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D 44 - Familiennachlass Weidle (Bestand)
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Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> D - Private Nachlässe und Sammlungen
1825-1991
Einleitung: ########## Biografische Informationen ##########
##### J. Friedrich Weidle (1808-1876) - Institutsvorsteher #####
Johann Friedrich Weidle wurde am 29. November 1808 in Kaltenwesten (dem heutigen Neckarwestheim) als unehelicher Sohn von Ludwig Weidle aus Plieningen, damals Kutscher in Heilbronn, und Johanna Elisabetha Franck geboren. Er absolvierte während seines 18. Lebensjahres seine erste Dienstprüfung als Volksschullehrer. Anschließend unterrichtete er in Fellbach sowie für 7 Jahre an der Taubstummenanstalt in Winnenden. Seine tiefen christlichen Überzeugungen, welche ihn seit seiner seit Kindheit im Ludwigsburger Waisenhaus begleitete, machten ihn zu einem besonderen Pädagogen. In Stuttgart erwarb Weidle an der Polytechnischen Schule den Reallehrerstatus. Während dieser Zeit suchte die Fabrikanten-Familie Reihlen für ihre Töchter einen gut ausgebildeten, frommen Privatlehrer. Für diesen Posten war Weidle der geeignete Mann und begann alsbald im Hause der Familie den Unterricht. Baldig meldeten sich weitere Mädchen aus befreundeten Familien des Fabrikantenhauses für den Unterricht an, sodass man nach einer neuen Schulstätte Ausschau halten musste. Auch die Eltern der Mädchen lauschten dem gehaltvollen Unterricht Weidles, woraus sich ab 1837 die Weidle'sche Stunde entwickelte. Die private Schulkeimzelle sollte sich 1841 institutionalisieren, d.h. mit der Genehmigung der Stadtdirektion begründete man das Weidle'sche Töchterinstitut. Die Schule, an der Mädchen christlich fundierte Bildung empfingen, wechselte aufgrund der schnell ansteigenden Schülerzahlen des Öfteren das Schulgebäude und entwickelte sich im 19./20. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Mädchenbildungseinrichtungen in Stuttgart.
1845 heiratete Weidle Charlotte Holder, die aus einer Malerfamilie stammte. 1847 wurde Michael Friedrich Weidle als das einzige Kind der Beiden geboren. Der Institutsvorsteher J. Friedrich Weidle konnte derweil enge Kontakte, z.B. zum Stuttgarter Prälaten Sixt von Kapff und zu weiteren gewichtigen Vertretern der evangelischen Kirche herstellen, was dem Ansehen seiner Schule half. Doch nach einem Schlaganfall 1869 musste Weidle das Amt des Schulleiters räumen, am 5. Dezember 1876 starb der Schulbegründer des heutigen Mörike Gymnasiums in Stuttgart. Seine Grabrede wurde vom Stuttgarter Prälaten von Kapff gehalten. Seine Frau Charlotte Weidle verstarb 1883.
##### M. Friedrich Weidle (1847-1897) - Pfarrer am Diakonissenhaus #####
Michael Friedrich Weidle erblickte als Kind des Institutsvorstehers Johann Friedrich Weidle am 19. März 1847 in Stuttgart das Licht der Welt. Um das Studium der Theologie in Tübingen aufzunehmen, verließ der durch die fromme Erziehung seiner Eltern geprägte, als Einzelkind behütet aufgewachsene M. Friedrich Weidle Stuttgart. 1871 erfolgten seine Ordination und sein erstes Vikariat in Loffenau bei Neuenbürg, außerdem half der angehende Pastor bei der Pflege Verwundeter im deutsch-französischen Krieg, wofür er später eine Kriegsgedenkmünze erhielt (siehe Bestellnummer 10). 1873/74 folgten weitere Vikariatsstellen in Wildbad und Uhlbach, 1874 trat er seine erste feste Pfarrstelle in Massenbach bei Schwaigern an. Im selben Jahr vermählt er sich mit Maria Manuel aus Lausanne. Bis 1881, dem Abschiedsjahr in Massenbach, wurden dem Ehepaar die Kinder Friedrich (genannt Fritz), Maria und Johannes (dieser Sohn starb früh) geboren. 1881 erhielt M. Friedrich Weidle die zweite Pfarrstelle am Stuttgarter Diakonissenhaus. In den nächsten Jahren wurden die Kinder Herman, Theodor und Otto geboren. 1889 wurde dem Pfarrer die Ehre zu teil, dass er für seine Verdienste um das Rote Kreuz den Karl-Olga Orden zu erhalten, 1895 wurde ihm zusätzlich der Olga-Orden verliehen. Doch 1894/95 erkrankte der stets gesundheitlich angeschlagene M. Friedrich Weidle stark, sodass nicht er, sondern Pfarrer Hoffmann als Erster Pfarrer des Diakonissenhauses bestimmt wurde. Von einer erneuten Erkrankung 1896 erholte er sich nicht und starb am 1. Juli 1897 in Stuttgart an seinem Herz- und Nierenleiden. Seine Frau Maria starb im Jahr 1905. Auf dem Fangelsbacher Friedhof befindet sich das Familiengrab der Familie Weidle.
