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Schreiben von Anna (Annchen) Bürkle geb. Koch und ihrem Mann Karl Bürkle, zumeist aus Köln und auch von Norderney, an ihre Mutter Karolina Koch geb. Schlamann, vorwiegend in Frankfurt a.M., sowie ihre Schwester Maria Marx geb. Koch und ihren Ehemann Wilhelm Marx
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Schreiben von Anna (Annchen) Bürkle geb. Koch und ihrem Mann Karl Bürkle, zumeist aus Köln und auch von Norderney, an ihre Mutter Karolina Koch geb. Schlamann, vorwiegend in Frankfurt a.M., sowie ihre Schwester Maria Marx geb. Koch und ihren Ehemann Wilhelm Marx
Stadt Minden WN 30 Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann, Nr. 24
Stadt Minden WN 30 Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann
Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann
1940 - 7. Juni 1941
Enthält: u.a. Kälteperiode: -18 Grad Celsius in Köln, -22 Grad Celsius am Flughafen Köln, "Unsere Wohnung ist ja schön war dadurch, daß alle Räume geheizt sind. [...] Man zieht alles Zeug dreifach übereinander an wenn es in die Schule geht.", 20. Jan. 1940; nur noch -5 Grad Celsius, "Als es vorige Woche u. davor so schrecklich kalt war, habe ich mir kurzerhand aus einem Dreiecktuch eine Wollmütze gemacht, um die Ohren zu schützen. In der Schule wurde feste eingeheizt aber die Gänge waren so kalt. Bei uns hier zuhause ist es bis jetzt noch sehr schön warm gewesen u. hatte der Heizer tadellos geheizt. Nur wird hier in Köln jetzt die Warmwasserheizung eingeschränkt u. nur noch 1mal wöchentlich angestellt, damit die Leute baden können. Damit haben wir ja hier im Hause nichts zu tun. Nun kam plötzlich am Donnerstag eine städt. Verfügung, daß die Schulen ab Freitag auf unbestimmte Zeit frei hätten, da keine Kohlen mehr da zum Heizen. Ich war deshalb nicht böse und freute mich schon, daß man mal ein paar Tage in Ruhe zuhause arbeiten könnte. Aber leider kam schon gleich darauf wieder Nachricht, daß jetzt am Mittwoch der Unterricht wieder beginnen soll u. wir Montag in der Konferenz alles andere hören. Hier im Kohlengebiet war es nicht so schlimm als bei Euch u. in andern Städten mit den Kohlen. In Berlin soll es am schlimmsten sein. Hier ist Militär mit herangezogen worden, um Kohlen zu fahren. Sie tuen scheinbar doch alles Mögliche, um der Lage Herr zu werden. [...] Daß Du mit Minden immer allerhand Gedöns hast, kann man sich denken, das reißt auch so bald nicht ab, da es alte Häuser sind u. zuviel vernachlässigt worden ist. Vielleicht läßt die Stadt später nochmal mit sich reden, um die Häuser dann besser zu verkaufen. Aber jetzt im Krieg ist wohl überhaupt alles zurückgestellt. Wie lange mag es noch dauern? Das weiß jetzt Keiner. Vielleicht sehen wir in einem Jahr weiter. [...] Von Frl. Eisenberg habe ich auch nichts mehr gehört. Ich glaube, daß sie über meinen letzten Brief im Herbst eingeschnappt ist. Ich schrieb ihr nämlich meine Meinung über Minden, daß doch die Aufräumerei für uns Alle schrecklich gewesen wäre u. wir uns nicht so kaputt gemacht hätten wenn Ordnung im Hause gewesen. Dann hätte die Sache mit der Erbschaftssteuer auch nicht kommen brauchen, wenn alles mit Tante H[enny] rechtzeitig besprochen wäre aber es hätte dann immer geheißen sie regt sich auf u.s.w. Na - ja sie hat eben mal von mir gehört, daß wir