in dem Nachlaß ein teueres Vermächtnis an meine ehemaligen Schüler, die ich in der Zeit vom 1.1.1906 bis 1.10.1933 an der kathol. Volksschule, der Landwirtschafts- u. Berufsschule (hier noch einmal 1942 - 1945) mit zu erziehen berufen. Wieviele von ihnen haben in den beiden Weltkriegen ihr Blut und Leben für die Heimat geopfert. Ihnen und den heimkehrenden zum Danke wache dies Mahnmal ihrer Ahnen und richte die Überlebenden auf, in schwerer Notzeit mit dem Trostgedanken, daß auch die Vorfahren schwere Nöte zu überwinden hatten, Drangsale, die ihren zähen Lebenswillen nicht zu brechen vermochten, wohl aber ihrem Kampf ums Dasein neue Antriebe gaben.
2. Quellen aus denen die Akten schöpfen
Die Quellen, aus denen ich schöpfte und weiterhin schöpfen möchte, sind sehr reichhaltig: kleine und große, solche deren Ursprung weit in die Jahrhunderte zurückreicht. Quellen, die da und dort zu versiegen scheinen, um dann wieder umso klarer hervorzubrechen und sich mit anderen Kanälen zu vereinigen. Geschlechter um Geschlechter ziehen an ihnen vorüber, unter derselben Sonne in der alten lieben Heimat. In viel tausend farbigen Bildern strahlt uns ihr Lebenswerk entgegen. Gelänge es doch, noch viel mehr für die Zukunft wahrheitsgetreu fest zu halten.
Da stehen zunächst die Schriften und Veröffentlichungen der Heimatforscher, die in allerjüngster Zeit, wie schon vor 150 und mehr Jahren das Studium der Heimat sich angelegen ließen und darüber Bücher schrieben. Wer könnte an den Werken:
von Dr. Metzler, Archivrat Schwarzmann, Lehrer Seb. Locher, Archivrat Schnell, Dr. Stelzer, Hofrat Dr. Lehner, Hofrat Dr. Zingeler, Dr. Bruno Stehle, Dr. Hebeisen, Pfarrer Fr. Eisele, Direktor Anton Bumiller, Dr. Schunk, Prof., Stud. Rat Heinrichs, Dr. E. Flad, Konservator Laur, Karl Dehner, Willi Baur, Anton Pfeffer, Dr. A. Frick, B. Pfaff, Dr. Genzmer, Dr. Heberhold und vielen anderen vorübergehen, ohne nicht aus diesem reichen Quellenmaterial zu schöpfen. Außer den verdienstvollen Darstellungen der Geschichte des fürstl. Hauses bei Zingeler, Schnell, Hebeisen u. a. finden wir bei Metzler, Locher, Schnell, Eisele und den Forschern der Gegenwart eigentliche Stadtgeschichte und viel kultures, soziales und wirtschaftliches Heimatgut verzeichnet.
Die Jahrgänge der Wochenblätter 1809 - 1850, die Amtsblätter der pr. Regierung 1851 -1945, bieten ebenfalls reiches heimatkundliches Quellenmaterial. Dazu treten die Mitteilungen des Vereins für Geschichte u. Altertumskunde 1867 - 1934, die hohenz. Landeshefte 1935 -1941, die Mitteilung für die Landwirtschaft u. Gewerbe in Hohenz. 1841 - 1935, die Jahresberichte der Zentralstelle, die Berichte des hohenz. Landeskommunalverbandes, des Vereins für Heimatschutz u. Narturdenkmalpflege, die Jahresberichte des Gymnasiums u. der Marienschule, der Berufsschule, der Landw. Schule, Handwerkskammer, Nachrichten der Volksschule, ferner die hohenz. Hauskalender, die in mehr als 100 Jahrgängen erschienen und wie der hohenz. Lehrerkalender mit 40 Jahrgängen viele heimatkundliche Stoffe bieten. Außerdem gehören hierher eine ganze Reihe von Festschriften und Denkschriften, insgesamt ein fast unübersehbares Heer von Nachrichten über die Heimat.
Dazu treten seit 1868 die Jahrgänge der hohenz. Volkszeitung gleichzeitig als lebendige tägl. Chronik über das Stadtgeschehen, während 77 Jahren. Gewiß, wer Zeit und Geduld hätte, diese unerschöpfliche Fundgrube vollständig zu erarbeiten, auch von den vielen wertvollen Arbeiten "unter dem Strich" einordnend Kenntnis nähme und dazu noch die übrigen hohenz. Tageszeitungen und die angrenzender badischer u. württ. Bezirke in Sturm- und Drangzeiten würde staunen über die Fülle heimatkundlicher Stoffe, die hier Jahr um Jahr von Heimatfreunden leider oft ohne Namensnennung niedergelegt worden sind. Ich habe meiner Sammlung Auszüge von etwa 15 beigefügt, muß aber von weiteren mit Rücksicht auf meine Augen verzichten.
Schon die bisher aufgezeigten Quellen sind so reichhaltig und vielseitig, daß ein Menschenalter nicht hinreicht, sie in ihrem Werte auf objektive geschichtliche Wahrheit zu überprüfen und in die Stadtgeschichte einzuordnen. Hier muß sovieles auch zwischen den Zeilen gelesen werden. Für die zuverlässigsten und sichersten Quellen gelten die Archive; sie sind der Hort für alle wichtigen Gemeindeakten, wie sie Jahr um Jahr für die Gemeindeverwaltung zum Abschluß kommen. Da ein großer Teil des städt. Archivs während etwa 15 Jahren im Amtszimmer des Schulleiters untergebracht war, bot sich die günstige Gelegenheit, dies ausgiebig zu benützen und so die Kenntnisse über die frühere Stadtverwaltung und ihr Verhältnis zum Fürstenhaus zu erweitern. Die Akten der Stadt sprechen allerdings eine etwas andere Sprache als manche Heimatbücher.
Was ich fand, ist in einer Reihe von Arbeiten in den Volkszeitungen unter dem Strich in den Jahren 1910 - 1937 veröffentlicht, teils ungedruckt in meinem Nachlaß zu finden; desgleichen enthalten die hohenz. Hauskalender und Lehrerkalender Neuarbeiten , die hohenz. Landeshefte Jahrgang 1937 S. 218 - 257 Sebastian Locher. Alle diese Veröffentlichungen, sowie Fahrt nach der Wasserkante 1913, S. 1 - 40 und freiw. Feuerwehr 1930, S. 1 - 38, sind, soweit ich sie noch selbst besitze, eingefügt.
Wer die Heimat liebt, wird jede Nachricht über sie mit Interesse aufnehmen, finde er sie in Zeitungen, Zeitschriften, Festschriften, bei Dichtern, in Vereinsnachrichten, in Archiven oder schöpfe er sie aus eigener Beobachtung und Erfahrung. Lebenserfahrung zu sammeln, boten die Jahre 1919 - 1933 als Mitgl. der Stadtverwaltung und als Abgeordneter des Hohenz. Kommunallandtags reichlich Gelegenheit, da ich in beiden Körperschaften das Schriftführeramt bzw. die Berichterstattung für die hohenz. Volkszeitung zu übernehmen hatte. Leider ist mir dies Aktenmaterial, das nach Jahrgängen geordnet, wie vieles andere, das bei den Schulakten verblieb, durch Feindeinwirkung vernichtet worden.
Mein Nachlaß trägt ein durchaus eigenes Gepräge, eigen insofern, als ich mich mit den Quellen, die nach Möglichkeit alle benützt wurden, nicht begnügte, sondern ganz neues zu erschließen mir mit Erfolg Mühe gab. Ich wollte tiefer hineingreifen ins volle Menschenleben, mehr vom Ringen und Streben der Sigmaringer im allgemeinen wie im einzelnen sehen; beobachten, erzählen lassen und in Bildern festhalten sowie in Biographien, als die trockenen Akten der Archive und die heimatkundlichen Schriften, die ich als willkommene Stützen verwertete bzw. auf sie hinwies, bisher boten.
