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Abbildung eines Kupferstichs aus dem frühen 19. Jahrhundert
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Schwarz-Weiß-Fotografie eines Kupferstichs, der eine fast unbekleidete Person mit sowohl weiblichen als auch männlichen Geschlechtsmerkmalen darstellt. Die Person ist vom Kopf bis zu den Füßen zu sehen. Sie sitzt seitlich auf einem Sofa, das sich vor einem geöffneten Vorhang in einem Raum befindet. Sie trägt ein Kleid bzw. ein Nachthemd, das ihre Oberarme und ihren rückseitigen Körper bedeckt. Auf dem Kopf trägt sie eine Schlafhaube. Das rechte Bein hängt vom Sofa herab, den rechten Fuß hat sie auf einen Schemel gestellt, das linke Bein ist nach hinten gedreht. Der linke Arm umfasst den vorderen Teil der Sofalehne, der rechte ruht auf der Lehne. Auf dem Boden liegen zwei Schuhe mit hohen Absätzen. Im Raum befinden sich außer dem Sofa und dem Schemel ein gepolsterter Stuhl links neben dem Sofa und ein Tisch im Anschnitt im rechten vorderen Bereich der Abbildung. Das Sofa ist mit einem Stoff bedeckt.
Kontext:
Mit dieser Abbildung wollte der Sexualwissenschaftler und Sexualreformer Magnus Hirschfeld vermutlich auf eine lange historische Tradition von geschlechtlichen Identitätskonzepten verweisen, die jenseits der zweigeschlechtlichen Norm lagen und als sog. „Zwischenstufe“ gelesen werden konnten.
Sehr verkürzt gesagt, beschreibt das von Hirschfeld entwickelte Konzept der Zwischenstufen die Tatsache, dass jedes Individuum sowohl „männlich“ als auch „weiblich“ ausgeprägte Eigenschaften vereint, die einen oder mehrere der vier Bereiche betreffen können: 1. die Geschlechtsorgane, 2. sonstige körperliche Eigenschaften, 3. den Geschlechtstrieb und/oder 4. sonstige seelische Eigenschaften.
Mit dieser Theorie öffnete Hirschfeld bereits 1907 das gängige Konzept des biologisch-genitalen Geschlechts für Aspekte, die u.a. auf der erlebten Identität der Individuen beruhten.
Damit ebnete die „Zwischenstufentheorie”, die „während der Institutszeit die wissenschaftliche Leitidee für die meisten Mitarbeiter“ blieb, den Weg für das Verständnis von sexueller Vielfalt und Variabilität. (vgl. Herrn, Rainer (2022): Der Liebe und dem Leid, Suhrkamp, S. 31). Einher gingen damit auch eine Entpathologisierung und Entkriminalisierung des vermeintlich Abweichenden, von Menschen also, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm standen.
Bildunterschrift in Back: Sexuelle Verirrungen des Menschen und der Natur, Teil 2: Kupferstich von Marie Angé aus dem Beginne des 19. Jahrhunderts, schönes Weib und kräftigen Mann darstellend.
Sammlung Dr. M. Hirschfeld.
Bildunterschrift in Hirschfeld: Geschlechtsübergänge: Hermaphroditen in der Kunst.
Bildunterschrift in Levy-Lenz: Hexenkessel der Liebe: Eine Gravüre aus der „Beschreibung der Hermaphroditeninsel“, die (in französischer Sprache) 1605 als Satire auf Heinrich III. König von Frankreich und Polen erschien
(Der König ist seinem Wesen und seinen Neigungen nach halb männlich, halb weiblich dargestellt)
Bildunterschrift in Neugebauer: Hermaphroditismus beim Menschen: Abb. 1. (Aus Hirschfeld, Geschlechtsübergänge. Verlag von W. Malende, Leipzig.)
Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin
FSIFS-172_a
Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
Fotografische Sammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft