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Gewerkschaft Kunst (Bestand)
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Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Deutsche Demokratische Republik mit sowjetischer Besatzungszone (1945-1990) >> Organisationen und Verbände >> Gewerkschaften
1946-1990
Bestandsbeschreibung: Der FDGB war nach dem Produktionsprinzip in Einzelgewerkschaften gegliedert, die sämtliche Arbeiter und Angestellten eines Bereichs oder Wirtschaftszweigs vereinigte. Die Überlieferung der Einzelgewerkschaft Kunst umfasst den Zeitraum 1946-1990 für Künstler und Kulturschaffende aller Richtungen sowie Mitarbeiter des Ministeriums für Kultur und weiterer gesellschaftlicher Organisationen.
I. Geschichtlicher Rahmen
I.1 Bezeichnungen
Gewerkschaft Kunst, Schrifttum und freie Berufe (Juni-Aug. 1946)
Nach der vorstehenden Übersicht ist ein steter Anstieg der Mitgliederzahlen der Gewerkschaft Kunst zu verzeichnen. Insgesamt gehörte die Gewerkschaft Kunst zu den eher mitgliederschwachen Gewerkschaften des FDGB.
I.3 Bedeutung
In der Gewerkschaft Kunst der DDR, die zu den Gewerkschaften des FDGB gehörte, waren Künstler- und Kulturschaffende der DDR organisiert. Wie alle Gewerkschaften der DDR war auch die Gewerkschaft Kunst nach dem Grundsatz "Ein Betrieb - eine Gewerkschaft" aufgebaut. Die Aufnahme in die Gewerkschaft erfolgte durch die Mitgliederversammlung, nachdem ein entsprechender Aufnahmeantrag gestellt wurde.
Der Gewerkschaft Kunst waren folgende Einrichtungen zuzuordnen: Theater, Orchester, Filmstudios, Kinos, Deutscher Fernsehfunk, Rundfunksender, Museen, Varietes und Kabaretts, Zirkusse, künstlerische Hoch- und Fachschulen, Musikschulen und Schallplattenproduktionsbetriebe. Zudem gehörten der Gewerkschaft Kunst die Mitarbeiter des Ministeriums für Kultur und anderer gesellschaftlicher Organisationen an. Neben den Grundorganisationen in den Betrieben existierten Grundorganisationen für freischaffende Mitglieder, z.B. Musiker, Musikerzieher, Artisten, Schauspieler und Sänger.
Aufgabe der Gewerkschaft war die Vertretung der materiellen und sozialen Interessen der Mitglieder. Es wurden Tarifverträge mit dem Ministerium für Kultur und den Staatlichen Komitees für Rundfunk und Fernsehen abgeschlossen. Eine wichtige Rolle in der Gewerkschaftsarbeit spielten ferner die verschiedenen Formen des sozialistischen Wettbewerbs, der in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultur entwickelt und durchgeführt wurde. Als bedeutendster Wettbewerb im künstlerischen Bereich kann der Wettbewerb um den Hans-Otto-Preis in den Theatern betrachtet werden, der 1958 zum ersten Mal durchgeführt wurde.
In einer Geschäftsordnung des ZV der Gewerkschaft Kunst von 1958 ist die Aufgabe der Gewerkschaft Kunst so definiert: "[...] die in ihren Reihen organisierten Künstler, Kulturschaffenden, Arbeiter und Angestellten unter Führung der Partei der Arbeiterklasse zur sozialistischen Parteilichkeit in ihrem künstlerischen Schaffen sowie in der kulturellen Massenarbeit zu erziehen, ihre Verantwortung für die Weiterentwicklung der sozialistischen Kunst zu erhöhen und ihre soziale und kulturelle Betreuung zu sichern."
I.4 Organisationsaufbau und Arbeitsweise der Gewerkschaft Kunst
Die Gewerkschaften der DDR waren Fachabteilungen des FDGB. Sie waren in der Organisation, der Personalbesetzung und dem Finanzwesen dem Bundesvorstand des FDGB gegenüber weisungsgebunden.
Das gewerkschaftliche Mitgliederleben erfolgte in den Betrieben in den Gewerkschaftsgruppen sowie in regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlungen.