auch denken konnten u. tut es mir an sich nicht leid, daß ich ihr mal meine Gedanken schrieb; denn Frl. Eisenberg ist doch indirekt mit an allem beteiligt gewesen u. wußte alles noch genauer als wir. Zuletzt verließ sie dann auch das Haus, ohne uns sogar über etwas aufzuklären u. wenn es nun die Frl. Müller anging, welche sie doch auch sicher genau in ihrem Charakter kennen mußte. [...] Beinahe hätten wir Einquartierung bekommen. Zuerst kam Jemand kurz vor Weihnachten u. dann nochmal jetzt am Freitag. Wir konnten aber jedesmal mit einer Ausrede abwimmeln. Hoffentlich gelingt es uns weiter u. kommt keine stärkere Kontrolle. Es liegt ja viel Militär hier in Köln. Es ist eben so dumm für uns, weil wir ja oft Beide nicht zu Hause sind u. ich das Zimmer als Arbeitsraum brauche. Aber sie fragen auch nach Chaiselong[u]es.", [Brüder von Frl. Haseloff zum Militär eingezogen]", 28. Jan. 1940; Beteiligung der Mieter an den Kosten und Arbeiten für den Luftschutzkeller in Minden, 7. Febr. 1940; Knappheit von Medizin und Papier, Bau und Einrichtung von Luftschutzkellern, 28. Febr. 1940; "Augenblicklich wird bei uns in der Schule allerlei ausprobiert wie man ohne Seife waschen kann. Ein Rezept habe ich auch selbst ausprobiert u. geht tadellos. Ich will es für Maria hier aufschreiben, ist für dunkle Wollsachen u. Hosen u. dunkle Wollkleider also: auf 1 Eimer Wasser eine Hand voll Salz lauwarm den Gegenstand eine Nacht drin einweichen. Am andern Tag dasselbe Wasser nur erwärmen u. den Stoff leicht durchwaschen. Dann warm spülen, zuletzt in Essigwasser. Strümpfe kann man gut in lauwarmen Salmiakwasser waschen.", 28. Febr. 1940; Extraportion Milch für über 70-Jährige auf Lebensmittelkarte, 27. März 1940; "Bei diesen unruhigen Zeiten ist ja jeden Tag was anderes los. Aber jetzt können wir doch auf bessere Zeiten hoffen, wo wir Dänemark und Norwegen besetzt haben. Wir sind jedenfalls ein großes Stück weiter gekommen u. haben wieder Hoffnung, daß der Krieg bald zuende gehen möge. Hier im Westen kann es ja auch noch Überraschungen geben.", 17. Apr. 1940; Werbung für das Herz- und Kreislaufmedikament Antisklerosin, 17. Apr. 1940; "Ich war sehr müde, freute mich auf den Schlaf u. siehe da, gegen 1 Uhr nachts wieder Fliegeralarm, sodaß man erst gegen 1/2 3 wieder ins Bett kam. Seitdem haben wir bald jede Nacht den Tanz. Gestern nacht sogar 2 mal. Es war auch schon allerhand los hier. Unheimlich, wenn man die Bomben krachen hört. Karl sagte, in der Nacht, wo ich noch bei Euch in Frankfurt war u. auch dort Alarm war, sei hier tüchtig Feuerwerk gewesen u. Bomben gefallen. Sprengstücke von unserer Flak sind auch in den Balkon unseres Hauses im Erdgeschoß u. Nachbarhäuser gefallen. Der Klettenberggürtel war taghell erleuchtet von feindl. Fallschirmraketen u. die Flieger ganz tief. Es fielen viel Bomben bei Knappsack dann in Worringen u. rechtsrh. bei Brück Die Biester haben die Flugplätze treffen wollen. Letzte Nacht waren sie ganz hoch zu hören. Wir hörten 4 mal den dumpfen Bombenaufschlag u. heute früh wurde hier in Köln bekannt, daß sie die Kasernen in Müngersdorf am Stadion getroffen hätten. Was so passiert dabei, wird ja extra nicht bekannt gegeben. Das hört man nur von Augenzeugen. So haben sie auch am Freitag nacht Düsseldorf Düren u. Aachen heimgesucht u. Bahnkörper kaputt geworfen mit Sprengbomben. - Wenn wir jetzt abends zu Bett gehen, sagen wir uns schon alle hier im Haus vor - hoffentlich kannst du schlafen. Man ist nämlich am andern Tag ganz kaputt wenn man [sich] so fast jede Nacht um die Ohren schlagen muß u. sitzt stundenlang im Keller. Da seid Ihr in Frankfurt doch weit besser dran. Am Tag ist es auch sehr lebhaft in der Luft. Dauernd kommen unserer [!] Flieger hier durch zur Front. - - Gemüse u. Salat gibt es augenblicklich fast garnicht hier. Man hofft auf die baldige Einfuhr von Holland.", 19. Mai 1940; "Abends ab 9 Uhr sind hier die Straßen schon ganz leer. Jeder geht jetzt scheinbar früh zu Bett, damit man schon bis 1 Uhr nachts etwas vorgeschlafen hat. Denn jede Nacht ist Fliegeralarm in Köln. Wir können schon bald die Uhr danach stellen - meistens von 1 - 3 Uhr geht die Biesterei los. Im Ruhrgebiet ist es genau so. Das Anziehen nachts bei uns im Haus geht schon mit jedem Tage schneller, wir amüsieren uns schon unten im Keller drüber. Unsere Keller haben wir schon ganz wohnlich gemacht u. uns eine Hängematte aufgehängt. Wenn es mal schlimmer kommen sollte, stellen wir einfach noch unser Chaiselong[u]e runter u. schlafen gleich von Anfang an im Keller. Viele Leute haben schon ihre Kinderbetten im Keller stehen, wer eben an gefährlichen Ecken wohnt. Die letzten Nächte haben wir hier bloß Schießerei u. entfernte Bomben gehört, aber die Flieger auch über uns. In Bonn haben sie den Ellerbahnhof, dicht beim Hauptbahnhof u. einige Häuser getroffen (über 20 Tote), dann versuchen sie auch scheinbar sehr oft Knappsack anzugreifen. Wir haben aber sehr viel Flackabwehr dort stehen ebenso hier bei uns, wo Bahngeleise sind. Wir selbst wohnen ja nun nicht direkt in der Gefahrenzone. Diese letzte Nacht sind wir auch im Bett geblieben, zum erstenmal, da die Schießerei entfernter war. Hoffentlich dauert der Krieg nicht mehr lange. Nach all den großartigen Erfolgen kann man das annehmen. Unsere Kampfflugzeuge müssen ja furchtbaren Eindruck machen. [...] der reinste Blitzkrieg. Hier am Eifeltor in Klettenberg werden nachts dauernd Truppen verladen u. gegen Morgen kommen Verwundetenzüge an. Das geht alles so stillschweigend, damit Niemand was merkt. - Erich wird mit seiner Familie vielleicht auch schon im Keller schlafen; denn Brück-Flughafen ist Gefahrenzone. Wenn hier im Rheinland was getroffen wird von engl. Bomben, dann wird nichts bekannt gegeben. Man hört das nur von Augenzeugen u. Einwohnern. - - Nun braucht Ihr Euch aber über uns keine Sorgen machen, wenigstens vorläufig nicht. Solange noch keine Brandbomben fallen, ist es noch nicht so gefährlich.", 26. Mai 1940; "Seit 4 Tagen haben wir mal nachts im Bett bleiben können, war ordentlich eine Wohltat u. hat man jetzt Schlaf nachholen können. Die Flieger waren scheinbar wo anders u. dann hoch über uns weg. Aber das Wetter war auch ungünstig trübe. Wenn wieder klare Nächte kommen, dann geht's sicher wieder los.", 3. Juni 1940; Post vonn Karl Nicol in Frankreich: "Gerade an seinem Hochzeitstag hätten sie feindl. Feuer bekommen u. dabei unheimliches Glück gehabt. Sonst geht es ihm noch gut. Hoffen wir auch weiter.", und Post von Frl. Haseloffs Bruder: hat "schon allerhand in Feindesland erlebt, hat auch die Feuertaufe erhalten u. bis zum 70km marschieren müssen am Tag.", 3. Juni 1940; "Jetzt sollen hier die