3. Neue Wege und wo diese zu finden
Daß wir an einer Zeitenwende von nie dagewesenem Ausmaße stehen und darum wohl Ursache haben, das was vor dem ersten und zweiten Weltkriege war, in Rückblicken, Geschäftsberichten, Familienchroniken, durch die aktive Mitarbeit der Bürger für die Nachwelt im Archiv der Stadt zu erhalten, - dieser Gedanke ließ mich schon vor dem Zusammenbruch 1918 und seitdem in vielen Jahren nicht mehr zur Ruhe kommen und drängte immer wieder nach Verwirklichung; denn was geschehen ist und fortan geschieht, kann kein Gott ungeschehen machen, die jüngste Vergangenheit ist Geschichte geworden, die alten Zeiten leben in der Erinnerung, aber diese verblaßt und schwindet schließlich ganz, je mehr die Augen alter Sigmaringer sich für immer schließen. Darum sind mir die vor 20 und mehr Jahren gesammelten Aktenbündel heute, da ihre Träger längst schlummern, bes. wertvoll, ich möchte fast sagen, ehrwürdig geworden.
Das Suchen nach dem Herzschlag der Heimat führte zu enger Fühlungnahme mit jenen, welche im werktätigen Leben stehen oder standen und deren gesammeltes Lebenswerk das reichhaltigste Geschichtswerk der Stadt darstellen müßte. Ein Werk der Bürger, geschrieben mit Liebe zu den Traditionen der Geschlechter und ihrer Verdienste für die Stadt. Wen ich für die Arbeiten einzuspannen versuchte, teils mit, teils ohne Erfolg, ist aus dem Nummernverzeichnis der Akten und aus dem eingehenderen Inhaltsverzeichnis - jedes in 4 Stücken - und aus der Karteiimeinzelnen ersichtlich. Nochmals innigen Dank allen, die mich unterstützten. Ihre Namen sind jeweils verzeichnet.
Heimatliches Leben fließt bei kirchlichen u. weltlichen Festen u. Feiern, wie sie im Laufe des Jahres wiederkehren, in heimatlichen Bräuchen und Sitten, Fastnacht, Volksfeste, Märkte, Ausstellungen, - ich fand es lebendig in den Stuben der Bauern u. Gärtner, wie in den Werkstätten der Künstler u. Handwerker, am Wirtstische u. im Kaufladen, auf dem Marktplatze wie auf dem Friedhof. Um all diese Brünnlein und viele, viele andere einzufangen, war kein Weg zu weit, kein Wetter zu schlecht, denn so ganz einfach war es nicht, einen ergrauten Handwerksmeister Franz Schön und viele andere, deren Erinnerung über die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurückreichte, dahin zu bringen, daß sie über ihre Lehr- und Wanderjahre, ihren Geschäftsbetrieb u. a. berichteten, selbst niederschrieben oder ihre Angaben unterschrieben. Wie viele Lebensschicksale, Freude u. Leid, Erfolg u. Mißerfolg ist mit den Stammbäumen der Familien u. ihrer Geschichte erhalten geblieben. Zu meiner Freude nahmen viele Familien, die bisher eine Familienchronik nicht geführt, gerne Gelegenheit, Abschrift zu nehmen.
Unter Persönlichkeiten versuchte ich, Männer des 17. , 18., 19. und 20. Jahrhunderts in ihrem Leben u. Wirken, inbes. in ihren Verdiensten für die Stadt u. der Auffindung ihrer Werke vor Augen zu führen. Ich staunte oft, wieviele lebendige Erinnerungen an sie in den alten Geschlechtern sich erhalten und welche Fülle von Kunstwerken im Familienbesitz zu finden ist. Es ist eine glanzvolle Reihe, die weder Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, noch auf lückenlose Angabe all ihrer Werke. Aber den Charakter dieser schöpferischen Großen gekennzeichnet u. in Biographien festgehalten zu haben, dürfte erreicht sein. Ich nahm sie aus allen Gesellschaftskreisen, vom Fürsten u. höchsten Beamten bis zum Taglöhner u. Dienstboten, eine große Schau von Beamten, Geistlichen, Lehrern, Philosophen, Dichtern, Malern, Bildhauern, Baumeistern, Ärzten, Musikern, die zumeist geborene Sigmaringer oder hier ihren Beruf ausübten, oft auch ihre letzte Ruhestätte hier fanden.
Sigmaringen, als altes Kulturzentrum, ist in seinem heimatkundlichen Quellenmaterial unerschöpflich, sowohl in den vorgeschichtl. Zeugen - im Hanfertal, Eulenberg, am Schmelzweg, im Thiergarten, in den Römerniederlassungen - wie in den vielen Bänden der Geschichte d. Fürstenhauses, auf die verwiesen wird. Das Verhältnis des Fürstenhauses zur Stadt wurde in meinem Nachlaß nur in soweit berührt, als es sich bei Anlässen der Freude u. Trauer in den letzten 100 Jahren kundgab.
Die Geschichte der kathol. Stadtpfarrei wurde durch Pfarrer Eisele in den Mitteilungen 58. 1/71 und 59. 1/124 behandelt. Fidelishaus, Nazareth u. Gorheim sind im Nachlaß eingehend zu finden. Evagel. Kirche liegt bei.
Die Geschichte der Bildungsanstalten: Volksschule, Kindergarten, Berufsschule, Präparandenschule, Ackerbau- und landwirtschaftl. Schule, Marien-Lyzeum, Schule Haus Nazareth, städt. Gesang- u. Musikschule, Gymnasium, private Frauenarbeitsschulen, liegt teils abgeschlossen, teils in vorl. Bearbeitung bei. Es ist ein Stoffgebiet, das mir bes. am Herzen liegt, bei dem ich aber am meisten im Zweifel bin, was darüber in die Annalen der Archive eingehen soll.
Viel Sorgfalt wurde auf die Geschichte der Vereine u. ihre Verdienste um das kulturelle u. wirtschaftl. Leben der Stadt verwandt. Die Geschichte des fürstl. Theaters zu erforschen, nehme ich Abstand, wenigstens vorerst.
4. Bitte u. letzter Wille
Wenn Diesterweg ein bahnbrechender Pädagoge, Ehrfurcht verlangt vor dem gestirnten Himmel, dem wogenden Ährenfelde u. dem lichten Auge des Kindes, so möchte ich diesen drei ein viertes Ehrfürchtig hinzufügen: Habt Ehrfurcht vordem Alter,vor den Vorfahren u. Ahnen, ihrem treuen Glauben, ihrem Ringen u. Schaffen u. Darben in schwerster Not; schöpfst hier neuen Lebensmut u. frische Kraft zur Heimat.
Die Sammlung ist ein Mahnruf von Hunderten, deren Lebensglück u. Last hier in Wort u. Bild zu Buch sprechen. Es ist euer Blut, das in den Akten kreist und die Wurzeln Eurer Kraft reichen weit hinab zu ihnen. Darum habt Ehrfurcht vor den Geschlechtern u. ihren großen Trägern, deren Reihe ihr weiter zu vererben berufen seid.
Mein letzter Wille geht dahin, mein Nachlaß möge mit diesem Nachwort, Inhaltsverzeichnis u. Kartei als Ganzes für alle Zukunft zusammenbleiben und nicht unter den Sparten des Archivs aufgeteilt werden, denn er trägt, wie ich bereits ausführte, sein eigenes Gepräge, davon wird sich jeder, der ihn nicht nur aus einigen Aktenstücken kennt, sondern sich eingehender damit befaßt, überzeugen, daß hier eine ganz eigenartige Sammelarbeit speziell über die letzten 150 Jahre der Stadt vorliegt. Dieser Gedanke war mitbestimmend für die Schenkung, die damit in das Eigentum der Stadt übergeht und ich möchte, daß dieser mein letzter Wille beachtet werde.
