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D 43 - Nachlass Johann Gottlieb Auer (1832-1874) (Bestand)
Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> D - Private Nachlässe und Sammlungen
1851-1938
Einleitung: Biografische Angaben
Johann Gottlieb Auer wurde am 18. November 1832 in Neubulach/Schwarzwald als jüngstes von sechs Geschwistern geboren. Auers Vater, war von Beruf Schuhmacher und Waldschütze, seine Mutter trug als Näherin zum Lebensunterhalt der Familie bei. Im Alter von vier Jahren wurde Auer eingeschult. Noch vor seiner Konfirmation im Jahre 1846 schlug er 1845 auf Anraten seines Lehrers, der auch die Eltern Auers von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugen konnte, die Lehrerlaufbahn ein. 1847 bestand Auer die erste Prüfung in Nagold, nach weiteren zwei Jahren das Eintrittsexamen im Lehrerseminar zu Nürtingen. Im Mai 1854 legte er die Lehrgehilfenprüfung ab.
Im Juni 1854 wurde Auer in die missionarische Voranstalt der Basler Missionsgesellschaft aufgenommen. Bereits im Winter des Jahres 1856/57 litt er an einer Erkrankung der Gelenke. Im Dezember 1857 wurde er gemeinsam mit einem Mitbruder nach Akropong an der Goldküste (Westafrika) entsandt. An der dort angesiedelten Missionsstation begünstigte Auer, der zunächst als Musiklehrer begonnen hatte, die Fortentwicklung des Schulwesens. An der Spitze der Katechistenschule stehend, konnte er sich profilieren, so dass er schließlich zum Generalschulinspektor ernannt wurde. Auer schwebte die Organisation des Schulwesens nach deutschem Vorbild vor. Er sorgte für die Einführung von Mittelschulen, deren Besuch zwischen dem Besuch der Primarklassen der Volksschulen und Erziehungsanstalten sowie dem Besuch des Katechisteninstitutes vorgesehen war. Das neu geschaffene dreigliedrige Schulsystem ermöglichte fortan die Ausbildung in Englisch, Griechisch, Hebräisch, Bibellektüre, biblische Geschichte, Religionslehre, Arithmetik, Geometrie, Geographie, Welt- und Naturgeschichte. Zuletzt wurde die Lehrerausbildung organisatorisch ausgegliedert, so dass der theologische Unterricht noch intensiver erteilt werden konnte. Für die herangebildeten Katechisten und Lehrer wurden zudem Fortbildungskurse angeboten.
Bedingt durch Auers zuweilen aufbrausende Art kam es zu Spannungen mit anderen Missionaren. Dies dürfte mit dazu beigetragen haben, dass er recht plötzlich die Basler Missionsgesellschaft verließ und sich in der Mission der Protestantischen Episkopalkirche der USA am westafrikanischen Cape Palmas betätigte. Auch der Einfluss seiner Ehefrau soll zu diesem Schritt beigetragen haben: Am 10. Januar 1861 hatte Auer in Harper/Maryland (Liberia) die 1835 geborene Amerikanerin Mary Ball geehelicht, die ebenfalls in der Mission tätig gewesen war. Am 18. November 1861 wurde Auer Vater eines Sohnes, der den Namen Gottlieb William erhielt. Der in Cape Palmas tätige Missionsbischof der Protestantischen Episkopalkirche in den USA, John Payne, weihte Auer im Frühjahr 1862 in Cavalla, Westafrika, zum Priester, wie er in einem Osterschreiben des gleichen Jahres bestätigte: "Johann Gottlieb Auer was by me rightly and canonically ordained and made a Priest". Am 10. Februar 1863 starb Auers Frau, acht Tage nach der Geburt eines weiteren Kindes mit dem Namen Theodor, das bereits am 23. März, im Alter von sieben Wochen, starb. Hierauf begab sich Auer nach Amerika, wo er Predigtreisen unternahm. In Gambier (Ohio) sorgte Auer im September 1864 für die Gründung einer Missionsschule, welche auf die Missionstätigkeit vorbereiten sollte. Im Juni 1866 wurde das Missionshaus, das unter Auers Leitung stand, nach Philadelphia verlegt. Im November 1866 nahm Auer die Schwägerin eines in Gambier tätigen Professors namens Smith zur Frau, die am 10. Februar 1867 verstarb.
