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Abbildung eines unbekleideten Mannes (als „Infantiler“ bezeichnet)
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Schwarz-Weiß-Fotografie, die einen Mann in einem Raum des Instituts für Sexualwissenschaft zeigt. Der Mann wurde frontal fotografiert und ist vom Kopf bis zu den Füßen zu sehen. Er ist unbekleidet, ein weißer Balken über seinen Augen soll ihn offenbar anonymisieren. Mit der linken Hand hält er sich an einem höhenverstellbaren Eisenständer fest, der andere Arm hängt locker am Körper herab. Im Hintergrund des Raums sind Bilder sichtbar, die in Rahmen an den Wänden hängen, außerdem ein Vitrinenschrank, eine Sitzbank sowie eine geschlossene Flügeltür.
Kontext:
Die hier dargestellte Person soll laut Bildunterschrift die sexualwissenschaftliche Konzeption des „psycho-sexuellen Infantilen“ repräsentieren. Der Arzt und Sexualreformer Ludwig Levy-Lenz (1892–1966) und Herausgeber der Publikation „Hexenkessel der Liebe“, aus der diese Abbildung stammt, beschreibt „Infantilismus“ als einen „Hemmungszustand, bei dem sowohl Körper wie Seele nicht der Entwicklung des Menschen gefolgt sind, die wir seinem Alter nach von ihm erwarten“ (Levy-Lenz, Ludwig (1931): Hexenkessel der Liebe. Ein Querschnitt durch Erscheinungsformen menschlichen Geschlechtslebens, Leipzig: Lykeion, S. 177).
Das Foto diente offenbar zur Illustration der vermeintlich körperlichen Komponente. So ließen sich bei „Infantilen“ „Zeichen einer Minderentwicklung am Körper feststellen, manchmal sind es die Geschlechtsteile, die ungewöhnliche Kleinheit zeigen, manchmal besteht, während sie normal sind, Zwergwuchs des ganzen Körpers. Die Körperbehaarung ist spärlich“ (ebd., S. 179). Wie an vielen Stellen früher sexualwissenschaftlicher Publikationen zeigt sich auch hier der Versuch, einerseits die Vielfältigkeit menschlicher Sexualität auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu kategorisieren, sie gleichzeitig aber auch an den Körper zu binden und damit zu essentialisieren.