Auf Beschluss des Bundesvorstands des FDGB von 1951 wurden in den Gewerkschaften Grund- und Zentralschulen gebildet, um Nachwuchs-Gewerkschaftsfunktionäre auszubilden. Zu diesem Zweck verfügte die Gewerkschaft Kunst ab 1952 über die Grundschule der Gewerkschaft Kunst "Martin Andersen Nexö" in Radebeul. Zudem wurden Kurzlehrgänge in Berggiesshübel abgehalten.
Oberstes Organ der Gewerkschaft Kunst war die Zentraldelegiertenkonferenz, die alle vier bis fünf Jahre stattfand. Auf der Zentraldelegiertenkonferenz wurde der Zentralvorstand (um 1976: 90 Mitglieder und 20 Kandidaten) sowie die Revisionskommission (um 1976: 7 Mitglieder und 2 Kandidaten) gewählt. Der Zentralvorstand leitete die Tätigkeit der Gewerkschaft Kunst zwischen den Delegiertenkonferenzen. Er tagte drei bis viermal jährlich. Aus seiner Mitte wählte er den Vorsitzenden, den stellvertretenden Vorsitzenden, das Präsidium (um 1970: 18 Mitglieder, um 1976: 21 Mitglieder) sowie das Sekretariat (um 1976: 6 Mitglieder). Er berief außerdem die zentralen Fachkommissionen, welche die Leitung entsprechend der unterschiedlichen beruflichen Zusammensetzung der Mitgliedschaft berieten. Die Revisionskommission wählte ebenfalls einen Vorsitzenden.
Alle 2 1/2 Jahre fanden die Bezirksdelegiertenkonferenzen statt, die Delegierte zur Zentraldelegiertenkonferenz entsandten. Auf den Bezirksdelegiertenkonferenzen wurden die Bezirksvorstände (um 1970: je nach Größe des Bezirkes 25 bis 40 Mitglieder)
sowie die Bezirksrevisionskommissionen gewählt. Jeder Bezirksvorstand wählte einen Vorsitzenden und sein Sekretariat (um 1970: 5-10 Mitglieder), welches die laufende Arbeit zwischen den Tagungen des Bezirksvorstands leitete und diesem rechenschaftspflichtig war. Ebenso wählte die Bezirksrevisionskommission einen Vorsitzenden.
Die Delegierten der Bezirksdelegiertenkonferenzen wurden von der Vertrauensleute-Vollversammlung der Betriebsgewerkschaftsorganisation entsandt. Je Bezirk existierten 20 bis 100 Betriebsgewerkschaftsorganisationen. Hier wurden auch die jeweiligen Betriebsgewerkschaftsleitungen und Revisionskommissionen gewählt, die wiederum jeweils einen Vorsitzenden benannten. In Klein- und Mittelbetrieben erfolgte die Wahl dieser Organe in den Mitgliederversammlungen. Eine Betriebsgewerkschaftsorganisation setzte sich bei größeren Betrieben aus Abteilungsgewerkschaftsorganisationen zusammen. Dies entspricht einem Betriebsteil mit ca. 200 Mitgliedern. Je Großbetrieb gab es 2 bis 30 Abteilungsgewerkschaftsorganisationen. Die Mitgliederversammlung der Abteilungsgewerkschaftsorganisation wählte alle 2 \'bd Jahre die Abteilungsgewerkschaftsleitung und die Revisionskommission. Beide Organe wählten jeweils einen Vorsitzenden. Die kleinste Einheit der betrieblichen Gewerkschaftsorganisation bildeten die Gewerkschaftsgruppen. Sie entsprachen einem Arbeitskollektiv mit durchschnittlich 15 Mitgliedern. Je nach Größe des Betriebsteils existierten 2 bis 10 Gewerkschaftsgruppen. Die Gewerkschaftsgruppen wählten alle 2 Jahre 5 Gruppenfunktionäre: Vertrauensmann, Kulturobmann, Arbeitsschutzobmann, Sozialversicherungs-Bevollmächtiger und Sportorganisator.
I.5 Geschichte der Gewerkschaft Kunst sowie ihres Zentralvorstands
I.5.1 Gewerkschaft Kunst und Schrifttum (1946-1949)
Zentraldelegiertenkonferenzen
1. Zonen-Delegiertenkonferenz am 17. und 18. Juni 1946 in Berlin-Pankow
2. Zentraldelegiertenkonferenz am 26. und 27. Nov. 1947 in Berlin
Vorsitzender:
Amandus Prietzel (1946-1949)
Stellvertretender Vorsitzender:
Hermann Fischer (1946-1949)
Auf der ersten Zonen-Delegiertenkonferenz am 17. und 18. Juni 1946 in Berlin erfolgte die Gründung der Gewerkschaft für Kunst, Schrifttum und freie Berufe. Die erste Zentralvorstandssitzung fand am 16. Juli 1946 statt. Am 17. Juni 1946 wurde die Gewerkschaft als Gewerkschaft 17 beim vorbereitenden Ausschuss des FDGB registriert. Im August 1946 erfolgte die Umbenennung in Gewerkschaft Kunst und Schrifttum. Dieser Name wurde in der Satzung nach den Beschlüssen der 2. Zentraldelegiertenkonferenz vom 26. und 27. November 1947 bestätigt. Zudem wurde hier die fachliche Gliederung der Gewerkschaft in Sparten festgelegt, und zwar: Bühne, Film, Funk (GDBA), Artisten (IAL), Musik (Deutscher Musikerverband), Technik und Verwaltung, Schriftsteller (Schutzverband Deutscher Autoren), Journalisten (Verband der deutschen Presse) und Bildende Kunst (Schutzverband der bildenden Künstler).
Eine besondere Rolle in der Geschichte der Gewerkschaft Kunst nimmt Groß-Berlin ein. Auf Vorschlag des "Schutzverbandes Deutscher Autoren" (SDA) wurde 1947 das "Kartell Kunst- und Schrifttum im FDGB Groß-Berlin" gegründet, in dem sich sieben Fachverbände zusammenschlossen. In Groß-Berlin wurde zunächst an der Eigenständigkeit der einzelnen Fachverbände festgehalten, 1953 wurde jedoch auch hier eine einheitliche Gewerkschaft Kunst gebildet.
1. Zentraldelegiertenkonferenz am 15. und 16. Juni 1949 in Berlin
2. Zentraldelegiertenkonferenz vom 1. bis 3. Aug. 1950 in Eisenach
Vorsitzende:
Amandus Prietzel (1946-1949)
Kurt Pfannschmidt (1950-1953)
Stellvertretende Vorsitzende:
Heinrich Allmeroth (ehrenamtlich) (1950-)
Hermann Fischer (1950-)
1949 wurde die Gewerkschaft Kunst und Schrifttum in zwei Gewerkschaften aufgeteilt, zum einen in die Gewerkschaft 17 - Bühne, Film, Artistik, Musik mit den Sparten Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, Internationale Artisten-Loge, Deutscher Musiker-Verband sowie Technik und Verwaltung. Zum anderen in die Gewerkschaft 19 - Kunst und Schrifttum mit den Sparten Schutzverband Deutscher Autoren, Schutzverband Bildender Künstler und Verband der Deutschen Presse. 1950 erfolgte die Namensänderung der "Gewerkschaft 17 - Bühne, Film, Artistik, Musik" in Gewerkschaft Bühne-Film-Funk-Musik-Artistik.
I.5.3 Gewerkschaft Kunst (Febr. 1951- März 1990)
Zentraldelegiertenkonferenzen
Außerordentliche Zentraldelegiertenkonferenz vom 20. bis 21. Febr. 1951 in Leipzig
Auf der außerordentlichen Zentraldelegiertenkonferenz am 20. und 21. Februar 1951 wurden die Bereiche der Gewerkschaft Kunst und Schrifttum mit der Gewerkschaft Bühne-Film-Funk-Musik-Artistik zusammengelegt und es erfolgte die Gründung der Gewerkschaft Kunst. Zudem erfolgte auf dieser Konferenz die Bildung von Zentralen Fachkommissionen für die Bereiche Bühne, Film, Funk, Musik und Artistik. Diese sollten die fachlichen, kulturellen und sozialen Interessen der Mitglieder bearbeiten.