Luftschutzkeller der Schulen gassicher gemacht werden. Hier ist jetzt mehr Flack u. Flugzeuge hingekommen.", 3. Juni 1940; "Wir waren ziemlich erstaunt, daß bei Euch auch jetzt die Flieger erscheinen u. Du dann mit in den Keller gehst. Ist es denn für Dich nicht besser, wenn Du oben in der Diele bleibst? Das sind doch starke Wände u. ist auch splittersicher. Es ist doch für Dich immer eine große Anstrengung herunterzugehen. Hier bei uns in Köln ist es schon zur Gewohnheit geworden. Jede Nacht von 1 - 3 Uhr können wir mit Alarm rechnen. Wenn mal eine Nacht dazwischen Ruhe ist, dann atmet alles auf, daß man mal ausschlafen kann. Oft ist bei uns der Alarm erst, wenn schon die Bomben fallen oder wie toll geschossen wird. Die Sprengstücke der Flack fielen neulich hier auf die gegenüberliegenden Dächer bei der Kirche. Die Biester kreisen erst ganz lange hoch in der Luft u. auf einmal geht's dann los. Zuletzt sind Bomben in der Nähe der Mülheimer Brücke dicht beim Zollamt geworfen, dann später in Niehl hinterm Zoo u. zuletzt in der Nähe der Aachener Straße am Weiher, wollten jedenfalls die Bahnlinie u. Unterführung treffen. Es sind jedesmal Fensterscheiben kaputt od. Gebäudeschäden. Vor 14 Tagen hatten wir einen Unglücksfall am Rhein in der Nähe des Bismarckdenkmals. Es war gegen Abend, als sich dort viele Menschen ansammelten, um zu sehen, wie sie einen Kahn retteten, de rauf eine Treibmine gelaufen war. Plötzlich kam ein Flugzeug ganz tief von der Front zurück mit halben [!] Propeller, gab Zeichen zum notlanden u. Niemand der Menschen sah hoch. Infolgedessen rannte das Flugzeug in die Menschenmenge u. stürzte in den Rhein. Die Insassen des Flugzeugs wurden herausgezogen, aber unter den Menschen 9 Tote u. Schwerverletzte. Das ist Schicksal. - Es sind auch bei uns Flugzettel abgeworfen, aber sie haben nicht so schön gereimt wie bei Euch. Es stand drauf: "Köln werden wir in Schutt u. Asche werfen." Das soll alles bloß beunruhigen. Wir haben noch die Ruhe weg. Sie wissen eben nicht vor Wut was sie anfangen sollen, weil wir so großartige Erfolge haben. Unsere Flieger müssen ja großartig arbeiten u. in Frankreich ist doch manchmal die Hölle los. [...] Sie haben jedenfalls tüchtig zu arbeiten u. bekommen sicher wenig Schlaf durch das schnell Vorwärtsdringen unserer Truppen. [...] Die Schulen fangen hier alle erst um 9 Uhr an, wenn nachts Alarm war, nur als einzigste Ausnahme nicht die Berufsschule. Wir müssen um 8 Uhr antreten, da wir zu den Berufen gehörten. Alles ist wütend darüber; denn man schläft erst gegen 4 Uhr morgens wieder ein manchmal noch später u. ist dann nachher ganz kaputt am Tage. Viele Leute gehen schon abends um 9 Uhr ins Bett, damit sie vorgeschlafen haben. Ich selbst schlafe dann nachmittags 2 Stunden manchmal, aber man kommt dadurch mit seiner Arbeit garnicht voran, hat auch so wenig Lust. Wie wir hier hörten, werden Hauptbahnhof, Dom u. Brücken ebenso hier bei uns Knappsack jedesmal gut eingenebelt, sodaß man von oben nichts sehen könnte. Deshalb suchen scheinbar die feindl. Flieger auch nachts so lange herum. Also hoffen wir das Beste, daß hier in Deutschland nicht viel passiert. [...] Hoffentlich ist im Herbst in Frankreich Frieden. Alle Menschen leiden doch sehr unterm Krieg.", 13. Juni 1940; "Heute nacht waren wir wieder 1 1/2 Stunden im Keller. Es sind jetzt