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Verhörung der gefangenen Kinder auf dem obern Tor
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Dazu Nota: "O Jesu, vergib mir, daß ich solches mit meiner Feder schreiben mußte."
Hammlelin sagt, er habe oft das Büble des Jacob Spannagel auf dem Scheibenwasen gesehen.
Helbling sagt, den Herrn Johann Ehringer habe er 4 Jahr lang auf dem Scheibenwasen, wohin die Vornehmsten kamen, gesehen. Dieser habe mit dem Knorren-Mareile gebuhlt. Ehringer habe ihm verboten, ihn anzuzeigen, habe auch mit seinem Knorrle, der Apothekerin und der Englerin (Engel) getanzt, mit der Schaal-Marei gebuhlt und getanzt. Man buhle vorher und tanze nachher. Der Ehringer habe zu dem König der Teufel gesagt, daß er von ihm nicht weichen wolle. Als er (Helbling) einmal an einem Sonntag dem Balthas Beckh Schuh zu machen gebracht habe und wie er bei des Ehringers Haus vorbeigegangen sei, habe er ihn hineingerufen und gesagt, er werde bald auf das Tor hinaufkommen und er wolle auch hinaufkommen. Aber er solle ihn nicht verraten. Deshalb habe er 1/2 Batzen herabgeholt und ihm verehrt. Der Ehringer fahre mit seinem Weib hinaus und sitze gleich unter dem Hans Jacob Engel.
Auf der Hexenzusammenkunft sitzen auf der einen Seite der König, der Bantlin, der Apotheker, der Ehringer, der Schultheiss Ludwig Rueff, der Bürgermeister Schmidt, der Herzog. Der Bürgermeister Schmidt sei immer beim Cappeltanz nackend gewesen, auf den Bauch hingelegen, habe das Gesäß über sich gen Himmel geboten und gesagt über Gott: "Du alter Schelm, ihr 3 Stimpler (= Pfuscher, Nichtskönner), da schmecket (= riechet)! Tut's euch wohl?"
Auf dem Rand Nota: "O Gott, verzeih mir, daß ich solches leider mit meiner Feder schreiben muß!"
Den Schultheiss Ludwig Rueff habe er auf dem Scheibenwasen und dem Galgenberg gesehen. Er habe seinen großen Buben mitgehabt. Der Rueff sei ein langer, nicht dicker Mann mit schwarzem Haar. Seine Brüderin (= Frau seines Bruders) sei seine Buhle.
Auf dem Hexenplatz auf der andern Seite sitzen die Apothekerin, die Englerin (Engel), Knorren-Mareile, die Ehringerin, des Bürgermeister Schmidt Frau und des Bantlins Frau. Diese sitze unter der Ehringerin.
Die Uhrenmacherin, die justificierte Faisslins-Marei und die Fürkäuflerin seien immer auf den Gottesacker gefahren, haben ungetaufte Kinder ausgegraben und sie zu Pulver (= Staub) und Asche verbrannt. Der Teufel habe Pulver daraus gemacht.
Der Johann Herzog sei ein großer Hurenmann, aber der Bürgermeister Johann Schmidt ein noch viel ärgerer Hurenmann.
Der Bürgermeister habe mit seiner Enkelin gebuhlt, welche er mit hinausgenommen.
Den Balthas Neuscheler, Seckler, habe er auch draußen gesehen. Er habe sein Mädle, das triefige Augen (= Triefaugen) habe, bei sich gehabt. Der habe ihm geboten, ihn nicht zu verraten, besonders die in seiner Verwandtschaft.
Der Teufel habe ihm 3 Tag vor seiner Verhaftung nicht allein solches gesagt, sondern ihm auch zugemutet, sowohl den Herren Geistlichen als auch den Herren Commissaren und deren Weibern auch eine Klette anzuhängen und sie anzugeben.
Der Herr Ehringer habe ihm solches auch vorher wissend gemacht. Der Ehringer habe viel Pulver in einem Lädlein, worin er viel Geld habe.
Er sei vielfach mit der Sattler-Els heim in des Ehringers Haus gefahren und habe gezehrt.
Der Ehringer fahre auf einer Ofengabel hinaus, schmiere sie mit einer gelben Salb.