Auer wandte sich nun wieder der afrikanischen Mission zu und reiste Ende 1867 erneut nach Afrika. Im Jahr 1868 heiratete er die aus Gaisburg stammende Marie Amalie Heydt. Die kurz darauf geborene Tochter mit Namen Lucy starb noch am Tag ihrer Geburt, am 12. November 1869, im westafrikanischen Cavalla. Gesundheitlich waren sowohl Auer wie auch seine Frau zu dieser Zeit stark angegriffen. Im Oktober 1872 wählte die Generalversammlung der Episkopalkirche Auer zum Missionsbischof ("missionary bishop") von Cape Palmas. Geweiht wurde er in der Osterwoche des folgenden Jahres, am 17. April 1873, in der St. Johannes-Kirche ("St. John's Church") in Georgetown, D. C. Obwohl er 1872 einen weiteren gesundheitlichen Rückschlag erlitten hatte, sah er sich unentwegt zur missionarischen Tätigkeit veranlasst, da er der einzige weiße Ordinierte in seinem westafrikanischen Missionsgebiet war. Auers Tätigkeit als Missionsbischof war nicht von langer Dauer: Johann Gottlieb Auer starb bereits am 16. Februar 1874, nachdem ihn anhaltendes Fieber zunehmend geschwächt hatte.
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Bestandsgeschichte
Der Nachlass Johann Gottlieb Auers kam über die kinderlos gebliebenen Geschwister Ida und Theophil Auer - zwei Enkel Auers - zunächst an den Bürgermeister i. R. Hans König aus Gaildorf. Da es sich bei den beiden Geschwistern um Auers letzte direkte Nachfahren gehandelt hatte, übergab König, in seiner Funktion als Testamentsvollstrecker, nach dem Ableben der Geschwister in den Jahren 2002/03 den Nachlass im Frühjahr 2005 dem Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart.
Dort wurde der Nachlass im Oktober 2005 von Archivreferendar Martin Schlemmer im Rahmen eines einmonatigen Archivpraktikums unter Betreuung durch Michael Bing gesichtet, geordnet, verzeichnet und verpackt. Eine Vorordnung des Nachlasses war nur ansatzweise zu erkennen. Das großenteils ungeordnete Material wurde behutsam zusammengestellt und dort, wo es inhaltlich sinnvoll erschien, in einen neuen formalen Kontext gestellt. So war es beispielsweise notwendig, die in einem einzigen Umschlag befindlichen Unterlagen, die laut Beschriftung auf Auers Schreibtisch gefunden worden waren, systematisch zu gliedern und den entsprechenden Klassifikationsgruppen zuzuordnen. Die überschaubare Größe des Bestandes legte eine kleinteilige Verzeichnung nahe. Den Usancen des Landeskirchlichen Archivs entsprechend wurden in Ausnahmefällen Indexbegriffe aufgenommen, die in der Titelaufnahme nicht enthalten sind. Der Bestand wurde annähernd vollständig übernommen. Kassiert wurden lediglich, der allgemeinen archivarischen Praxis entsprechend, Verpackungsmaterial sowie unbeschriftete Zettel und Umschläge ohne Aussagewert. Eine kleinere Sammlung von Photographien und Portraits sowie ein Photoalbum wurden in die Bildnissammlung des Landeskirchlichen Archivs integriert.
