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Briefe des stud. jur. Georg Christoph Karl Sigmund von Tucher aus Berlin, Dänemark, Norwegen und Schweden (1)
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E 29/II Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
20.10.1844 - 16.11.1844
Enthält:
1844 Oktober 20 bis 21: Brief des Georg (Christoph Karl Sigmund von Tucher) (16/5; 1824 - 1846; JL / 1.A) aus Berlin an seine Eltern in Nürnberg, adressiert an Sigmund v. Tucher, Hauptmann à la suite.
Schreiber ist seit gestern abend in Berlin und fühlt sich schon heimisch im Hause der Tante (= Maria Helena Susanna Hegel). Chronologie der letzten Tage: Reiste mit dem Nürnberg-Berliner Eilwagen ab. Abschied von der Mutter (Maria Magdalena Karoline Katharina). Abendessen war in Pegnitz. Ankunft in Hof um 10.30 am nächsten Vormittag, wo auch das Mittagessen eingenommen wurde. Ein Mitreisender war bis hierher der Nürnberger Lebküchner (Johann Martin) Schores. Weiterfahrt um 1 Uhr mit dem neuen, breiten Altenburger Wagen in Richtung Altenburg. Unterhaltung mit 3 Berliner Damen, die München besucht hatten, einer Mutter mit 2 liebenswürdigen Töchtern, alle dem Anschein nach aus sehr guter, gebildeter Familie, die nun heimreisten. In Altenburg schlief man von 1 bis 7 Uhr und um 8 Uhr reiste man in einem (Eisenbahn-) Wagen II. Klasse - wieder zusammen mit den Damen - nach Leipzig, wo man um 9 Uhr eintraf. Um 10.45 Uhr fuhr der Zug gerade aus dem Bahnhof, als ein Notsignal vom Magdeburger Zug kam, dem eine Lokomotive entgegengesandt werden musste, was die Abreise um 1 1/2 Stunden verzögerte. Weiterfahrt über Halle, Dessau. An Ludwig (de Marées) wird noch wegen eines Treffens geschrieben und der Brief von Tante Thekla (Tucher, geb. Gemmingen) wird morgen besorgt werden. Ankunft in Berlin um 8 Uhr. Schreiber wurde von Manuel (= Immanuel) abgeholt. Fahrt mit der Droschke zur Potsdamer Straße 27. Der Tante geht es gut und sie ist viel ruhiger als Schreiber erwartet hatte. Schreiber erhielt ein Zimmerchen mit 2 Fenstern auf den Garten und den Hof. (Fortsetzung 21. Oktober:) Heute ging die Tante in eine Predigt, Schreiber mit Manuel aus, um seine neue Heimat zu erkunden. Berlin gefällt Schreiber sehr gut, das Vorurteil von Frau Nägelsbach, Berlin sei nichts anderes als ein 2 Stunden langes Erlangen, hat sich nicht bestätigt. Es ist eine Stadt für 300.000 Einwohner und 1.800 Droschken mit allem möglichen Luxus. Vom Zimmer bei der Tante bis zur Universität sind es etwa 25 bis 30 Minuten. Schreiber besucht heute die Kollegien, über die er noch ausführlich berichten wird, ebenso über die Familie Flottwel, bei der ihn Manuel vorgestellt hat. Er hat mit seiner Friederike guten Geschmack bewiesen, sie ist ein liebenswürdiges, geistvolles Mädchen mit herrlichen Augen, welche den Fehler eines etwas aufgeworfenen Mundes mehr als gut machen. Grüße von Manuel, die Tante schreibt selbst.
Dabei:
Undatiert, lag bei Vorigem: Brief (der Maria Helena Susanna Hegel aus Berlin an die Eltern Georgs).
Georg ist glücklich angekommen und Schreiberin betrachtet ihn wie einen Sohn. Schreiberin würde sich freuen, wenn Georg bei ihr wohnen bliebe. Er wohnt neben Imanuels Zimmer. Imanuel heiratet im Frühjahr. Daguerrotypie erwähnt.