I.5.4 Gewerkschaft Kunst, Kultur, Medien (März bis Oktober 1990)
Zentraldelegiertenkonferenzen
Außerordentliche ZDK am 22. Jan. 1990 in Berlin
Außerordentliche ZDK am 19. März 1990 in Berlin
Außerordentlicher Gewerkschaftstag am 10. Sept. 1990 in Berlin
Vorsitzende:
Ruth Martin (19. März 1990-31. Okt. 1990)
Stellvertretende Vorsitzende:
Hans-Joachim Lesching (19. März 1990-31. Okt. 1990)
Im Zuge der politischen Wende 1989 erfolgte auf der außerordentlichen ZDK am 19. März 1990 die Umbenennung der Gewerkschaft Kunst. Der Name war nun Gewerkschaft Kunst, Kultur, Medien. Diese Gewerkschaft erfuhr am 31. Oktober 1990 ihre Auflösung, denn im
Oktober 1990 fusionierten die IG Druck und Papier und die Gewerkschaft Kunst im FDGB der DDR mit der IG Medien im DGB zur IG Medien Deutschlands.
II. Aufbau des Zentralvorstands der Gewerkschaft Kunst
Zunächst sollen einige Ausführungen den Aufbau und die Arbeitsweise des Zentralvorstands der Gewerkschaft Kunst verdeutlichen. Hieran schließt sich die Auflistung der einzelnen Abteilungen und Kommissionen an.
Struktur: Der Zentralvorstand setzte sich aus dem Sekretariat, dem Präsidium und den einzelnen Abteilungen zusammen. Unterhalb der Abteilungsebene wurden vom Sekretariat berufene Kommissionen eingesetzt, die auf der Grundlage hoher Fachkompetenz das Sekretariat berieten und unterstützten.
Auf der Sekretariatssitzung am 8. April 1951 wurden Beschlüsse zur Organisation des Zentralvorstands gefasst: Das Sekretariat konnte laut Satzung nur aus Mitgliedern des Zentralvorstands gebildet werden. Die Fachkommissionen wurden jeweils von einem Sekretariatsmitglied geleitet. Beschlüsse der Fachkommissionen bedurften der Bestätigung des Sekretariats. Die Mitglieder der Fachkommissionen wurden vom Sekretariat berufen.
Das Sekretariat des Zentralvorstands wurde vom Zentralvorstand gewählt und war diesem gegenüber rechenschaftspflichtig. Es setzte sich zusammen aus dem Vorsitzenden und Sekretariatsmitgliedern (1958: 9), die hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig waren. Die einzelnen Abteilungen waren Hilfsorgane des Zentralvorstands und seines Sekretariats. Das verantwortliche Sekretariatsmitglied war gleichzeitig Abteilungsleiter. Zur Unterstützung und Hilfe der untergeordneten Vorstände und Leitungen wurden Instrukteureinsätze durchgeführt. Das Büro des Sekretariats unterstand dem Vorsitzenden und unterstützte diesen.
Ein Organigramm des Zentralvorstands (1974-1977) lässt folgenden Aufbau erkennen:
Dem Vorsitzenden direkt unterstellt waren der Persönliche Referent sowie die Abt. Internationale Verbindungen. Eine Ebene darunter waren vier Sekretäre sowie der stellvertretende Vorsitzende angesiedelt. Ein Sekretär leitete die Abt. Bildung und Jugend mit den Bereichen Bildung, Jugend, Hoch- und Fachschulen. Ein Sekretär leitete die Abt. Arbeit und Löhne mit den Bereichen Lohn und Tarife, Arbeitsrecht, Planung, Neuererwesen, Sozialpolitik und Arbeitsschutz. Weiterhin wurde die Abt. Film, Funk, Fernsehen mit den Bereichen Filmproduktion, Rundfunk, Fernsehen und Lichtspielwesen von einem Sekretär geleitet. Ebenso verhielt es sich mit der Abt. Darstellende Kunst mit ihren Bereichen Theater, Orchester, Musikschulen, Unterhaltung und Museen.
