In addition to the technically required cookies, our website also uses cookies for statistical evaluation. You can also use the website without these cookies. By clicking on "I agree" you agree that we may set cookies for analysis purposes. You can see and change your cookie settings here.
Feldpostbriefe von Paul Vietmeier an seine Familie (v.a. adressiert an seine Mutter Sophie)
[S 1] 08 Nachlass Vietmeier (Müller, Sägewerk Brake) >> 1.0 Korrespondenz >> 1.1 Feldpostbriefe >> 1.1.1 Erster Weltkrieg
1915
Enthält: 1. 1.15 P. an Fritz: Karte
erinnert an seine Lebensversicherung.
1. 1.15 P. an Mutter: Brief, Tonernes (?)
hat bei Weihnachtsfeier eisernes Kreuz verliehen bekommen
"Liebste Mutter! Gestern abend hatten wir unsere Weihnachtsfeier. Unter strahlendem Lichterbaum bekam ich das eiserne Kreuz. Der Abend wird mir unvergeßlich bleiben. Wir hatten einen schönen großen Saal festlich geschmückt & spielte bei uns ein Teil der Regimentskapelle. Erst war die Feier ernst aber allmählich wurden wir bei Wein, Glühwein & Bier warm & mit brausendem Hurra & Deutschland, Deutschland über Alles ging es in das neue Jahr. Aber was wird es uns bringen? Heute morgen war ich zur Kirche & hielt der Pfarrer eine sehr schöne Predigt. Wir wollen auf Gott vertrauen & uns in seinen Willen fügen. Hoffen wir, daß es siegreich wie das vergangene bleibt & wir darin einen ruhmreichen Frieden schließen."
4. 1.14 P. an Mutter: Brief
dankt für Pakete u. Post; Nachricht bekommen, daß Walter zu Sievert & Theopold kommt; berichtet von Arbeit im Schützengraben: Dammbruch, Einsatz von Pumpen; teilt sich Höhle mit einem Freiwilligen, der bei Otto Schüler war; wegen steigendem Wasser wohl neuer Höhlenbau erforderlich.
"Um meine Hose etwas zu schonen, habe ich von einer alten Unterhose die Beinlinge abgeschnitten & über Stiefel & Hose gezogen."
6.1.15 P. an Fritz: Brief
beschreibt eine Nacht im Schützengraben
"Es regnete herrlich. Um 10 Uhr ging der Mond auf & hatten wir eine schöne, klare Nacht. Wir machten Feuer im Graben & dann ging das "Spinnen" los. Unter Spinnen verstehen wir erzählen, lügen, aufschneiden. Viel wird sich von der aktiven Dienstzeit erzählt, Soldatenbräute & anderes muß herhalten. Man malt sich auch mal aus, wie man in einem regelrechten Bette schläft & denkt nach, wie lange es schon her ist, daß man mal richtig geschlafen hat. Derbe Witze werden erzählt & ab und zu wird einer gesungen. Zu Rauchen haben wir meistens was & fleißig wird der "Stuckel" gesogen & Kaffee oder Tee gekocht. Stuckel nennen wir unsere kurze Stummelpfeiffe. Im erzählen spiele ich gewöhnlich am Schluß mit einem Gewalt-Trumpf aus, der mir dann die ganze Bande auf den Hals lockt. Dann muß sich mein armer roter Vollbart viel erzählen lassen, aber gewöhnlich bekomme ich die Lacher doch wieder auf meine Seite. Ab & zu schießen wir mal ein paar Schuß nach den Engländern herüber, damit sie auch merken, daß wir noch wach sind. So geht die lange Nacht schnell vorüber. ( . . . ) Gleich werde ich meinen Dauerratz machen. Ratzen nennen wir schlafen. Es bilden sich hier überhaupt eine Menge Spezialwörter aus."