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Charakterisierung des Bestands
Der Nachlass Auers setzt sich aus Dokumenten unterschiedlicher Form
- bis hin zu Realien
- und verschiedenen Inhaltes zusammen. Von zentraler Bedeutung ist sicher die umfangreiche Korrespondenz Auers selbst (1.1 Korrespondenz Johann Gottlieb Auers), daneben jedoch auch die seiner Frau Marie Amalie (1.2 Korrespondenz Marie Amalie Auers geb. Heydt). Die Korrespondenz ermöglicht einen Einblick in die Herausforderungen und Probleme der westafrikanischen Mission, daneben vermittelt sie Eindrücke bezüglich der Persönlichkeit beziehungsweise des Charakters Johann Gottlieb Auers. Dies gilt insbesondere für die Reimverse, die Auer zu verschiedenen Anlässen ihm nahe stehenden Personen widmete, etwa seiner Ehefrau Marie Amalie, seinen Schwiegereltern oder seiner Tante Friederike Bertrand (1.1.1 Private Korrespondenz). Die persönlichen Dokumente (Pässe, Zeugnisse etc.) geben Aufschluss über biographische Eckdaten in Auers Lebenslauf. Periodika, Zeitungsausschnitte, Broschüren und Bücher illustrieren das missionarische Aufgabenfeld der damaligen Zeit und vermitteln einen Eindruck von der Organisation und dem Profil der Protestantischen Episkopalkirche in den USA. Der Nachlass Auer ermöglicht einen guten Einblick in die Biographie einer Person, die ihr Leben in den Dienst der Mission stellte und sich von dieser Aufgabe zuletzt auch physisch verzehren ließ.
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Literatur zum Thema
Publikationen, die sich in nennenswertem Umfang mit der Person Auers befassen, stehen noch aus. Publizierte Quelleneditionen liegen nicht vor, und auch die Forschungsliteratur beschäftigte sich bislang lediglich kursorisch mit Auers Wirken. [Auch im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (Bautz) existiert bislang kein Eintrag zu Johann Ludwig Auer.] Eine Personalakte zu Johann Gottlieb Auer existiert in den Beständen des Landeskirchenarchivs Stuttgart nicht, da er als Pfarrer nicht in Württemberg wirkte. Biographische Informationen (in Form von "grauer Literatur"), Nachrufe und Portraits Auers finden sich in dessen Nachlass in - angesichts des geringen Umfangs des Bestandes - überraschender Vielfalt. Die im Nachlass Auer enthaltenen biographischen Informationen erlauben eine skizzenhafte Rekonstruktion des Lebenslaufes des Missionars.
Die aus dem Jahr 1900 stammenden Ausführungen Paul Epplers in dessen Geschichte der Basler Mission [vgl. Eppler, Paul, Geschichte der Basler Mission 1815-1899, Basel 1900, S. 206-208] basieren im Wesentlichen auf der im Nachlass enthaltenen Broschüre "Bischof Auer's Leben" von J. Hesse (5. Druckerzeugnisse, Broschüren und Bücher). John Kofi Agbeti widmet Auer in seiner westafrikanischen Kirchengeschichte einige Zeilen und konstatiert, dass Auer eine bedeutende Reorganisation ("important re-organisation") der Ausbildung in Akropong gelungen sei. [Agbeti, John Kofi, West African church history II. Christian Missions and Theological Training 1842-1970, Leiden, New York, København, Köln 1991, hier: S. 39.]
Auch im Internet finden sich Informationen zum Leben und Wirken Auers. Am ertragreichsten ist dabei die Abschlussarbeit Martin Knispels, die 2003 im Fach Missiologie an der Universität von Südafrika zur Erlangung des Masters of Theology eingereicht wurde. [Knispel, Martin, Jugendarbeit im Wandel. Eine Fallstudie über die Arbeit mit jungen Menschen innerhalb der Presbyterianischen Kirche von Ghana, 2003 [eingereicht im Fach Missiologie an der Universität von Südafrika für die teilweise Erfüllung eines Abschlusses als Master of Theology], abzurufen unter: http://etd.unisa.ac.za/ETD-db/theses/available/etd-11162004-120431/unrestricted/01thesis.PDF.].
Knispels Studie berücksichtigt Auers Werk zwar nur am Rande, sie stellt dieses jedoch in den breiteren Kontext der missionarischen Tätigkeit beziehungsweise der sozialen, biblisch ausgerichteten Jugendarbeit der Presbyterianischen Kirche von Ghana. Knappe biographische Informationen in englischer Sprache bietet die Edited Appletons Encyclopedia (URL: http://www.famousamericans.net/johngottliebauer/). Erwähnung findet Auer schließlich auch auf den Seiten der "Episcopal Diocese of San Joaquin, California" der Episkopalkirche in den USA ("Episcopal Church in the United States of America") [URL: http://www.sjoaquin.net/aso/succession.html].
Die in den 1870er Jahren von Auer in Kru-Sprache herausgegebenen Liederbücher sind verzeichnet in: Metzger, Heinz Dietrich, Gesangbücher in Württemberg. Bestandsverzeichnis (Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 20), Stuttgart, Weimar 2002, S. 591-594. Bildnisse Auers finden sich im Nachlass Auers in verschiedenen Verzeichnungseinheiten: "Evangelisches Missions-Magazin", Neue Folge, 19. Jahrgang, Juni 1875 (4.1 Periodika); Zeitungsausschnitte aus deutschsprachigen Zeitungen, Art. "Von den Kru-Negern" (4.2 Zeitungsausschnitte); Taschenkalender Marie Auer von 1874 (2.2.1 Taschenkalender Marie Auer). Darüber hinaus finden sich Photographien Auers in dem aus dem Nachlass ausgegliederten und in die Bildnissammlung des Landeskirchlichen Archivs integrierten Photobestand.
Einleitung: Johann Gottlieb Auer wurde am 18. November 1832 in Neubulach/Schwarzwald als jüngstes von sechs Geschwistern geboren. Auers Vater, war von Beruf Schuhmacher und Waldschütze, seine Mutter trug als Näherin zum Lebensunterhalt der Familie bei. Im Alter von vier Jahren wurde Auer eingeschult. Noch vor seiner Konfirmation im Jahre 1846 schlug er 1845 auf Anraten seines Lehrers, der auch die Eltern Auers von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugen konnte, die Lehrerlaufbahn ein. 1847 bestand Auer die erste Prüfung in Nagold, nach weiteren zwei Jahren das Eintrittsexamen im Lehrerseminar zu Nürtingen. Im Mai 1854 legte er die Lehrgehilfenprüfung ab.
Im Juni 1854 wurde Auer in die missionarische Voranstalt der Basler Missionsgesellschaft aufgenommen. Bereits im Winter des Jahres 1856/57 litt er an einer Erkrankung der Gelenke. Im Dezember 1857 wurde er gemeinsam mit einem Mitbruder nach Akropong an der Goldküste (Westafrika) entsandt. An der dort angesiedelten Missionsstation begünstigte Auer, der zunächst als Musiklehrer begonnen hatte, die Fortentwicklung des Schulwesens. An der Spitze der Katechistenschule stehend, konnte er sich profilieren, so dass er schließlich zum Generalschulinspektor ernannt wurde. Auer schwebte die Organisation des Schulwesens nach deutschem Vorbild vor. Er sorgte für die Einführung von Mittelschulen, deren Besuch zwischen dem Besuch der Primarklassen der Volksschulen und Erziehungsanstalten sowie dem Besuch des Katechisteninstitutes vorgesehen war. Das neu geschaffene dreigliedrige Schulsystem ermöglichte fortan die Ausbildung in Englisch, Griechisch, Hebräisch, Bibellektüre, biblische Geschichte, Religionslehre, Arithmetik, Geometrie, Geographie, Welt- und Naturgeschichte. Zuletzt wurde die Lehrerausbildung organisatorisch ausgegliedert, so dass der theologische Unterricht noch intensiver erteilt werden konnte. Für die herangebildeten Katechisten und Lehrer wurden zudem Fortbildungskurse angeboten.