########## Bestandsgeschichte ##########
Der 2004 entstandene Kontakt mit den Nachkommen der Familie Weidle mündete in der Abgabe eines kleinen Familiennachlasses an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart, wo der Bestand mit der Zugangsnummer 2004-4 im Magazin lagerte.
Nach der Verzeichnung des Bestandes des Mörike Gymnasiums, welches das Nachfolgeinstitut der Weidle'schen Töchterschule ist, im Sommer 2005, wurde die Erschließung des Familiennachlasses Weidle angefügt. Eine Archivschatulle mit gut vorsortierten Unterlagen und dazu passenden Materialsammlungen konnte in 18 Archiveinheiten sowie Bibliotheksgut eingeteilt werden. Nach der Verzeichnung mit dem Erschließungsprogramm Faust konnte eine Klassifikation erstellt werden, die sich an den Lebenswegen der Nachlassbildner orientiert. Das zwei Archivboxen umfassende Depositum wird im Nachlassmagazin unter Signatur D 44 aufbewahrt. Der Bestand wurde 2006 von Maxi Sophie Eichhorn erschlossen
########## Charakter des Bestands ##########
Der Nachlass Weidle kann als ein Zeugnis christlich-evangelischer Familientradition im 19. Jahrhundert angesehen werden, wobei man den Bildungsweg, die Lebensstationen, die Verdienste oder die Besitzverhältnisse der Nachlassenden ablesen kann. Wie aus einer kleinen Initiative eine bis heute etablierte Schule werden kann, verdeutlicht der Nachlassteil von J. Friedrich Weidle. Dass dessen Sohn das Theologiestudium wählt und erfolgreich als Pfarrer in Massenbach und am Diakonissenhaus seine seelsorgerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt, kann auf das fromme Elternhaus zurückgeführt werden. Der Nachlass ist jedoch nicht nur bezogen auf die württembergische Landeskirche von Bedeutung, sondern bietet auch stadt- und personengeschichtlich beachtenswerte Aspekte - der Bürgerbrief J. Friedrich Weidles und die Ordensverleihungen an seinen Sohn heben diese Gesichtspunkte hervor.
Trotz des geringen Umfangs lassen sich die groben Lebenswege von J. Friedrich und M. Friedrich Weidle rekonstruieren und darüber hinaus auswerten.
Einleitung: J. Friedrich Weidle - Institutsvorsteher
Johann Friedrich Weidle, geboren 1808 in Kaltenwesten (dem heutigen Neckarwestheim), absolvierte während seines 18. Lebensjahres seine erste Dienstprüfung als Volksschullehrer. Anschließend unterrichtete er in Fellbach sowie für 7 Jahre an der Taubstummenanstalt in Winnenden. Seine tiefen christlichen Überzeugungen, welche ihn seit seiner seit Kindheit im Ludwigsburger Waisenhaus begleitete, machten ihn zu einem besonderen Pädagogen. In Stuttgart erwarb Weidle an der Polytechnischen Schule den Reallehrerstatus. Während dieser Zeit suchte die Fabrikanten-Familie Reihlen für ihre Töchter einen gut ausgebildeten, frommen Privatlehrer. Für diesen Posten war Weidle der geeignete Mann und begann alsbald im Hause der Familie den Unterricht. Baldig meldeten sich weitere Mädchen aus befreundeten Familien des Fabrikantenhauses für den Unterricht an, sodass man nach einer neuen Schulstätte Ausschau halten musste. Auch die Eltern der Mädchen lauschten dem gehaltvollen Unterricht Weidles, woraus sich ab 1837 die Weidle'sche Stunde entwickelte. Die private Schulkeimzelle sollte sich 1841 institutionalisieren, d.h. mit der Genehmigung der Stadtdirektion begründete man das Weidle'sche Töchterinstitut. Die Schule, an der Mädchen christlich fundierte Bildung empfingen, wechselte aufgrund der schnell ansteigenden Schülerzahlen des Öfteren das Schulgebäude und entwickelte sich im 19./20. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Mädchenbildungseinrichtungen in Stuttgart.