so klare Nächte u. Mondschein. [...] Hier war Jeder hocherfreut, daß Paris gefallen ist. So schnell hatte man es doch nicht erwartet, besonders darüber, daß der Kampf erspart blieb. Hoffentlich ist bald Schluß mit Frankreich. Es werden hier noch täglich Leute eingezogen, auch viele Arbeiter u. Fachkräfte jedenfalls zum Aufbau nach Frankreich geschickt.", 15. Juni 1940; "Augenblicklich ist man am Tag dauernd am schlafen. Ich komme zu nichts mehr. Es geht aber Jedem so, da man jede Nacht von 1230 - 3 Uhr im Keller sitzt. Am Freitag hatten wir dazu auch mittags um 13 Uhr Alarm. Die Biester kreisen auch dauernd hier in Klettenberg über uns herum, da sie Kanppsack treffen wollen und die Bahnlinie. Hier am Eifeltor Nähe Zollstock ist auch eine Bombe heruntergekommen. Aber in der Stadt ist schon allerhand angerichtet - Ehrenfeld, Kalk, Perlengraben, sind mehrere Häuser kaputt. Dann waren sie in Leverkusen u. Wahn, ebenso Umgebung von Köln. In Bielefeld ist ja auch was passiert, wird Dir sicher Tante Gertrud mitteilen. Mariechen schreibt aus Minden, daß sie auch jede Nacht Alarm hätten. Das geht eben über ganz Westdeutschland u. Westfalen hinweg. Viele Leute maches es wie auch bei Euch u. stellen sich den Wecker. Wir haben hier im Keller schon allerhand Schlafgelegenheiten Betten, Chaiselong[u]es, Sessel u.s.w. Hoffentlich habt Ihr es Euch auch bequem gemacht. Für Dich ist es ja scheußlich, daß Du immer mit herunter mußt. - Aber es wird doch wohl bald ein Ende nehmen. - Hoffen wir das Beste. Am meisten machen die Leute im Ruhrgebiet mit. Seit einigen Tagen haben wir hier mehr Flack hin bekommen u. ist es nachts eine ganz anständige Ballerei. Letzte Nacht flogen die Sprengstücke vor unser Haus u. hinten auf die Dächer. [...] Schade, daß man die schönen Sonmertage garnicht genießen kann, da man die Hälfte Zeit nachmittags schlafen muß um einigermaßen arbeitsfähig zu bleiben. - Hoffentlich bekommen die Engländer bald tüchtig Kattun. - - Unsere Ferien beginnen Ende Juli. Wir hoffen, daß wir mit unserer Abteilung Glück haben und nicht zum Kriegsdienst eingesetzt werden. Bis jetzt ist noch alles im Unklaren. Hoffen wir das Beste. [...] Man kann ja bei der augenblicklichen Lage überhaupt nichts überlegen u. bestimmen; denn jeden Tag ist was anderes los. Seit gestern dürfen hier in Köln keine Massenversammlungen mehr sein wie in den Strandbädern u.s.w. da man mit Fliegerangriffen auch am Tag rechnet.", 1. Juli 1940; Müdigkeit wegen Fliegeralarm nachts und tags: "Die Kinder in den Schulen waren ja überhaupt nicht mehr aufnahmefähig.", Einsatz der Berufsschullehrer ("Dienstbereitschaft") während der Ferien, Urlaubspläne zusammen mit Karolina Koch: "Mir ist es auch recht, wenn es wo anders hin geht. Nur möchte ich dahin, wo auch Schwimmbad ist wegen meinen [!] Rücken. [Frl. Haseloff reist auch mit] [...] Also warten wir jetzt auf Eure Nachricht, wohin es geht. Wir suchen nur Ruhe u. endlich mal nachts wieder schlafen zu können. [...] Die Arbeitskraft hat schon sehr nachgelassen. Jeder ist ganz kaputt u. müde am Tag. Na - hoffentlich ist's bald vorbei. Es kann aber noch allerhand Überraschungen geben. [...] Soeben mußte ich schnell unterbrechen - Fliegeralarm um 13 Uhr - - saßen 1/2 Std. im Keller. Heute ist es hier sehr lebhaft in der Luft.", 7. Juli 1940; "Gestern habe ich auf das Zollamt