Dabei der Briefumschlag.
1844 Oktober 30: Brief der Mutter (Maria Magdalena Karoline Katharina) aus Nürnberg an ihren Sohn stud. jur. Georg (Christoph Karl Sigmund von Tucher) in Berlin, Potsdamer Straße 27, bei Frau Professor Hegel.
(Johann David) Wiß ist über die Wahl Manuels (s.o.) informiert und glücklich, Tante (Rosina Alix, geb. Schwarz) Wiß ist mit Eduard (Wiß) zufrieden. - Der Kaffe für den Sohn ging einen Tag nach dessen Abreise ab; ob er ihn schon erhalten hat? Auch wurden Noten beigelegt, damit Adressat die edle Musika nicht vernachlässigt. Der Brief des Adressaten macht, wie üblich, die Runde in der Familie. Am Sonntag war man mit den Großeltern (Georg Christoph Karl und Anna Katharina Marie Grundherr) zum Kaffee beisammen, diese freuten sich ebenfalls über die guten Nachrichten. - Vor 8 Tagen war Max Bezzel hier und hoffte, den Adressaten noch anzutreffen. Max war in den Ferien bei Mathilde (= Bezzel, s. Nr. 2764). Von Wels ging er nach Wien, wo er unter dem Namen der junge Baier als Schachspieler bekannt wurde und in verschiedenen Zirkeln Schach spielte. - Vater kam noch nicht nach S(immelsdorf). Dort hat Susettchen ihren Wunsch erreicht und das Zimmerchen neben dem Balkonzimmer zur eigenen Verfügung erhalten. Die frühere Lernstube wurde zur Wohnstube und ist jetzt tapeziert und elegant eingerichtet, auch der Flügel steht darinnen. Gottlieb (Karl Sigmund) und der Vater schlafen in der Schlafstube = die frühere Wohnstube. Jenette hat das Plätzchen des Adressaten bekommen. Die 3 Schwestern (Susanna Maria Karoline Henriette, Maria Theresia Karoline Katharina, Sophie Maria) und Gottlieb haben eine neue Lernstube bezogen - Gottlieb hat den mit grünem Tuch bezogenen Schreibtisch und ein Pult - das zweckmäßig eingerichtet ist. Das große Zimmer unten wurde zur Kaserne (!) vervollständigt, wo sich das kleine Mäuschen (Karoline Maria) Tag und Nacht befindet. Tante Thekla erwähnt. - Vor 8 Tagen erschien ein lang ersehnter Armeebefehl: Peller geht nach München, Stromer nach Bayreuth (...). Feit ist seit gestern Bräutigam der Lotte Biehler. - Seit der Abreise des Sohns war die Schreiberin zusammen mit dem Vater zweimal im Theater. Die neue Truppe ist sehr gut, vor allem die Sänger. Man gab "Die Hugenotten" von Meyerbeer. - Susettchen, die was auf ihr Brüderlein hält, hat noch Stunden nach dessen Abreise Tränen vergossen. Sie sitzt gerade neben Schreiberin und ist mit einer englischen Übersetzung beschäftigt. Vater hat heute seine l'ombre Parthie zu Glockenhof. Nachtrag: Auf die Frage, ob der Vater etwas mitzuteilen habe, antwortete dieser, er habe vergessen, dem Sohn das Rapier mitzugeben, es werde zusammen mit den Lebkuchen zu Weihnachten geschickt werden. Schreiberin befürchtet, dies werde eine zu lange Kiste benötigen.