Bedingt durch Auers zuweilen aufbrausende Art kam es zu Spannungen mit anderen Missionaren. Dies dürfte mit dazu beigetragen haben, dass er recht plötzlich die Basler Missionsgesellschaft verließ und sich in der Mission der Protestantischen Episkopalkirche der USA am westafrikanischen Cape Palmas betätigte. Auch der Einfluss seiner Ehefrau soll zu diesem Schritt beigetragen haben: Am 10. Januar 1861 hatte Auer in Harper/Maryland (Liberia) die 1835 geborene Amerikanerin Mary Ball geehelicht, die ebenfalls in der Mission tätig gewesen war. Am 18. November 1861 wurde Auer Vater eines Sohnes, der den Namen Gottlieb William erhielt. Der in Cape Palmas tätige Missionsbischof der Protestantischen Episkopalkirche in den USA, John Payne, weihte Auer im Frühjahr 1862 in Cavalla, Westafrika, zum Priester, wie er in einem Osterschreiben des gleichen Jahres bestätigte: "Johann Gottlieb Auer was by me rightly and canonically ordained and made a Priest". Am 10. Februar 1863 starb Auers Frau, acht Tage nach der Geburt eines weiteren Kindes mit dem Namen Theodor, das bereits am 23. März, im Alter von sieben Wochen, starb. Hierauf begab sich Auer nach Amerika, wo er Predigtreisen unternahm. In Gambier (Ohio) sorgte Auer im September 1864 für die Gründung einer Missionsschule, welche auf die Missionstätigkeit vorbereiten sollte. Im Juni 1866 wurde das Missionshaus, das unter Auers Leitung stand, nach Philadelphia verlegt. Im November 1866 nahm Auer die Schwägerin eines in Gambier tätigen Professors namens Smith zur Frau, die am 10. Februar 1867 verstarb.
Auer wandte sich nun wieder der afrikanischen Mission zu und reiste Ende 1867 erneut nach Afrika. Im Jahr 1868 heiratete er die aus Gaisburg stammende Marie Amalie Heydt. Die kurz darauf geborene Tochter mit Namen Lucy starb noch am Tag ihrer Geburt, am 12. November 1869, im westafrikanischen Cavalla. Gesundheitlich waren sowohl Auer wie auch seine Frau zu dieser Zeit stark angegriffen. Im Oktober 1872 wählte die Generalversammlung der Episkopalkirche Auer zum Missionsbischof ("missionary bishop") von Cape Palmas. Geweiht wurde er in der Osterwoche des folgenden Jahres, am 17. April 1873, in der St. Johannes-Kirche ("St. John's Church") in Georgetown, D. C. Obwohl er 1872 einen weiteren gesundheitlichen Rückschlag erlitten hatte, sah er sich unentwegt zur missionarischen Tätigkeit veranlasst, da er der einzige weiße Ordinierte in seinem westafrikanischen Missionsgebiet war. Auers Tätigkeit als Missionsbischof war nicht von langer Dauer: Johann Gottlieb Auer starb bereits am 16. Februar 1874, nachdem ihn anhaltendes Fieber zunehmend geschwächt hatte.
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Der Nachlass Johann Gottlieb Auers kam über die kinderlos gebliebenen Geschwister Ida und Theophil Auer - zwei Enkel Auers - zunächst an den Bürgermeister i. R. Hans König aus Gaildorf. Da es sich bei den beiden Geschwistern um Auers letzte direkte Nachfahren gehandelt hatte, übergab König, in seiner Funktion als Testamentsvollstrecker, nach dem Ableben der Geschwister in den Jahren 2002/03 den Nachlass im Frühjahr 2005 dem Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart.