Rheinau angerufen um zu hören, ob der Erich eingezogen sei. - Da hörten wir denn, dass er seit 25. April zum Heeresdienst sei und zwar als Oberleutnant Inf. Ersatz Bataillon Nr. 9 2. Kompanie in Potsdam. Er muß jedenfalls ausbilden, hat aber eine feine Garnison erwischt. [...] Jetzt kommt der Erich wenigstens mal wieder in andere Umgebung u. lernt wieder was von seiner alten Erziehung kennen.", 15. Juli 1940; "Augenblicklich bin ich noch an meiner Näherei beschäftigt. In der Dienstzeit hat man ja dazu keine Zeit. Nur schafft man jetzt so wenig, weil man dauern müde ist wegen der ewigen Nachtsitzerei im Keller. Vorgestern haben sie eine Bombe im Beethovenpark Nähe der kl. Rodelbahn in die Kiesgrube geworfen u. 2 Bomben wieder in Braunsfeld hinterm Stadion. Auf die letzte Rede des Führers hin antwortet man in England ja mit Spott u. Hohn. Wir haben aber jetzt wenigstens die große Verantwortung abgeschoben u. nochmals den guten Willen gezeigt, trotzdem wir Sieger sind. Es war sehr klug so gehandelt.", 21. Juli 1940; "Seit 6 Tage waren Gott sei Dank keine Flieger hier u. ist man ordentlich froh mal schlafen zu können. Bis jetzt waren wir 52 mal im Keller. - Das langt.", 26. Juli 1940; Einsatz der Berufsschullehrer bei den Wirtschaftsämtern, Verleihung des Treuedienstehrenzeichens in Silber am blauen Band für 25 Jahre Dienst, "Alarm hatten wir hier in Köln in letzter Zeit Gott sei Dank nicht so oft. Wir hatten einige Tage Ruhe, da die Engländer Berlin und Hamburg beglückt haben.", 25. Sept. 1940; "Gestern abend haben wir Alarm von 10 - 12 Uhr gehabt u. ruhig Rommé weiter gespielt, da es ruhig wurde.", 6. Okt. 1940; "Das Wetter ist hier wieder wärmer geworden, heute abend Mondschein u. Sterne am Himmel. Dann werden wir wohl wieder von den Engl. beehrt werden. Jeder wünscht sich ein baldiges Ende - hoffentlich! Soeben ertönt Fliegeralarm 10 Uhr abends. Ich bin aber ins Bett gegangen um 11 Uhr.", 7. Okt. 1940; "Gestern, Sonntag haben wir einen Spaziergang zum Flughafen gemacht um uns mal die Kriegsbemalung u. Tarnung anzusehen, war ganz interessant. Dann gingen wir gegen Abend in die Stadt, um ein Glas Bier zu trinken. Wir wollten dann früh zum Abendessen nachhause. Siehe da - gegen 1/2 9 Uhr abends, als wir gerade aufbrechen wollten, ertönte Fliegeralarm - alles natürlich sehr erstaunt - Wir haben uns dann gleich dünne gemacht u. sind auf einsamen Wegen zu Fuß nach Klettenberg im Eilschritt gegangen, damit uns die Polizei nicht erwischte. Es hat auch geklappt u. waren wir froh, als wir in der Wohnung waren. Dann ging gerade die Schießerei los in der Nähe u. haben wir uns das Schauspiel von oben angesehen. Der Alarm dauerte aber doch wieder bis 1/2 12 Uhr abends. Wir haben von unserer Wohnung allein 7 Leuchtschirme gesehen, welche die Engländer abwarfen. Wo die Bomben gefallen sind, wissen wir noch nicht, das erfahre ich erst morgen. Vorige Woche waren sie in Porz, Poll u.s.w. Rodenkirchen - In London bekommen sie ja ordentlich Kattun von uns.", 21. Okt. 1940; Lebensmittelknappheit: "Man muß heute überall herumhören. Ferner muß Maria jetzt die Ernährung ändern u. sehr oft Haferflockensuppe mit Milch kochen als Abendbrot. Ich habe ihr ja auch welche mitgeschickt. Das muß sie aber im Wasserbad machen, da sonst leicht anbrennt. Wir machen das auch oft. u. dann dazu Traubenzucker