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NL 204: Arche Nova und Mainzer Zimmerspiele (Bestand)
Bestände des Stadtarchivs Mainz >> Nachlässe >> Nachlässe nach Nummern, NL 201-250
ca. 1949-1961
Vorwort
Das Kabarettensemble "arche nova" und die "Mainzer Zimmerspiele" nahmen beide ihren Anfang im Mainzer "Uni-Karneval", studentisch organisierten Gegenveranstaltungen zur Fastnacht in den Jahren 1947-50. Die theaterbegeisterten Studierenden firmierten zunächst unter dem Namen die "Tolleranten" und traten im Musiksaal der Universität auf.
Aus diesen Anfängen entstand die Idee eines sogenannten Intimen Theaters, die Rudolf Jürgen Bartsch, Hanns Dieter Hüsch und drei weitere Kommilitonen verfolgten. Schließlich etablierte sich im November 1950 im Lesesaal der Volkshochschule Mainz im Haus am Dom die "Mainzer Zimmerspiele" unter Leitung Bartschs, die zehn Jahre Bestand haben sollten.
Das Theater musste sich selbst finanzieren und profitierte nur von gelegentlichen Zuwendungen des Landes, der französischen Stiftung "Pro Juventute", der Volkshochschule und des Kreises der Freunde der Zimmerspiele. Während seines Bestehens brachte es über 60 unterschiedliche Stücke zur Aufführung, angefangen mit Kafkas "Der Gruftwächter" - ohne festes Ensemble. Neben Bartsch wirkten aber eine Reihe der insgesamt über 100 Darsteller regelmäßig mit, insbesondere Hüsch mit Kabarett und Musik und andere ehemalige Kommilitonen Bartschs, mit denen er gemeinsam in Studentenzeiten gespielt hatte, aber auch Ensemblemitglieder des Städtischen Theaters. Anfang 1960 trat Bartsch eine Stelle beim Verlag Kiepenheuer&Witsch an und die Zimmerspiele fanden ein Ende.
Das literarische Kabarett hatte seit Beginn seinen festen Platz im Programm der Zimmerspiele. Als 1953 erstmals die "Weihnachts-Männer machen Geschichten" aufgeführt wurden, entstand der Gedanke, ein festes Esemble zu gründen. Am 17. Oktober 1956 wurde die Idee in die Tat umgesetzt: Es gründete sich das Kabarettensemble "arche nova", das an die Erfahrungen des universitären Kabaretts anschloss und den Zimmerspielen eng verbunden blieb. Die Begründer waren Hanns Dieter Hüsch, Rudolf Bartsch, Heinz Brass, Helga Mummert, Agnes Verena und Ernst Birkheimer, die fast alle schon auf der Bühne der Zimmerspiele gestanden hatten. Das Ensemble trat im Keller des Hauses Mittlere Bleiche 18 auf, wo auch die Zimmerspiele eine zweite Spielstätte fanden. Als ihnen Ende 1960 die Räumlichkeiten gekündigt wurden, konnte das Ensemble keine neue Spielstätte finden und löste sich schließlich auf. Die Gruppe trat 1972 ein letztes Mal gemeinsam im Mainzer unterhaus auf.
Die Zimmerspiele und die "arche nova" wurden schnell über die Grenzen von Mainz hinaus bekannt und gaben Gastspiele in ganz Deutschland, besonders in rheinlandpfälzischen Volksbildungseinrichtungen, und auch in Frankreich und der Schweiz. Beiden Unternehmen gemein war das Spiel auf der kleinen Bühne ohne Distanz zum Publikum. Kurze, anspruchsvolle und kritische Stücke mit kleiner Besetzung prägten die Programme.
Arche Nova und Mainzer Zimmerspiele
Wie der Nachlass der Mainzer Zimmerspiele, der heute die Signatur "NL 204" trägt, das Stadtarchiv erreichte, ist nicht mehr zu ermitteln. Vorhanden sind die Unterlagen für die Jahre 1955 bis 1961. Neben der Buchhaltung sind vor allem Korrespondenzen des Leiters der Zimmerspiele Bartsch mit Verlagen, Gastbühnen und Kollegen, bzw. Darstellern erhalten. Hier sind die Verhandlungen um Aufführungsgenehmigungen von einzelnen Stücken, wozu auch ein Gerichtsprozess gegen die GEMA gehört, von besonderem Interesse. Die Korrespondenzen (204 / 2-6) und die Belege (204 / 7-9) sind jeweils nach Spielzeiten getrennt, die Bankunterlagen (204 / 10-11) nach Jahrgängen. Dabei sind erstere teilweise nach Briefpartnern sortiert. Hier bezieht sich nur der letzte Jahrgang der Korrespondenzen (1960/61), geführt von Agnes Verena, teilweise auf die "arche nova". Zudem sind die Unterlagen betreffend die Errichtung eines Kleinkunsttheaters im Keller der Kaiserstraße 24 erhalten (204 / 16), wofür neben Agnes Verena auch Josef Heinzelmann im Auftrag der Arche tätig war.