Berichtswesen: Das Sekretariat des Zentralvorstands verkörperte die kollektive Leitung der hauptamtlichen und gewählten Funktionäre und war verantwortlich für die grundsätzlich politisch-organisatorische Gestaltung der Tätigkeit der Abteilungen und Mitarbeiter. Auf der Grundlage des Arbeitsplanes des Präsidiums und des Sekretariats arbeitete jede Abteilung ihren Arbeitsplan aus. Für deren Einhaltung waren die Abteilungsleiter voll verantwortlich. Die Ergebnisse und Erfahrungen, welche die Mitarbeiter des Zentralvorstands bei Betriebsgewerkschaftsorganisationen, Leitungen und Vorständen sammelten, waren in der jeweiligen Abteilung auszuwerten und die Berichte an die Abt. Org./Kader zu geben. Das Präsidium beschloss den Arbeitsplan des Zentralvorstands, des Präsidiums und des Sekretariats. Die Abteilungsleiter arbeiteten für den stellvertretenden Abteilungsleiter und jeden Mitarbeiter der Abteilung Funktionspläne aus, in denen die Verantwortungsbereiche jedes einzelnen festgelegt und vom Sekretariat bestätigt wurden. Die Mitarbeiter des Zentralvorstands nahmen an der Arbeit der Bezirksvorstände und Betriebsgewerkschaftleitungen teil. Das bedeutete u.a., dass die Mitarbeiter in Versammlungen auftraten, um die Politik der Partei, der Regierung und des FDGB zu erläutern. Alle an den Zentralvorstand gerichteten Informationen waren grundsätzlich der Abt. Org./Kader zur Auswertung zuzuleiten. Der Leiter der Abt. Org./Kader sicherte die kurzfristige Weiterleitung der Informationen an die entsprechenden Abteilungen des Zentralvorstands. Nach erfolgter Auswertung in den Abteilungen waren die Informationen an die Abteilung Org./Kader zurückzugeben.
II.1 Abteilungen
Innerhalb des Sekretariats des Zentralvorstands war die operative Arbeit in Abteilungen gegliedert. Ständige Umbenennungen und Kompetenzverschiebungen erschweren eine klare Beschreibung der Struktur. Da wenig Schriftgut zur Organisation der Gewerkschaft Kunst vorhanden ist, kann die folgende Aufstellung nur lückenhaft sein.
Im folgenden werden die verschiedenen Abteilungen nach Bereichen gegliedert aufgeführt, zudem erfolgt ggf. die Nennung der Abteilungsleiter, in Klammern wird das jeweilige Jahr der Erwähnung der entsprechenden Abteilung in den Unterlagen festgehalten.
Sekretariat, Büro des Vorsitzenden
Vorsitzender und Büro des Sekretariats (1951)
Leitung des ZV und seines Sekretariats (1958)
Abt. I Sekretariat des ZV (1959)
Abt. I Sekretariat, Präsidium, Büro des Vorsitzenden (1961-1962)
Büro des Vorsitzenden (1983)
Bereich Organisation/Kader
Abt. Schulung (1951)
Abt. kulturelle Massenarbeit (1951)
Abt. Kader (1951)
Abt. Finanzen (1951)
Organisationsmassenarbeit (1958)
Kader (1958)
Abt. II Org.-Massenarbeit (1959)
Abt. III Kader (1959)
Abt. II Organisation (1961/62)
Abt. VII Finanzwesen (1961/62)
Abt. Organisation und Kader (Bereiche Organisation, Information, Dokumentation und Kader) (1974-1977)
Abt. V Arbeit und Löhne (1959), Hans Grunow (1959)
Abt. V/VI Arbeit und Löhne (1961/62)
Abt. Arbeit und Löhne (Bereiche Lohn und Tarife, Arbeitsrecht, Planung, Neuererwesen, Sozialpolitik und Arbeitsschutz) (1974-1977), Rosemarie Märker (1976/77)
Abt. Arbeit/Löhne/Sozialpolitik (1983)
Abt. Arbeit und Löhne, Sozialpolitik, Uta Mattuschka (1982-1990)
Bereich Kultur und Bildung, Agitation und Propaganda
Abt. Gewerkschaftsagitation (1951)
Pressestelle (1951)
Propaganda/Presse/Agitation (1958)
Jugend und Sport (1958)
Abt. IV Prop.-Agit.-Presse (1959)
Abt. Bildung und Jugend (Bereiche Bildung, Jugend, Hoch- und Fachschulen) (1974-1977)
Abt. Kultur und Bildung, Hans-Joachim Barthel (1976/77)
Agitation/Propaganda, Gabriele Mylius (1982-)
Abt. Agitation/Propaganda/Kultur/Bildung (1983)
Bereich Internationale Verbindungen
Büro für Internationale Verbindungen (1951)
Internationale Verbindungen/gesamtdeutsche Arbeit (1958)
Abt. Kunstpolitik (Theater, Orchester, Museen, künstlerische Hoch- und Fachschulen/Musikschulen) (1983)
Abt. Film/Funk/Fernsehen (1983)
Abt. Unterhaltungskunst (1983)
Weitere Abteilungen
II.2 Kommissionen
Die Arbeit des Zentralvorstands der Gewerkschaft Kunst war durch die Mitarbeit der Kommissionen gekennzeichnet, die beratend und unterstützend tätig waren.