geben. Man nimmt also einfach einen Topf mit kochendem Wasser u. setzt den andern Topf mit Suppe da hinein u. kocht die Suppe nur eben vorher an. Das Ganze auf dem Ofen weiter kochen lassen. Das kann man auch sehr gut auf einen Zimmerofen stellen u. braucht gar nicht nachsehen. Also macht das mal jetzt nach, dann wird Maria auch nicht mehr so abmagern. Ebenso Grießsuppe kochen. Dann oft Kartoffelbrei mit Milch herstellen. Die Magermilch hat doch immer noch genügend Eiweiß, das der Körper braucht. Es ist doch heute nicht so schlimm wie im Weltkrieg. Da haben wir wirklich hungern müssen aber heute hat man doch Brot, Nährmittel u.s.w. was es damals nicht so gab.", 109. Fliegeralarm in Köln mit über 200 Spreng- und Brandbomben, "Gestern fürchtete man einen Groß-Angriff, da wir so toll in England waren, kam aber hier Gott sei Dank nichts. Heute Sonntag kommt sicher was, da es bis jetzt jeden Sonntag war. - Man wird langsam dickfällig [!] u. hofft immer, daß es uns selbst nicht treffen möge.", 18. Nov. 1940; Weihnachtsgrüße: "Es ist diesmal überall keine Stimmung, das [!] es an Allem fehlt. Trotzdem muß man froh sein, daß man gesund bleibt u. noch keine Bomben auf's Haupt bekommen hat. [...] Vorgestern sind 2 Bomben bei uns hier hinterm Waisenhaus in's Grüne gefallen. Wir haben hier deutlich das Heulen gehört. Aber trotzdem sind wir dickfällig [!] u. gehen nicht in den Keller, erst wenn es ganz toll kommen sollte. Man muß auch an seine Gesundheit denken. Wenn die Biester ganz tief fliegen, in der Nähe sind, u. Leuchtschirme werfen, dann muß man schnell abhauen in den Keller. Das haben wir hier schon so langsam raus bekommen. Nun hoffen wir, daß uns die Engländer doch am Christabend in Ruhe lassen und man die Feiertage ruhig verbringen kann. Also hoffen wir das Beste. - Wir werden am Christabend es uns so gemütlich machen wie nur möglich u. bei einer Flasche Sekt den Festabend beginnen. Dazu dann Euer Paket auspacken. Dasselbe werdet Ihr dann auch tun. Man kann nur noch trinken, denn was anderes bekommt man ja doch nicht. Voriges Jahr Weihnachten konnte man doch noch etwas kaufen u. jetzt? Alles versagt - - - Also hoffen wir auf ein besseres Jahr und daß es nicht so kalt werden möge. [...] 136. Fliegeralarm", 22. Dez. 1940; "Wir waren auch schon in guter Stimmung, als wir nach dem Abendessen den Baum anzündeten und das Paket öffneten; denn wir hatten zum Abendessen unsern guten Tischwein getrunken u. nachher mit einer Flasche Sekt beendet. Alle Leute hier im Haus waren derselben Meinung sich einen anzutrinken, um die mistigen Zeiten zu vergessen. So wird es wohl überall gewesen sein. Ich hatte es uns sehr gemütlich gemacht, alles mit Kerzenschein[,] Adventskranz, Tischdekoration u.s.w.", 50 Flaschen Moselwein bestellt und geliefert bekommen: "So hat man immer etwas im Hause, ist ja billiger als Bier trinken. [...] Was wird uns das neue Jahr alle bringen? Jeder hofft auf ein Friedensjahr. Es muß ja eine Entscheidung kommen mit England.", 29. Dez. 1940; "In der Schule geht alles nach Kriegsplan u. habe die ganze Verteilung [der Lebensmittelkarten] in der Hand, ist allerhand Arbeit. Soweit können wir noch ganz gut fertig werden, nur alles schwer zu bekommen.", 18. Jan. 1941; "Wir teilen euch kurz mit, daß wir nach der aufregenden Nach am Samstag noch Alle gesund sind. Solch ein Angriff