Dort wurde der Nachlass im Oktober 2005 von Archivreferendar Martin Schlemmer im Rahmen eines einmonatigen Archivpraktikums unter Betreuung durch Michael Bing gesichtet, geordnet, verzeichnet und verpackt. Eine Vorordnung des Nachlasses war nur ansatzweise zu erkennen. Das großenteils ungeordnete Material wurde behutsam zusammengestellt und dort, wo es inhaltlich sinnvoll erschien, in einen neuen formalen Kontext gestellt. So war es beispielsweise notwendig, die in einem einzigen Umschlag befindlichen Unterlagen, die laut Beschriftung auf Auers Schreibtisch gefunden worden waren, systematisch zu gliedern und den entsprechenden Klassifikationsgruppen zuzuordnen. Die überschaubare Größe des Bestandes legte eine kleinteilige Verzeichnung nahe. Den Usancen des Landeskirchlichen Archivs entsprechend wurden in Ausnahmefällen Indexbegriffe aufgenommen, die in der Titelaufnahme nicht enthalten sind. Der Bestand wurde annähernd vollständig übernommen. Kassiert wurden lediglich, der allgemeinen archivarischen Praxis entsprechend, Verpackungsmaterial sowie unbeschriftete Zettel und Umschläge ohne Aussagewert. Eine kleinere Sammlung von Photographien und Portraits sowie ein Photoalbum wurden in die Bildnissammlung des Landeskirchlichen Archivs integriert.
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Der Nachlass Auers setzt sich aus Dokumenten unterschiedlicher Form
- bis hin zu Realien
- und verschiedenen Inhaltes zusammen. Von zentraler Bedeutung ist sicher die umfangreiche Korrespondenz Auers selbst (1.1 Korrespondenz Johann Gottlieb Auers), daneben jedoch auch die seiner Frau Marie Amalie (1.2 Korrespondenz Marie Amalie Auers geb. Heydt). Die Korrespondenz ermöglicht einen Einblick in die Herausforderungen und Probleme der westafrikanischen Mission, daneben vermittelt sie Eindrücke bezüglich der Persönlichkeit beziehungsweise des Charakters Johann Gottlieb Auers. Dies gilt insbesondere für die Reimverse, die Auer zu verschiedenen Anlässen ihm nahe stehenden Personen widmete, etwa seiner Ehefrau Marie Amalie, seinen Schwiegereltern oder seiner Tante Friederike Bertrand (1.1.1 Private Korrespondenz). Die persönlichen Dokumente (Pässe, Zeugnisse etc.) geben Aufschluss über biographische Eckdaten in Auers Lebenslauf. Periodika, Zeitungsausschnitte, Broschüren und Bücher illustrieren das missionarische Aufgabenfeld der damaligen Zeit und vermitteln einen Eindruck von der Organisation und dem Profil der Protestantischen Episkopalkirche in den USA. Der Nachlass Auer ermöglicht einen guten Einblick in die Biographie einer Person, die ihr Leben in den Dienst der Mission stellte und sich von dieser Aufgabe zuletzt auch physisch verzehren ließ.
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Publikationen, die sich in nennenswertem Umfang mit der Person Auers befassen, stehen noch aus. Publizierte Quelleneditionen liegen nicht vor, und auch die Forschungsliteratur beschäftigte sich bislang lediglich kursorisch mit Auers Wirken. [Auch im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (Bautz) existiert bislang kein Eintrag zu Johann Ludwig Auer.] Eine Personalakte zu Johann Gottlieb Auer existiert in den Beständen des Landeskirchenarchivs Stuttgart nicht, da er als Pfarrer nicht in Württemberg wirkte. Biographische Informationen (in Form von "grauer Literatur"), Nachrufe und Portraits Auers finden sich in dessen Nachlass in - angesichts des geringen Umfangs des Bestandes - überraschender Vielfalt. Die im Nachlass Auer enthaltenen biographischen Informationen erlauben eine skizzenhafte Rekonstruktion des Lebenslaufes des Missionars.