Es erfolgt eine Aufzählung der einzelnen Kommissionen, zudem werden ggf. die Vorsitzenden der Kommissionen, in Klammern das Jahr der Erwähnung in den Unterlagen genannt. Ebenso wie bei den Abteilungen ist auch hier aufgrund der Aktenlage nur eine lückenhafte Darstellung möglich. Die Abkürzung ZFK steht für Zentrale Fachkommission.
Bereich Kunst
ZFK Bühne (um 1955, 1983), Vera Knaup (1958), Dr. Klaus Pfützner (1968), Sigrid Busch (1977, 1982)
mit den Arbeitsgruppen Sprechtheater, Musiktheater, Ausstattung und Bühnentechnik, Ballett, Kinder- und Jugendtheater, Puppentheater (um 1968)
ZFK Orchester (um 1955, 1983), Prof. Werner Scholz (1977, 1982)
ZFK Musik, Kurt Weitthauer (1958), Prof. Horst Förster (1968)
mit den Fachgruppen Orchester, Musikschulen/Musikerzieher, Tanz- und Unterhaltungsmusik (um 1968)
Veteranenkommission (um 1955), Ernst Hoffmann (1976/77), Erika Wendland (1982)
Arbeitsrecht und Sozialpolitik
Zentrale Kommission für Gesundheits- und Arbeitsschutz (um 1955, 1983), Konrad Müller (-1982-)
Zentrale Arbeitsrechtskommission (um 1955), Hans Höschel (1973), Hans Grunow (1982)
Kommission Arbeitsrecht (1983)
Zentrales Neuereraktiv (um 1955, 1983), Gerhard Lehmann (1982)
Zentrale Revisionskommission, Charlotte Bühring (1968-1976/77), Ilse Jäger (1982)
II.3 Landes-, Bezirks- und Kreisvorstände
Landesvorstände
Nach der Gründung der Gewerkschaft Kunst und Schrifttum war diese zunächst in Landesvorständen organisiert. Es werden die Landesvorstände mit ihrem Sitz und ihren Vorsitzenden genannt.
Sachsen (Sitz in Dresden)
N.N. Grunwald (-1951-)
Sachsen-Anhalt (Sitz in Halle)
N.N. Thomas bis 1.11.1951, danach Robert Braun
Thüringen (Sitz in Erfurt)
N.N. Rogge (-1951-)
Mecklenburg-Vorpommern (Sitz in Schwerin)
Ernst Otto (-1951-)
Brandenburg (Sitz in Potsdam)
N.N. Wolter (-1951-)
Kartell Kunst und Schrifttum Gross-Berlin
Max Schlichting (1948/49)
Rudi Kostka (-1951-)
Bezirksvorstände
Auf der Sekretariatssitzung am 2. September 1952 erging der Beschluss, die Organisation der Gewerkschaft Kunst umzustrukturieren. Anstelle der bisherigen 5 Landesvorstände sollten 15 Bezirksvorstände treten. Im folgenden werden die Bezirksvorstände mit ihren Vorsitzenden genannt. Aufgrund der Aktenlage ließen sich nur vereinzelt die Vorsitzenden der einzelnen Bezirksvorstände ermitteln.