war seither in Köln noch nicht. Großangriff mit 50 - 60 Flugzeugen. Es dauerte von 10 1/2 - 2 Uhr nachts. Dauernd tolle Schießerei u. das Brummen der Flugzeuge hörte garnicht auf. Dazwischen kamen dann die Bomben. Leuchtschirme hatten sie auch genügend geworfen. Wir haben mehrmals das Heulen der Bomben gehört, aber in unsere[r] Nähe noch Glück gehabt. [...] Es ist also kaum noch ein Vorort verschont geblieben. [...] So toll haben wir es in Köln noch nicht mitgemacht. Rund herum um Köln war nur dauernd Schießerei u.s.w. Wir waren erst oben in d. Wohnung u. sind dann aber doch in den Keller gegangen. Den Feuerschein von Kölner Bränden hat man bis in Bonn gesehen. Unser Himmel hier überm Haus war ganz rot. [...] Mehrere Blindgänger liegen noch u. Straßen sind abgesperrt. - Es sind auch zum Glück viele Bomben ins Land gefallen, man sah überall die großen Löcher. - Wieviele Tote u. Verletzte ist noch nicht bekannt. Das sickert erst nach und nach durch, weil heute Montag noch zu kurz dahinter ist.", [Karl Nicol mit seiner Division in Euskirchen], 3. März 1941; "Mit Luftangriffen hattet Ihr [in Frankfurt] ja noch Glück. Gasangriffe fürchtet kein Mensch mehr. Die Art Bunker werden auch hier gebaut aus dem Grunde, damit man dort auch Sanitätsunterstände u. ärztl. Hilfe einrichten kann und die Ärzte aus den Krankenhäusern dort dann auch Kranke weiter behandeln können wenn Alarm ist.", 12. März 1941; Luftangriff auf Köln, 12. März 1941; "Jeder wünscht sich jetzt abends das Wort S.O.S. das heißt: schlafe ohne Sirene. Man muß immer den Kopf noch oben halten.", 16. März 1941; "Fliegeralarm hatten wir sogar 2 mal am Tage außer den Nächten. Das erstemal am Sonntag vor 8 Tagen abends gegen 6 Uhr. Alles war erstaunt u. hatte den Eindruck, daß es donnert. Die Bomben sind nämlich vor dem Alarm gefallen. Die Kölner sind dann aber ruhig weiter spazieren gegangen, weil es dann ruhig wurde. Das andere Mal haben wir mittags gegen 12 Uhr mit der ganzen Schule im Keller gesessen, war aber nur 1/2 Std. Alarm. Neulich nachts hatten wir tolle Schießerei u. Alarm von 11 1/2 Uhr bis morgens um 4 Uhr. Hinterher am andern Tag war man ganz kaputt u. haben dann nachmittags den Schlaf nachgeholt. Nur schafft man seine Arbeit nicht mehr wie sonst. Jetzt sind Vollmondnächte u. können wir dauernd mit Angriffen rechnen. Bei jedem Angriff passiert hier irgendwo was u. gibt es Unglücksfälle. [...] Jetzt liegen hier überall Steine auf der Straße, womit die Mauern der Keller verstärkt werden sollen.", 9. Mai 1941; "Letzte Nacht zum Sonntag war hier der bisher stärkste Angriff. Es dauerte von 12 1/2 - 3 Uhr. Rund herum um uns nur Zischen, Heulen u. Krachen. Karl hat allein 11 Bomben in nächster Nähe gezählt. Es ist viel passiert u. hören wir Näheres erst am Montag. In Ehrenfeld, Deutz, Dellbrück wieder große Brände. Hier bei uns hören wir erst nachher alles Nähere. Es hat also bei uns nochmal gut gegangen. [...] Karl macht gleich einen Rundgang um zu hören.", 18. Mai 1941 auch: Postkarten mit folgenden Motiven: Köln von Deutz mit Hindenburgbrücke, 16. Mai 1940; Restauration "Union am Ring" in Köln, 19. Aug. 1940; Bad Soden am Taunus mit Altkönig, 23. Aug. 1940 auch: Postkarte von Karl Bürkle an seine Schwiegermutter Karolina Koch geb. Schlamann, 19. Aug. 1940
Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.