1845 heiratete J. Friedrich Weidle Charlotte Holder, die aus einer Malerfamilie stammte. 1847 wurde Michael Friedrich Weidle als das einzige Kind der Beiden geboren. Der Institutsvorsteher J. Friedrich Weidle konnte derweil enge Kontakte, z.B. zum Stuttgarter Prälaten Sixt von Kapff und zu weiteren gewichtigen Vertretern der evangelischen Kirche herstellen, was dem Ansehen seiner Schule half. Doch nach einem Schlaganfall 1869 musste J. Friedrich Weidle das Amt des Schulleiters räumen, 1876 starb der Schulbegründer des heutigen Mörike Gymnasiums. Seine Grabrede wurde vom Stuttgarter Prälaten von Kapff gehalten. Seine Frau Charlotte Weidle verstarb 1883.
M. Friedrich Weidle - Pfarrer am Diakonissenhaus
Michael Friedrich Weidle erblickte als Kind des Institutsvorstehers J. Friedrich Weidle am 19.3.1847 das Licht der Welt. Um das Studium der Theologie in Tübingen aufzunehmen, verließ der durch die fromme Erziehung seiner Eltern geprägte, als Einzelkind behütet aufgewachsene M. Friedrich Weidle Stuttgart. 1871 erfolgten seine Ordination und sein erstes Vikariat in Loffenau bei Neuenbürg, außerdem half der angehende Pastor bei der Pflege Verwundeter im deutsch-französischen Krieg, wofür er später eine Kriegsgedenkmünze erhielt (siehe Bestellnummer 10). 1873/74 folgten weitere Vikariatsstellen in Wildbad und Uhlbach, 1874 trat er seine erste feste Pfarrstelle in Massenbach bei Schwaigern an. Im selben Jahr vermählt er sich mit Maria Manuel aus Lausanne. Bis 1881, dem Abschiedsjahr in Massenbach, wurden dem Ehepaar die Kinder Friedrich (genannt Fritz), Maria und Johannes (dieser Sohn starb früh) geboren. 1881 erhielt M. Friedrich Weidle die zweite Pfarrstelle am Stuttgarter Diakonissenhaus. In den nächsten Jahren wurden die Kinder Herman, Theodor und Otto geboren. 1889 wurde dem Pfarrer die Ehre zu teil, dass er für seine Verdienste um das Rote Kreuz den Karl-Olga Orden zu erhalten, 1895 wurde ihm zusätzlich der Olga-Orden verliehen. Doch 1894/95 erkrankte der stets gesundheitlich angeschlagene M. Friedrich Weidle stark, sodass nicht er, sondern Pfarrer Hoffmann als Erster Pfarrer des Diakonissenhauses bestimmt wurde. Von einer erneuten Erkrankung 1896 erholte er sich nicht und starb am 1.7. 1897 an seinem Herz- und Nierenleiden. Seine Frau Maria starb im Jahr 1905. Auf dem Fangelsbacher Friedhof befindet sich das Familiengrab der Familie Weidle.
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Der 2004 entstandene Kontakt mit den Nachkommen der Familie Weidle mündete in der Abgabe eines kleinen Familiennachlasses an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart, wo der Bestand mit der Zugangsnummer 2004-4 im Magazin lagerte.
Nach der Verzeichnung des Bestandes des Mörike Gymnasiums, welches das Nachfolgeinstitut der Weidle'schen Töchterschule ist, im Sommer 2005, wurde die Erschließung des Familiennachlasses Weidle angefügt. Eine Archivschatulle mit gut vorsortierten Unterlagen und dazu passenden Materialsammlungen konnte in 18 Archiveinheiten sowie Bibliotheksgut eingeteilt werden. Nach der Verzeichnung mit dem Erschließungsprogramm Faust konnte eine Klassifikation erstellt werden, die sich an den Lebenswegen der Nachlassbildner orientiert. Das zwei Archivboxen umfassende Depositum wird im Nachlassmagazin unter Signatur D 44 aufbewahrt. Der Bestand wurde 2006 von Maxi Sophie Eichhorn erschlossen
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Der Nachlass Weidle kann als ein Zeugnis christlich-evangelischer Familientradition im 19. Jahrhundert angesehen werden, wobei man den Bildungsweg, die Lebensstationen, die Verdienste oder die Besitzverhältnisse der Nachlassenden ablesen kann. Wie aus einer kleinen Initiative eine bis heute etablierte Schule werden kann, verdeutlicht der Nachlassteil von J. Friedrich Weidle. Dass dessen Sohn das Theologiestudium wählt und erfolgreich als Pfarrer in Massenbach und am Diakonissenhaus seine seelsorgerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt, kann auf das fromme Elternhaus zurückgeführt werden. Der Nachlass ist jedoch nicht nur bezogen auf die württembergische Landeskirche von Bedeutung, sondern bietet auch stadt- und personengeschichtlich beachtenswerte Aspekte - der Bürgerbrief J. Friedrich Weidles und die Ordensverleihungen an seinen Sohn heben diese Gesichtspunkte hervor.
Trotz des geringen Umfangs lassen sich die groben Lebenswege von J. Friedrich und M. Friedrich rekonstruieren und darüber hinaus auswerten.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.