Berlin
Willi A. Kleinau
Gisela May (1961-65)
Alfred Müller
Cottbus
Conrath (1952-)
Dresden
Burghardt (1952-)
Erfurt
Böhm (1952-)
Burghardt (-1955)
Böhm (1955-)
Frankfurt/Oder
Skiba (1952-)
Gera
Säuger (1952-)
Halle
Braun (1952-)
Karl-Marx-Stadt
Brettschneider (1952-)
Leipzig
Bruno Apitz (1951)
N.N. Poland (1952-)
Magdeburg
N.N. Weitthauer (1952-)
Neubrandenburg
N.N. Löper (-Nov. 1952)
N.N. Briese (Nov. 1952-)
Potsdam
N. N. Brünisch (1952-)
Rostock
N.N. Wilius (1952-)
Schwerin
N.N. Fichthars (1952-)
Suhl
Kreisvorstände
Die Gewerkschaft war in den Anfangsjahren unterhalb der Landesvorstände in Kreis- und Ortsvorständen organisiert, teilweise bestanden auch Gebietsvorstände, die für größere Gebiete (einzelne oder mehrere Kreise) zuständig waren. Am 2. Februar 1955 wurde auf der Sekretariatssitzung des Zentralvorstands der Beschluss gefasst, die Kreisvorstände auf Grundlage eines Beschlusses des Bundesvorstandes des FDGB aufzulösen.
Nachfolgend werden die Kreisvorstände aufgelistet. Für die Kreisvorstände des Landes Thüringen konnten zusätzlich die Vorsitzenden von 1951 ermittelt werden. Diese stehen in Klammern hinter den Städtenamen.
Die heute im Bundesarchiv vorliegende Überlieferung des Zentralvorstands der Gewerkschaft Kunst wurde größtenteils vom Zentralarchiv des FDGB übernommen. Es existieren Zugangslisten von 1958-1981. Die Abgabelisten enthalten Aktenzeichen, welche die Abteilungen des ZV bezeichnen:
I Sekretariat des ZV
II Org.-Massenarbeit
III Abt. Kader
IV Abt. Prop.-Agit.-Presse
V Abt. Arbeit und Löhne
VI Abt. Gew.-Einheit - Gesamtdeutsche Arbeit
Das Archivgut des Zentralvorstands der Gewerkschaft Kunst wurde erstmals am 7. August 1958 dem Archiv des FDGB-Bundesvorstandes übergeben. Eine Analyse von 1960 über die Abgabe des Schriftguts der Gewerkschaft Kunst an das Zentralarchiv ergab, dass die Abgabe für den Zeitraum 1945-1956 als vollständig betrachtet werden kann.
Neben der Übernahme des Bestands aus dem FDGB-Zentralarchiv wurden Unterlagen von der Johannes-Sassenbach-Stiftung übernommen. Die Gewerkschaft Kunst, Kultur, Medien hatte nach 1990 Schriftgut an die Johannes-Sassenbach-Stiftung, Bibliothek und Archiv der Gewerkschaftsbewegung Berlin abgegeben, darunter z.B. Personalunterlagen von Künstlern, die sich heute im Bestand DY 43 befinden (Alt-Signaturen 1102-1115).
IV. Archivische Bearbeitung
Zur bisherigen Nutzung des Bestands Gewerkschaft Kunst konnten die Ablieferungsverzeichnisse des FDGB-Zentralarchivs herangezogen werden. Weiterhin wurde durch einen Mitarbeiter des Bundesarchivs 2002 ein Aktenverzeichnis des bis dahin noch nicht erfassten Schriftguts (Alt-Signaturen 821-1219) erstellt. Der überwiegende Teil des Schriftguts wurde jedoch in diesem Projekt erstmals erschlossen und zugänglich gemacht.
Der Bestand Gewerkschaft Kunst wurde von Mai bis Dezember 2004 durch die ArchivInForm GmbH mit der Archivsoftware MidosaOnline erschlossen und in MidosaXML in eine internetfähige Version exportiert.
Der Gesamtbestand wurde bewertet und vor allem folgende Unterlagen mit einem Umfang von ca. 3 lfd. Metern kassiert: Duplikate von Unterlagen der Zentraldelegiertenkonferenzen, Akten der Verwaltung oder Buchführung, Duplikate sowie Schriftgut ohne Vorgang. Darüber hinaus wurden ca. 4 lfd. Meter Verpackungsmaterial wie Ordner und Mappen entsorgt.