Die Bankunterlagen der Zimmerspiele befanden sich in völliger Unordnung und sind nun in zeitliche Reihenfolge gebracht worden. Für die Spielzeit 1957/58 sind die Aufführungsverträge mit den entsprechenden Abrechnungen getrennt von der Korrespondenz erhalten (204 / 12). Von einzelnen Aufführungen sind zumindest Listen zu Besucherzahlen und Einnahmen überliefert (204 / 13-14). Nur von einem Stück, "Das kleinere Übel" von Ludwig Berger, ist ein Manuskript erhalten (204 / 14). Zudem gibt es einen Bestand an Presserezensionen zu einzelnen Auftritten der Zimmerspiele (204 / 1).
verzeichnet von Yannick Weber im März 2014
- Hanfgarn, Werner: Nekrolog auf ein Kabarett. In: Das neue Mainz (1963), H. 6, S. 10-11.
- Hüsch, Hanns Dieter: Die Arche Nova. In: Mainzer Almanach. Beiträge aus Vergangenheit und Gegenwart (1964), S. 161-166.
- Klippel, Hermann: Vom Regiefehler zur arche nova. Ganz persönliche Erinnerungen an das Mainzer Nachkriegskabarett. In: MVJH 1 (1981), Heft 4, S. 31-35.
- N. N.: "arche nova"-Reminiszenzen. In: Das neue Mainz (1972), H. 1, S. 7.
- N.N.: Fünf Jahre Zimmerspiele. In: Das neue Mainz (1955), H. 11, S. 17.
- Schmidt, Walter: "Auf Athemsnähe". Zimmerspiele Mainz/Haus am Dom. Ein Zimmertheater der Nachkriegszeit (1950 bis 1959/60). In: MVJH 30 (2010), H. 4, S. 80-87.
- Schmidt, Walter: Zimmerspiele Mainz - Haus am Dom. Ein Zimmertheater der Nachkriegszeit (1950-1959/60) oder Der Versuch, poetische Schwingungen zu erzeugen. Frankfurt am Main [u.a.] 2010 (Studien zur Deutschen und Europäischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 66).
Form und Inhalt: Arche Nova und Mainzer Zimmerspiele
Wie der Nachlass der Mainzer Zimmerspiele, der heute die Signatur "NL 204" trägt, das Stadtarchiv erreichte, ist nicht mehr zu ermitteln. Vorhanden sind die Unterlagen für die Jahre 1955 bis 1961. Neben der Buchhaltung sind vor allem Korrespondenzen des Leiters der Zimmerspiele Bartsch mit Verlagen, Gastbühnen und Kollegen, bzw. Darstellern erhalten. Hier sind die Verhandlungen um Aufführungsgenehmigungen von einzelnen Stücken, wozu auch ein Gerichtsprozess gegen die GEMA gehört, von besonderem Interesse. Die Korrespondenzen (204 / 2-6) und die Belege (204 / 7-9) sind jeweils nach Spielzeiten getrennt, die Bankunterlagen (204 / 10-11) nach Jahrgängen. Dabei sind erstere teilweise nach Briefpartnern sortiert. Hier bezieht sich nur der letzte Jahrgang der Korrespondenzen (1960/61), geführt von Agnes Verena, teilweise auf die "arche nova". Zudem sind die Unterlagen betreffend die Errichtung eines Kleinkunsttheaters im Keller der Kaiserstraße 24 erhalten (204 / 16), wofür neben Agnes Verena auch Josef Heinzelmann im Auftrag der Arche tätig war.
Die Bankunterlagen der Zimmerspiele befanden sich in völliger Unordnung und sind nun in zeitliche Reihenfolge gebracht worden. Für die Spielzeit 1957/58 sind die Aufführungsverträge mit den entsprechenden Abrechnungen getrennt von der Korrespondenz erhalten (204 / 12). Von einzelnen Aufführungen sind zumindest Listen zu Besucherzahlen und Einnahmen überliefert (204 / 13-14). Nur von einem Stück, "Das kleinere Übel" von Ludwig Berger, ist ein Manuskript erhalten (204 / 14). Zudem gibt es einen Bestand an Presserezensionen zu einzelnen Auftritten der Zimmerspiele (204 / 1).