1844 November 15 und 16: Brief des Georg (Christoph Karl Sigmund von Tucher) aus Berlin an seine Eltern in Nürnberg.
Schreiber steht an seinem Pult und hat eine schöne Studierlampe, dabei Hegels "Logik". Als Schreibunterlage dienen die Pandekten. Die Tante schläft schon und Manuel, der eben von Flottwells kam, wünschte auch schon eine gute Nacht. In der Logik hat sich Schreiber vom Nichts bis zum Werden durchgearbeitet, kann aber das Seyn nicht mehr herausbekommen - wenigstens heute abend nicht mehr. - Die Tante kümmert sich bestens um den Schreiber. - Das bayerische Bier ist hier viermal so teuer wie in Erlangen. - Die Tante ist schwer wach zu bekommen. - Schreiber hört die Pandekten bei (Georg Friedrich) Puchta, Geschichte der neuern Zeit bei (Leopold von) Ranke, Logik und Metaphysik bei (Karl) Werder - einem Hegelianer, Rechtsphilosophie bei (Friedrich Julius) Stahl, Universalgeographie bei (Carl) Ritter. Die Universität ist gut eingerichtet und ausgestattet, auch von außen. Die Professoren sind ausgezeichnete Lehrer. (Fortsetzung am 16.:) Weiter besucht Schreiber 2mal die Woche den Fechtboden sowie ein öffentliches Kolleg des Dr. (Theodor?) Althaus über Goethes "Faust". (Dabei im Textfluss:) Stundenplan. - Schilderung des Tagesablaufs, Charakterisierung der Professoren. - Besuch bei der Familie Seebeck, dort war auch Fritz Götz aus Ansbach. (...) (Textverlust durch Siegelabriss). - Theaterbesuche: Zar und Zimmermann, Antigone von Sophokles, Maria Stuart, Sommernachtstraum von Shakespeare, Kabale und Liebe. - Schreiber hat sich neu eingekleidet, u.a. trägt er jetzt einen Topf auf dem Kopf. (Dabei Zeichnung: Mann in Mantel und Zylinder = 'Selbstbildnis') - Schreiber hat neulich Ludwig (de Marées) in Dessau besucht, dabei auch dessen Onkel v. Raumer aus Jonitz kennen gelernt. (...) Grüße von Manuel, die Tante legt selbst ein Blättchen bei. Briefliche Grüße von Carl (= Karl Friedrich Wilhelm Hegel). Schreiber freut sich auf ein Wiedersehen mit ihm.
Dabei:
(1844) November 16: Brief (der Maria Helena Susanna Hegel aus Berlin an die Eltern Georgs).
Dank der Anwesenheit Georgs fühlt sich Schreiberin zuweilen wie in Nürnberg. - Sie selbst leidet wieder an Rheumatismus, musste 8 Tage lang im Bett bleiben. (...)
Dabei:
Undatiert, weiterer Zettel (Witwe Hegel, wie vor.):
Der Kaffee ist angekommen, Dank für das Bild von der Hausgenossenschaft. Erkundigung nach weiteren Personen. Benoit (von Schwarz) war in Dresden, hat Schreiberin aber nicht besucht. Nun erhofft Schreiberin, Georg erweise sich als Magnet seiner Eltern.
Umfang/Beschreibung: 6 Prod
Archivale
Bemerkungen: Acc.-Nr. D 2/2012
Bemerkungen: Aus dem Besitz von Frau Hildegard Erika Melitta von Schweinichen, geb. von Tucher (18/10
Bemerkungen: *1937
Bemerkungen: JL/1.A)
Bemerkungen: Prod.1.: J.M. Schores, Lebküchner, S. 76, Adressbuch 1842
Bemerkungen: Die Verlobte Immanuels, Friederike, eine geb. Flottwell
Indexbegriff Person: Grundherr, Anna Katharina Maria
Indexbegriff Person: Grundherr, Georg Christoph Karl
Indexbegriff Person: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich Dr.
Indexbegriff Person: Hegel, Immanuel
Indexbegriff Person: Hegel, Karl Friedrich Wilhelm Dr.
Indexbegriff Person: Hegel, Manuel = Immanuel
Indexbegriff Person: Hegel, Maria Helena Susanna, geb. von Tucher
Indexbegriff Person: Marées, Ludwig de
Indexbegriff Person: Meyerbeer, Giacomo
Indexbegriff Person: N, Jeanette (Kinderfrau d Familie Tucher?)