Etwaige Kritiker mögen bedenken, daß es sich gar nicht in meiner Absicht lag, alle Stoffgebiete chronologisch aufzubauen u. erschöpfend zu behandeln. Der Heimatfreund sollte nur zu den vielen anderen Hilfsmitteln weiteres Heimatgut in den verschiedensten Kostproben genießen und seinen Hunger stillen an einer Nahrung, die er vielleicht vergebens suchte.
Die Wahrheitsliebe wird ihn bei weiterer Verwendung jedoch gemahnen, die Quelle anzugeben, wie dies in den Akten weitmöglichst durchgeführt ist. Ich schließe dieses Nachwort mit einem Verse von E. Geibel:
"Das ist die klarste Kritik von der Welt,
wenn neben das was ihm mißfällt,
einer was Eigenes Besseres stellt".
Ich glaube, durch meinen Nachlaß der Heimatgeschichte einen Dienst zu erweisen und hoffe bestimmt, falls meine geistigen u. körperl. Kräfte im 73. Lebensjahr standhalten, bis Ende 1947 die Gesamtarbeit abgeschlossen zu haben.
Sigmaringen, den 26. März 1947
Keller
Rektor i. R.
Nachtrag: Bestandsgeschichte und Bearbeiterbericht
Der vorliegende Bestand umfasst 250 Einheiten mit einem Umfang von 3 laufenden Metern.
Die in der bedeutenden Sammlung insbesondere zur Stadtgeschichte Sigmaringens verwahrten Unterlagen sind gleichzeitig ein Dokument ihrer Zeit und spiegeln den Nachkriegsalltag wider, beispielsweise durch die Erwähnung von Beschlagnahmungen und Kriegsgefangenschaft.
Als Findmittel lag seit der Übergabe der Unterlagen an das Staatsarchiv Sigmaringen ein maschinenschriftliches Verzeichnis mit handschriftlichen Nachträgen vor, das von Franz Keller im Jahr 1948 selbst erstellt worden war. Dieses Originalverzeichnis befindet sich nun unter der Bestellnummer Dep. 1 T 6-7 Nr. 263, eine Kopie unter der Bestellnummer Dep. 1 T 6-7 Nr. 264. Seine Benutzung kann in Einzelfällen sinnvoll sein, da die Titelaufnahmen von offenbar nicht an das Staatsarchiv Sigmaringen übergebenen Unterlagen nicht in das neue Findbuch aufgenommen wurden und auch auf das Abschreiben einzelner beigefügter Texte verzichtet wurde.
Von August bis Oktober 2007 gab Michael Göhner dieTitelaufnahmen in das Erschließungsprogramms scopeArchiv ein. Corinna Knobloch führte die Indizierung und abschließende Kontrollarbeitendurch.
Aufgrund der sehr großen Menge von auftretenden Personen und Orten musste die Entscheidung getroffen werden, ob bereits eine kurze Nennung zur Aufnahme in den Index ausreicht. Da selbst knappe Angaben einen Einstieg in weitere Forschungen ermöglichen können, wurden selbst kurze Nennungen in den Index aufgenommen.
Wenn nicht zweifelsfrei feststand, dass es sich um die gleiche Person handelt, wurde im Personeninde x auf Vereinheitlichungen verzichtet.
Auf eine Aufnahme von Sigmaringen als Ortsindexbegriff wurde verzichtet. Allerdings wurde Sigmaringen in den Ortsindex aufgenommen, wenn sinnvolle Untergliederungen zu bilden waren.
Nach der archivgerechten Verpackung des Bestandes im Frühjahr 2009 wurden bislang nicht erfasste Titelaufnahmen von Sibylle Brühl und Maike Oswald in scopeArchiv nachgetragen.
Die Zitierweise des Bestandes lautet:
Dep. 1 T 6-7 Nr. [Bestellnummer]
Inhalt und Bewertung
Enthält:
Heimatkundliche Sammlung.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.