Vorwort
Das Kabarettensemble "arche nova" und die "Mainzer Zimmerspiele" nahmen beide ihren Anfang im Mainzer "Uni-Karneval", studentisch organisierten Gegenveranstaltungen zur Fastnacht in den Jahren 1947-50. Die theaterbegeisterten Studierenden firmierten zunächst unter dem Namen die "Tolleranten" und traten im Musiksaal der Universität auf.
Aus diesen Anfängen entstand die Idee eines sogenannten Intimen Theaters, die Rudolf Jürgen Bartsch, Hanns Dieter Hüsch und drei weitere Kommilitonen verfolgten. Schließlich etablierte sich im November 1950 im Lesesaal der Volkshochschule Mainz im Haus am Dom die "Mainzer Zimmerspiele" unter Leitung Bartschs, die zehn Jahre Bestand haben sollten.
Das Theater musste sich selbst finanzieren und profitierte nur von gelegentlichen Zuwendungen des Landes, der französischen Stiftung "Pro Juventute", der Volkshochschule und des Kreises der Freunde der Zimmerspiele. Während seines Bestehens brachte es über 60 unterschiedliche Stücke zur Aufführung, angefangen mit Kafkas "Der Gruftwächter" - ohne festes Ensemble. Neben Bartsch wirkten aber eine Reihe der insgesamt über 100 Darsteller regelmäßig mit, insbesondere Hüsch mit Kabarett und Musik und andere ehemalige Kommilitonen Bartschs, mit denen er gemeinsam in Studentenzeiten gespielt hatte, aber auch Ensemblemitglieder des Städtischen Theaters. Anfang 1960 trat Bartsch eine Stelle beim Verlag Kiepenheuer&Witsch an und die Zimmerspiele fanden ein Ende.
Das literarische Kabarett hatte seit Beginn seinen festen Platz im Programm der Zimmerspiele. Als 1953 erstmals die "Weihnachts-Männer machen Geschichten" aufgeführt wurden, entstand der Gedanke, ein festes Esemble zu gründen. Am 17. Oktober 1956 wurde die Idee in die Tat umgesetzt: Es gründete sich das Kabarettensemble "arche nova", das an die Erfahrungen des universitären Kabaretts anschloss und den Zimmerspielen eng verbunden blieb. Die Begründer waren Hanns Dieter Hüsch, Rudolf Bartsch, Heinz Brass, Helga Mummert, Agnes Verena und Ernst Birkheimer, die fast alle schon auf der Bühne der Zimmerspiele gestanden hatten. Das Ensemble trat im Keller des Hauses Mittlere Bleiche 18 auf, wo auch die Zimmerspiele eine zweite Spielstätte fanden. Als ihnen Ende 1960 die Räumlichkeiten gekündigt wurden, konnte das Ensemble keine neue Spielstätte finden und löste sich schließlich auf. Die Gruppe trat 1972 ein letztes Mal gemeinsam im Mainzer unterhaus auf.
Die Zimmerspiele und die "arche nova" wurden schnell über die Grenzen von Mainz hinaus bekannt und gaben Gastspiele in ganz Deutschland, besonders in rheinlandpfälzischen Volksbildungseinrichtungen, und auch in Frankreich und der Schweiz. Beiden Unternehmen gemein war das Spiel auf der kleinen Bühne ohne Distanz zum Publikum. Kurze, anspruchsvolle und kritische Stücke mit kleiner Besetzung prägten die Programme.
- Hanfgarn, Werner: Nekrolog auf ein Kabarett. In: Das neue Mainz (1963), H. 6, S. 10-11.
- Hüsch, Hanns Dieter: Die Arche Nova. In: Mainzer Almanach. Beiträge aus Vergangenheit und Gegenwart (1964), S. 161-166.
- Klippel, Hermann: Vom Regiefehler zur arche nova. Ganz persönliche Erinnerungen an das Mainzer Nachkriegskabarett. In: MVJH 1 (1981), Heft 4, S. 31-35.
- N. N.: "arche nova"-Reminiszenzen. In: Das neue Mainz (1972), H. 1, S. 7.
- N.N.: Fünf Jahre Zimmerspiele. In: Das neue Mainz (1955), H. 11, S. 17.
- Schmidt, Walter: "Auf Athemsnähe". Zimmerspiele Mainz/Haus am Dom. Ein Zimmertheater der Nachkriegszeit (1950 bis 1959/60). In: MVJH 30 (2010), H. 4, S. 80-87.
- Schmidt, Walter: Zimmerspiele Mainz - Haus am Dom. Ein Zimmertheater der Nachkriegszeit (1950-1959/60) oder Der Versuch, poetische Schwingungen zu erzeugen. Frankfurt am Main [u.a.] 2010 (Studien zur Deutschen und Europäischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 66).
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.