Indexbegriff Person: Nägelsbach, N
Indexbegriff Person: Peller, N
Indexbegriff Person: Puchta, Georg Friedrich
Indexbegriff Person: Ranke, Leopold von
Indexbegriff Person: Raumer, N von (Jonitz b Dessau)
Indexbegriff Person: Ritter, Carl
Indexbegriff Person: Schores, Johann Martin
Indexbegriff Person: Schwarz, Bennoit von
Indexbegriff Person: Seebeck, Familie (Berlin)
Indexbegriff Person: Shakespeare, William
Indexbegriff Person: Sophokles
Indexbegriff Person: Stahl, Friedrich Julius
Indexbegriff Person: Stromer, N
Indexbegriff Person: Tucher, Georg Christoph Karl Sigmund von
Indexbegriff Person: Tucher, Johann Sigmund Karl von
Indexbegriff Person: Tucher, Karoline Maria
Indexbegriff Person: Tucher, Maria Magdalena Karoline Katharina, geb. von Grundherr
Indexbegriff Person: Tucher, Maria Theresia Karoline Katharina
Indexbegriff Person: Tucher, Sophia Maria
Indexbegriff Person: Tucher, Susanna Maria Karoline Henriette von
Indexbegriff Person: Tucher, Susette = Susanna Maria Karoline Henriette
Indexbegriff Person: Tucher, Thekla, geb. von Gemmingen
Indexbegriff Person: Werder, Karl
Indexbegriff Person: Wiß, Eduard
Indexbegriff Person: Wiß, Johann David
Indexbegriff Person: Wiß, Rosina Alix geb von Schwarz
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Einzelne Personen (geordnet nach dem Stammbaum)
Altenburg
Ansbach
Bayreuth
Berlin
Berlin, Potsdamer Str. 27
Dessau
Dresden
Erlangen
Glockenhof
Halle
Hof
Jonitz bei Dessau
Leipzig
Magdeburg
München
Pegnitz
S 76 - Winklerstr. 35
Simmelsdorf, Schloss - Balkonzimmer
Simmelsdorf, Schloss - Lernstube (frühere)
Simmelsdorf, Schloss - Lernstube (neue)
Simmelsdorf, Schloss - Schlafstube
Simmelsdorf, Schloss - Wohnstube (frühere)
Simmelsdorf, Schloss - Wohnzimmer neues
Simmelsdorf, Schloss - Zimmer Unteres
Theater
Wels
Wien
Winklerstr. 35 - S 76
Briefwechsel Georg Christoph Karl Sigmund von Tucher
Hauptmann
Reisebeschreibung
Lebküchner
Kutsche
Eisenbahn
Eilwagen
Droschke
Studienaufenthalt
Universität Berlin
Verlobung
Daguerrotypie
Kaffee
Musiknoten
Noten
Schachspiel
Schlossumbau
Lernstube
Wohnstube
Tapete
Flügel
Schlafstube
Schreibtisch
Schreibpult
Armeebefehl
Theaterbesuch
Die Hugenotten (Meyerbeer)
Geschwisterliebe
Trauer
Englischübersetzung
L'hombre
Rapier
Lebkuchen
Weihnachtsgeschenk
Studierlampe
Logik
Hegel - Logik
Pandekten
Bier, bayerisches
Bierpreis Erlangen - Berlin
Geschichte der neueren Zeit
Logik und Metaphysik
Hegelianer
Rechtsphilosophie
Universalgeographie
Fechtboden
Kolleg, öffentlicher
Faust
Stundenplan
Tagesablauf
Charakterisierung
Besuch
Zar und Zimmermann
Antigone
Maria Stuart
Sommernachtstraum
Kabale und Liebe
Kleidung
Zylinder
Selbstporträt
Rheumatismus
Familienbild
Erkundigung
Einladung
Professor, Berlin
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.