Die aus dem Jahr 1900 stammenden Ausführungen Paul Epplers in dessen Geschichte der Basler Mission [vgl. Eppler, Paul, Geschichte der Basler Mission 1815-1899, Basel 1900, S. 206-208] basieren im Wesentlichen auf der im Nachlass enthaltenen Broschüre "Bischof Auer's Leben" von J. Hesse (5. Druckerzeugnisse, Broschüren und Bücher). John Kofi Agbeti widmet Auer in seiner westafrikanischen Kirchengeschichte einige Zeilen und konstatiert, dass Auer eine bedeutende Reorganisation ("important re-organisation") der Ausbildung in Akropong gelungen sei. [Agbeti, John Kofi, West African church history II. Christian Missions and Theological Training 1842-1970, Leiden, New York, København, Köln 1991, hier: S. 39.]
Auch im Internet finden sich Informationen zum Leben und Wirken Auers. Am ertragreichsten ist dabei die Abschlussarbeit Martin Knispels, die 2003 im Fach Missiologie an der Universität von Südafrika zur Erlangung des Masters of Theology eingereicht wurde. [Knispel, Martin, Jugendarbeit im Wandel. Eine Fallstudie über die Arbeit mit jungen Menschen innerhalb der Presbyterianischen Kirche von Ghana, 2003 [eingereicht im Fach Missiologie an der Universität von Südafrika für die teilweise Erfüllung eines Abschlusses als Master of Theology], abzurufen unter: http://etd.unisa.ac.za/ETD-db/theses/available/etd-11162004-120431/unrestricted/01thesis.PDF.].
Knispels Studie berücksichtigt Auers Werk zwar nur am Rande, sie stellt dieses jedoch in den breiteren Kontext der missionarischen Tätigkeit beziehungsweise der sozialen, biblisch ausgerichteten Jugendarbeit der Presbyterianischen Kirche von Ghana. Knappe biographische Informationen in englischer Sprache bietet die Edited Appletons Encyclopedia (URL: http://www.famousamericans.net/johngottliebauer/). Erwähnung findet Auer schließlich auch auf den Seiten der "Episcopal Diocese of San Joaquin, California" der Episkopalkirche in den USA ("Episcopal Church in the United States of America") [URL: http://www.sjoaquin.net/aso/succession.html].
Die in den 1870er Jahren von Auer in Kru-Sprache herausgegebenen Liederbücher sind verzeichnet in: Metzger, Heinz Dietrich, Gesangbücher in Württemberg. Bestandsverzeichnis (Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 20), Stuttgart, Weimar 2002, S. 591-594. Bildnisse Auers finden sich im Nachlass Auers in verschiedenen Verzeichnungseinheiten: "Evangelisches Missions-Magazin", Neue Folge, 19. Jahrgang, Juni 1875 (4.1 Periodika); Zeitungsausschnitte aus deutschsprachigen Zeitungen, Art. "Von den Kru-Negern" (4.2 Zeitungsausschnitte); Taschenkalender Marie Auer von 1874 (2.2.1 Taschenkalender Marie Auer). Darüber hinaus finden sich Photographien Auers in dem aus dem Nachlass ausgegliederten und in die Bildnissammlung des Landeskirchlichen Archivs integrierten Photobestand.