Der Ehringer sei einmal nachts in Herrn Bihlers Haus gefahren und habe ihm ein Schwein am Wadel (= Schwanz) herausgezogen. Das Schwein sei hernach hinkend worden.
Der Bürgermeister Schmid und der alt Sauhans haben dem Hans Caspar Hierlinger eine Kuh geritten.
Der Schultheiss Rueff habe auch Pulver.
Der Jacob Waidmann sei sowohl in seiner als auch andern Compagnien gewesen.
Das Weib des Hauptmanns Wuecherer und ihr bucklig Mädle seien auch draußen gewesen. Der Apotheker und der Ehringer seien ihre Buhlen. Wennschon sie einander in der Stadt feind, seien sie doch draußen einander lieb. Diese habe ihn nicht wollen dazu lassen, sondern gesagt, er könnte sie verraten. Die Hauptmännin habe Pulver und Salbe. Er sei dabei gewesen, wie der Teufel ihr solches zustellte. Sie hab's in ihrem Trog (= Truhe). Der Teufel habe gesagt, sie solle das Pulver den Leuten geben und ihm eine Ehr antun.
Die Schmehr-Ursel habe nicht allein ihren Mann, welchem sie von ihrem Pulver in ein Weinwarm (= Weinsuppe) getan und an einem Morgen zu essen gegeben habe, sondern auch viel Vieh umgebracht. Sie habe sich beim König gerühmt, sie tanze mit ihrem Bruder Heinrich Scherer, dem Schmehr-Reutter.
Das Weib des Küfers Johannes Weiss habe er auch draußen gesehen. Sie habe ihr groß Mädle mit draußen gehabt.
1665 Oktober 19
Anwesend:
Herr Lt. Jung.
Herr Stefan Grieninger.
Herr Schultheiss Johann Zendel.
Ratschreiber
Anna Margretha Kurtz bekennt, sie glaube an Gott den Vater, sei hingegen dem leidigen Teufel feind, und wie sie sah, daß er Hirschhörner und Geissfüß hatte, habe sie gesehen, daß es nichts Gutes sei.
2) Ihre Ahne, das Knorren-Mareile, habe sie sehr lieb gehabt. Sie habe sie verführt und ihr hoch verboten, etwas zu sagen, oder sie wolle sie zerreissen und verzerren.
3) Ihre Ahne sei 2mal und erst die vergangene Nacht mit der Schmehr-Ursel und der Finckhen-Marei zu ihr auf den Turm herauf gefahren. Ihre Ahne habe einen Spitzhut gehabt, einen Pelz mit einer roten Bege (= Besatz) und grünen Schnürlein und ein Paar weiße Stiefel, die Schmehr-Ursel aber einen grünen Rock und Küllen (= Kaninchenpelz), die Finckhen-Marei Schnabelschuh und eine schwarze Kappe. Ihre Ahne sei auf einer Katze, der sie das Maul verbunden und die Füß gesalbt hatte, geritten. Die Schmehr-Ursel habe einen Teufel-Stecken, ihre Ahne ein kleines Beil in der Hand gehabt. Sie habe gesagt, sie wolle ihr den Kopf voneinander schlagen, weil sie den schwarzen Schelmen alles sage und sie verrate.
Die vorige Nacht seien sie auch heraufgekommen, der Apotheker, seine Frau und seine Tochter Ephrosin (Euphrosine). Der König habe des Apothekers Büble, das sein Buhle (= Liebling) sei, auf dem Rücken getragen gebracht, ihm Essen und besonders Gebratenes und eingemachte (= in Brühe) Hühnlein gebracht. Sie seien geblieben, bis sie gegessen hatten.
Die Apothekerin habe ein schwarz, Katissin (= aus billigem Wollstoff) Kleid angehabt.
Sie seien gekommen und haben gesungen.
1/4 oder 1/2 Jahr, ehe ihr Vater in den Krieg zog, habe ihre Ahne ein lebendig Kindlein aus ihrer Kammer in die Stube gebracht, es mit einem spitzigen und wissheftigen (= mit weißem Griff) Messer gestochen und ihm das Mäule verhebt (= zugehalten), daß es nicht schreien konnte, hernach es bei Tag in der Küche in einem Kessel zu Pulver verbrannt, und damit niemand es riechen konnte, habe sie Tischtücher um das Feuer gehängt und das Haus unten beschließig gemacht (= abgeschlossen).
