Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen hier einsehen und ändern.
200,49/Nachlass Josefa Metz (Bestand)
Anmelden
Um Merklisten nutzen zu können, müssen Sie sich zunächst anmelden.
Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben:
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,49/Nachlass Josefa Metz
Biographie
Josefa Metz wurde am 19. Oktober 1871 in Minden als jüngstes von sechs Kindern des in Warendorf geborenen Justizrats und Rechtsanwalts Philipp Metz (1827-1887) und seiner Frau Elvira Metz geb. Metz (1834-1922) geboren, die aus Münster stammte. 1879 verzog die Familie, die jüdischen Glaubens war, nach Bielefeld, Niederwall 15, 1884 in die Detmolder Straße 4, wo der Vater am 13. Juli 1887 verstarb. Im selben Jahr verließ Josefa Metz die Töchterschule (später Auguste-Viktoria-Schule, Bavinkgymnasium, heute Gymnasium am Waldhof).
Am 4. Mai 1894 verzog sie, lt. einem Eintrag auf der Meldekarte der Eltern, erstmalig nach Berlin. 1909 verzog sie nach München. Bis 1918 folgten mehrfache Umzüge zwischen Bielefeld und Berlin, wofür wechselnde Wohnadressen genannt sind. 1925 wurde sie von Bielefeld nach "auf Reisen" (vermutlich nach Berlin) abgemeldet.
In Berlin hatte Josefa Metz mehrfach Lesungen gehalten, so u. a. 1906 bei einer Matinee im Beethoven-Saal, deren Erlös an geistig behinderte Kinder ging. 1908 wurde in Wien ihr Märchenspiel "Den König drückt der Schuh" uraufgeführt, das danach in Bielefeld (1908) und Karlsruhe (1913) gezeigt wurde. Auch "Der Schusterprinz" wurde in zahlreichen Städten aufgeführt.
Die 1916 erschienene Novelle "Wehrlose" zeigt eine Wendung im Werk von Josefa Metz, die erstmalig die Kinderwelt und ihre Bedingungen hinterfragte. 1916 traf sie in Wien Arthur Schnitzler, wohnte danach aber ab Mitte der 1920er-Jahre wieder in Berlin. Möglicherweise aus finanziellen Nöten wurde ihr aus dem Schriftstellerfonds beim preußischen Kultusministerium ein einmaliger Betrag von 250 Reichsmark bewilligt. Ab Januar 1930 lebte sie für mehrere Jahre erneut in München, wo sie sich beim Bayerischen Rundfunk erfolgreich um Lesungen ihrer Werke beworben hatte. Am 23. April 1931 wurde im Bielefelder Stadttheater ihre Burleske "Das Experiment" uraufgeführt.
Zuletzt am 18. Februar 1933 erschien von ihr ein derbes "Faschings-Erlebnis" eines alkholisierten Medizin-Studenten in München in der Unterhaltungsbeilage der Westfälischen Neuesten Nachrichten. Am 20. Februar 1935 wurde sie aus der Reichsschrifttumkammer ausgeschlossen und veröffentlichte 1937 in Berlin zuletzt "Eva. Aus einer glücklichen Kindheit".
Nach einem etwas mehr als zweimonatigen Aufenthalt in Bielefeld bei ihrer Schwester Paula (1866-1941) im elterlichen Haus verzog Josefa Metz mit ihr am 29. Dezember 1938 erneut nach Berlin, Bismarck-Str. 66. Paula Metz kehrte im März 1939 nach Bielefeld zurück. Am 20. August 1942 wurde Josefa Metz von Berlin, Otto-Mayer-Straße 6, mit dem Transport I/48 nach Theresienstadt verschleppt, wo sie am 13. Februar 1943 ums Leben kam - die Todesfallanzeige gab als Sterbeursache "Pneumonia Lungenentzündung" an.
Das umfangreiche schriftstellerische Werk von Josefa Metz umfasst vor allem für ihre Zeit moderne Gedichte und Bühnenstücke für Kinder, die humorvoll waren und nicht erziehend wirken wollten. Darüber hinaus gehende, tiefgründigere Betrachtungen ("Ruth Webers Erlebnisse", "Der verschlossene Garten", "Wehrlose", "Dichterliebe) nahmen Sexualität, Ehebruch, elterliche Doppelmoral und unerwiderte Liebe zum Thema. Ihre letzte Veröffentlichung "Eva. Aus einer glücklichen Kindheit" trägt autobiographische Züge mit deutlich erkennbaren Bielefeld-Bezügen.
Veröffentlichungen
- Didi und Konsorten. Kinderbuch, Berlin 1903
- Gedichte. Berlin 1903, 2. Aufl. 1906; 3. Aufl. 1920
- Im Himmelhaus. Ein Kinderspiel mit Gesang. Musik von B. Zepler, Berlin 1904; 2. Aufl. Berlin 1922
- Auf dem Spielplatz. Lustiges Stücklein mit Gesang, Berlin 1904; 2. Aufl. 1922
- Das letzte Rendezvous. Humoristische Szene, Berlin 1905
- Armer kleiner Pierrot. 2. Aufl. Stuttgart, Leipzig, Berlin 1908
- Den König drückt der Schuh. Ein Spiel in vier Bildern, Leipzig 1908
- Sommerabendspiel. Szenen mit Gesang und Tanz. Musik von A. Egidi, Berlin-Groß-Licherfelde 1909
- Aus sonniger Kinderzeit, Hannover 1910
- Neue Gedichte. Berlin, Charlottenburg 1912; 2., vermehrte Auflage unter dem Titel: Der verschlossene Garten, Bad Rothenfelde 1919
- Das Puppenhaus. Verse, Hannover 1913
- Wehrlose. Novellen, Berlin-Charlottenburg, 1916
- Ruth Webers Erlebnisse, Berlin 1917
- Schneeweißchen und Rosenrot. Wiedererzählt, Hannover 1920
- Sport der Tiere. Verse. Hannover 1920
- Schneewittchen, Hannover 1920
- Aschenbrödel, Hannover 1920
- Rotkäppchen, Hannover 1920
- Hänsel und Gretel, Hannover 1920
- Von Kindern, Tieren und Puppen, Wiesbaden 1921
- Kindergedichte. Berlin 1922
- Kasperl auf Reisen, München 1925
- Meine Puppen und ich. Verse von Josefa Metz, ca. 1925
- Eva. Aus einer glücklichen Kindheit, Berlin 1937
- posthum: Literaturkommission für Westfalen (Hg.), "Dichterin der Kinderseele". Josefa Metz. Lesebuch. Zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Michael Vogt (Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Bd. 12, Texte, Bd. 1), Bielefeld 2004
Ergänzende Unterlagen
- Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958
- Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 58: Meldekartei Bielefeld-Mitte, Abgänge 1896-1930
- Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1278, Bd. 1: Hausbuch Detmolder Straße, 4, S. 1
- Bestand 109,5/Ausgleichsamt, Nr. 13130-13132 u. 17703: Gebäudeschaden Detmolder Straße 4, Erben Metz
- Bestand 200,110/Nachlass Monika Minninger, Nr. 31, 36-37 u. 53-62
Literatur
- Kümmerling-Meibauer, Bettina (Hg.), Jüdische Kinderliteratur: Geschichte, Traditionen, Perspektiven, Ausstellungskatalog, Wiesbaden 2005
- Macha-Krau, Heidrun, Josefa Metz (1871-1941), eine Bielefelder Schriftstellerin, in: Ilse Brehmer/Juliane Jacobi-Dittrich (Hg.), Frauenalltag in Bielefeld, Bielefeld 1986, S. 227-253
- Meier, Frank, Die Bielefelder Dichterin Josefa Metz und die Konstruktion verschlossener Welten. Das Bild der Jugend im Novellenband "Wehrlose" von 1916, in: 98. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (2013), S. 211-238
- Nölle-Hornkamp, Iris, Josefa Metz, in: Westfälisches Autorenlexikon, Bd. 3: 1850-1900, Paderborn 1997, S. 479-481
- Vogt, Michael, "dann lesen wir vierhändig" - Über die Schriftstellerin Josefa Metz (1871-1943), in: Jüdische Literatur in Westfalen. Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur (Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Bd. 11), Bielefeld 2004, S. 41-63
- Wambach, Susanne, "Geh ich an einem Kind vorbei, lachen wir immer alle zwei" - Die Schriftstellerin Josefa Metz (1871-1943), in: Bärbel Sunderbrink (Hg.), Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 55-63
Bestandsgeschichte
Der Nachlass umfasst 0,2 lfm. Schriftgut bestehend aus 44 Verzeichnungseinheiten, überwiegend Manuskripten. Die Übernahme der Dokumente ist nicht dokumentiert.
Hinweise zur Benutzung
- Archivalienbestellungen: Bestand 200,49/NL Metz, Nr.
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld (StArchBI), Bestand 200,49/Nachlass Josefa Metz, Nr.
Dr. Jochen Rath
Archivdirektor
Bielefeld, Dezember 2020
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.