0,5 lfd. m
Bestand
Publikationen, die sich in nennenswertem Umfang mit der Person Auers befassen, stehen noch aus. Publizierte Quelleneditionen liegen nicht vor, und auch die Forschungsliteratur beschäftigte sich bislang lediglich kursorisch mit Auers Wirken. [Auch im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (Bautz) existiert bislang kein Eintrag zu Johann Ludwig Auer.] Eine Personalakte zu Johann Gottlieb Auer existiert in den Beständen des Landeskirchenarchivs Stuttgart nicht, da er als Pfarrer nicht in Württemberg wirkte. Biographische Informationen (in Form von "grauer Literatur"), Nachrufe und Portraits Auers finden sich in dessen Nachlass in - angesichts des geringen Umfangs des Bestandes - überraschender Vielfalt. Die im Nachlass Auer enthaltenen biographischen Informationen erlauben eine skizzenhafte Rekonstruktion des Lebenslaufes des Missionars.#NZ#Die aus dem Jahr 1900 stammenden Ausführungen Paul Epplers in dessen Geschichte der Basler Mission [vgl. Eppler, Paul, Geschichte der Basler Mission 1815-1899, Basel 1900, S. 206-208] basieren im Wesentlichen auf der im Nachlass enthaltenen Broschüre "Bischof Auer's Leben" von J. Hesse (5. Druckerzeugnisse, Broschüren und Bücher). John Kofi Agbeti widmet Auer in seiner westafrikanischen Kirchengeschichte einige Zeilen und konstatiert, dass Auer eine bedeutende Reorganisation ("important re-organisation") der Ausbildung in Akropong gelungen sei. [Agbeti, John Kofi, West African church history II. Christian Missions and Theological Training 1842-1970, Leiden, New York, København, Köln 1991, hier: S. 39.]#NZ#Auch im Internet finden sich Informationen zum Leben und Wirken Auers. Am ertragreichsten ist dabei die Abschlussarbeit Martin Knispels, die 2003 im Fach Missiologie an der Universität von Südafrika zur Erlangung des Masters of Theology eingereicht wurde. [Knispel, Martin, Jugendarbeit im Wandel. Eine Fallstudie über die Arbeit mit jungen Menschen innerhalb der Presbyterianischen Kirche von Ghana, 2003 [eingereicht im Fach Missiologie an der Universität von Südafrika für die teilweise Erfüllung eines Abschlusses als Master of Theology], abzurufen unter: http://etd.unisa.ac.za/ETD-db/theses/available/etd-11162004-120431/unrestricted/01thesis.PDF.].#NZ#Knispels Studie berücksichtigt Auers Werk zwar nur am Rande, sie stellt dieses jedoch in den breiteren Kontext der missionarischen Tätigkeit beziehungsweise der sozialen, biblisch ausgerichteten Jugendarbeit der Presbyterianischen Kirche von Ghana. Knappe biographische Informationen in englischer Sprache bietet die Edited Appletons Encyclopedia (URL: http://www.famousamericans.net/johngottliebauer/). Erwähnung findet Auer schließlich auch auf den Seiten der "Episcopal Diocese of San Joaquin, California" der Episkopalkirche in den USA ("Episcopal Church in the United States of America") [URL: http://www.sjoaquin.net/aso/succession.html].#NZ#Die in den 1870er Jahren von Auer in Kru-Sprache herausgegebenen Liederbücher sind verzeichnet in: Metzger, Heinz Dietrich, Gesangbücher in Württemberg. Bestandsverzeichnis (Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 20), Stuttgart, Weimar 2002, S. 591-594. Bildnisse Auers finden sich im Nachlass Auers in verschiedenen Verzeichnungseinheiten: "Evangelisches Missions-Magazin", Neue Folge, 19. Jahrgang, Juni 1875 (4.1 Periodika); Zeitungsausschnitte aus deutschsprachigen Zeitungen, Art. "Von den Kru-Negern" (4.2 Zeitungsausschnitte); Taschenkalender Marie Auer von 1874 (2.2.1 Taschenkalender Marie Auer). Darüber hinaus finden sich Photographien Auers in dem aus dem Nachlass ausgegliederten und in die Bildnissammlung des Landeskirchlichen Archivs integrierten Photobestand.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.