Der Bürgermeister Schmid sei der Buhle der Finckhen-Marei auf der Hexenzusammenkunft, gehe schwarz, habe einen grauen Bart und kurzes graues Haar.
Beim Cappeltanz habe der Bürgermeister Schmid nackend getanzt. Er und der Bantlin haben den Vortanz gehabt.
Sie habe den Bürgermeister Schmid auch auf dem Scheibenwasen und dem Blauen Rain gesehen.
Der Gerberzunftmeister habe ein schwarz Haar und sei auch beim Cappeltanz gewesen. Ferner: Hans Schill, Christof alt Maurer, Hans Jacob Tochtermann, Stoffel Tochtermann, Georg Bertsch, sein Töchterlein, die alt Bertschin, ihre Tochter, Jerg Jauch. Sein Sohn habe mit einem Geiglein aufgespielt.
Alle Mittwochnacht habe man um die Kapell getanzt.
Um das Rathaus habe man getanzt, der Apotheker nackend, seine Frau, seine Tochter, der Bantlin, die Kronenwirtin, die Adlerwirtin.
Der Bantlin habe auf dem Scheibenwasen Kinder getauft und in der Kirche gepredigt. Sein Weib mit der krummen Nase sei auch draußen gewesen, habe eine Samthaube und einen schwarzen Rock gehabt.
Die vorige Nacht sei der böse Geist gelb gekleidet auf den Turm gekommen, habe Hörner gehabt, des Apothekers Büble auf dem Rücken getragen und gesagt, sie sollen aufeinander liegen.
Der böse Geist habe in der vorigen Nacht ihr auch gesagt, wenn die schwarzen Schelme, die Commissare, mehr (= noch öfter) kommen, solle sie diese auch angeben und sagen, daß sie auch in seinem Reich seien.
Der Teufel habe sie, da sie schlief, geweckt und des Apothekers Buben auf sie hingelegt. Des Apothekers Büble habe ihr die Decke weggetan, das Hemd aufgehoben und Unzucht mit ihr getrieben.
Balthas Neuscheler und Hans David, der Sohn des Christof Hepper, der Hurenjäger, seien auch draußen gewesen.
Dem Ludwig Locher habe die Ahne Pulver auf die Gasse gesät, worüber er zu Tod gefallen sei.
Als ihr Stief-Ähne Christof Hochstetter zu München war, sei ihre Ahne ihm nachgefahren und habe ihm nicht allein das Geld und die Kleider genommen, sondern auch gesagt, sie wolle ihn rädern. Vergangene Nacht habe sie ihre Ahne mit Gewalt wegnehmen wollen, sie auch an die FüB gegrimmt (= gezwickt).
Urban:
Vergangene Nacht seien das Knorren-Mareile, Schmehr-Ursel und die Finckhen-Marei zu ihm auf das Tor gefahren und haben ihm zu trinken gegeben, er aber hab's nicht angenommen.
In der vorigen Nacht sei das Weib des Claus Finckh zu ihm hinaufgekommen und habe gesagt, warum er sie verraten habe, da sie ihm doch 2mal 1/2 Batzen gegeben habe.
Lucia, die Hausfrau des Eberhard Werenwag, habe er auch draußen gesehen. Auf der Hexenzusammenkunft sei eine Kirch und eine Kelter. In der Kirche habe der Bantlin etwa 1/2 Stunde gepredigt. Er habe Kinder getauft und in der Tauf alles verflucht.
Hammlelin:
Gedeon alt Jos sei auch auf dem Scheibenwasen gewesen, habe mit dem Weib des Georg Meulin getanzt.
Der Bantlin habe in der Kirch auf der Hexenzusammenkunft gepredigt, Gott gelästert und Kinder getauft.
Johann Herzog habe mit Georg Meulins Weib getanzt.
Michel Hueth und sein Büble.
Balthas Neuscheler.
Johannes Röser.
Das Weib des Claus Finckh und die Finckhen-Marei.
Jacob alt Zwisin.
Urban sagt, die Doctorin, Hausfrau des Erhart Wuecherer, habe draußen mit dem Bantlin getanzt.
15 S.
Beschreibstoff: Pap.
Archivale
Genetisches Stadium: Or.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.