Bis auf ca. 4 lfd. Meter war eine Aktenbildung des Schriftguts erkennbar. Es erwies sich jedoch als problematisch, dass nur wenige Sachakten gebildet wurden. In den meisten Fällen handelt es sich um Sammelakten einer bestimmten Schriftgutart (z.B. Präsidiumsvorlagen) oder um die Ablage einer bestimmten Abteilung (z.B. Schriftwechsel Abt. Kunstpolitik). Aus diesem Grund erforderte die sachgerechte Erschließung der Unterlagen umfangreiche Enthält-Vermerke zu den Titelaufnahmen.
Die Akten zum Bestand Gewerkschaft Kunst wurden in den Jahren 2009 und 2010 verfilmt und digitalisiert. Mit Hilfe der Software MIDEX (Midosa Editor für XML-Standards) erfolgte die Verknüpfung der Digitalisate mit den Verzeichnungsangaben sowie die Erstellung der Orientierungsoberflächen.
Damit stehen dem Benutzer von 1756 Akten 1653 online für Recherchen zur Verfügung. 103 Akten können aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur nach Antragstellung und Erteilung einer Benutzungsgenehmigung im Lesesaal in Berlin eingesehen werden. Diese Akten sind mit dem Hinweis "Benutzung nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Referat" gekennzeichnet. In 5 Einzelakten mussten einige wenige Dokumente ebenfalls durch ein Hinweisblatt ersetzt werden.
Inhaltliche Charakterisierung: Der Bestand DY 43 beinhaltet die Akten des Zentralvorstands der Gewerkschaft Kunst der DDR sowie ihrer Vorgänger- und Nachfolgeorganisationen zwischen 1946 und 1990.
Die Überlieferung ist in den Bereichen Tagungen des Zentralvorstands, Sekretariats- und Präsidiumssitzungen sowie Zentraldelegiertenkonferenzen nahezu lückenlos.
Es handelt sich um Unterlagen, die beim Zentralvorstand der Gewerkschaft Kunst erwachsen sind. Aufgrund der Stellung und der Aufgaben dieser Gewerkschaft besitzt das Schriftgut administrativen Charakter. Der Evidenzwert ist demnach höher einzuschätzen als der Informationswert. Zu künstlerischen Themen, z.B. Biografien von Künstlern, Aufführung eines Theaterstücks, Museumsausstellungen kann der Bestand nur wenig Aufschluss geben. Hier ist auf die u.g. ergänzenden Quellen zu verweisen. Informationen zu einzelnen kulturellen Einrichtungen bzw. Künstlern lassen sich im Zusammenhang mit Auszeichnungsvorschlägen und Betriebseinsätzen eruieren.
Die Überlieferung der Bezirks- und Kreisvorstände sowie der Gewerkschaftsleitungen der Betriebe ist in den territorial zuständigen Landes- und Kommunalarchiven zu finden. Aufgrund der zentralisierten Organisation sind jedoch im vorliegenden Bestand umfangreiche Protokolle und Berichte der Bezirksvorstände sowie Schriftwechsel zwischen der Gewerkschaft Kunst und den Bezirksvorständen bzw. Einrichtungen und Mitgliedern der einzelnen Bezirke vorhanden.
Der Bestand kann daher als geeignete Quelle für die Erforschung der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der DDR im Bereich Kunst betrachtet werden.
Abteilung V-Nationale und Internationale Gewerkschaftsbewegung
Godesberger Allee 149
53170 Bonn
http://www.fes.de/archive/index_gr.html
Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv: DY 24 FDJ
DY 30 SED
DY 34 FDGB
DR 1 Ministerium für Kultur
DY 1 Deutsche Volksbühne Kulturbund
DC 20 Ministerrat der DDR
DR 100 Büro für Theaterfragen
Bundesarchiv-Filmarchiv
Literatur: Die Gewerkschaft Kunst der DDR hat monatlich ein Informationsblatt mit dem Titel "Die Antwort" herausgegeben. Dieses ist teilweise in der Bibliothek des Bundesarchivs Lichterfelde unter der Signatur IZ 1153 überliefert. Die Gewerkschaftszeitung enthält Artikel sowohl zur Arbeit der Gewerkschaft Kunst als auch zu künstlerischen Wettbewerben und Ereignissen.
Besondere Benutzungsbedingungen: 103 Akten können aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur nach Antragstellung und Erteilung einer Benutzungsgenehmigung im Lesesaal in Berlin eingesehen werden. Diese Akten sind mit dem Hinweis "Benutzung nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Referat" gekennzeichnet.