7.1.15 P. an Mutter: Karte
Dauerregen, naße Höhle, aber sonst zufrieden. 10. 1.15 P. an Mutter: Brief
für 4 Tage Ruhe, aber in Alarmbereitschaft "Es ist jetzt mittag & sitze ich (in) einer französischen Küche & trinke eine Schale dünnen Mokka, dabei spielt gerade die Reg.Kapelle der 158 einen Marsch nach dem ändern."
war vorletzte Nacht im Schützengraben ins Wasser gefallen u. mußte noch 2 Tage in den nassen Sachen aushalten, hat aber keinen Schnupfen bekommen.
"(. . . ) Gott strafe England, lautet unser Gruß, & Gott strafe es, lautet der Dank. Das Freude & Leid so nahe beieinander liegen können, hätte ich nie geglaubt. Hart & rauh ist man geworden, aber wenn wir von Lieben & Leben uns erzählen, dann kommt es wie ein Rausch über einen & man möchte was Liebes in die Arme schließen, aber wie weit, wie weit liegt das goldene Leben hinter einem & über die Zukunft zerbrechen wir uns hier nicht die Köpfe.-"
12. 1.15 P. an Fritz: Brief
ermahnt ihn nochmals, mit allen Kunden abzurechnen "Sei auch immer auf Deinen Vorteil bedacht & berechne Deine Unkosten genau. (...)
An unbekannte Kunden verkaufe nur gegen Barzahlung. Gerade in dieser Zeit geht mancher schnell bankrott. Vergiß ja das regelmäßige Anschreiben nicht. Hast Du das Sparkassenbuch von Langenholzhausen schon wieder eingelöst? Wenn Du jetzt wenig Holz gekauft hast müßte eigentlich ziemlich viel Geld flüssig werden. Wir haben doch voriges Jahr viel gekauft & bezahlt & muß jetzt das Geld doch einkommen. Wenn es geht, löse von der Braker Sparkasse Mutters Sparkassenbücher ein, oder bezahle wenigstens etwas zurück. Je besser ist nachher unser Kredit, oder ich weiß ja doch noch nicht wie es mir ergeht, Deiner. Solltest Du aber wirklich mal ein gutes Geschäft machen können, & brauchst Geld, so nimm nur meine Sparkassenbücher. Das Holzgeschäft wird auch später noch besser gehen, denn die Möbelindustrie wird nach dem Kriege sehr viel zu tun haben."
läßt Dank an Minna ausrichten, die mehrfach geschrieben habe.
13. 1.15 Paul, Sanerms an Mutter: mahnt, daß Fritz bevor er eingezogen würde, mit allen Kunden vom vorigen Jahr abrechnet und so Buch führt, daß Johanna oder sie durchfinden könnten;
"Dann darf er sich zu keiner Lieferung mehr verpflichten, die ohne ihn nicht gemacht werden kann." Fritz Freitag und August Bellmer würden dann weiterarbeiten können. Walter könne sofort nach Hause kommen, könne zum 1. April, wenn Fritz nicht eingezogen würde, zu Sievert & Th. gehen (Lehre?).
"Freitags Fritz weiß sowieso ja fast um alles bescheid & was nicht gemacht werden kann, bleibt eben liegen." Hauptsache sei es jetzt für alle, "daß sie ihre Pflicht dem Vaterland gegenüber tun."
14. 1.15 P. an Mutter: Karte
bittet um Strümpfe; es müßten nicht immer neue sein
17. 1.15 P. an Mutter: Brief
klagt über Eintönigkeit
"Nacht auf Nacht stehen wir auf Posten & horchen in die Finsternis hinaus & ein feindlicher Angriff war vielleicht eine Abwechslung oder auch der Tod. Aber daran denkt man nicht.(...) bis es vielleicht mal heißt, fertig zum Sturm & jauchzend geht's in Sieg und Tod. -"
20.1.15 P. an Mutter: Karte
21.1.15 P. an Fritz: Karte
21.1.15 P. an Mutter: Karte
Paket v. Gem. Brake bekommen; Verpflegung f. Komp. besser geworden.
22.1.15 P. an Mutter: Brief
hat Stiefel seit Anfang Dez. nicht mehr ausgezogen; Weihnachtspaket v. d. Kriegsfürsorge d. Gem. Brake mit Braker Wurst; hat als Dank mit Hilfe eines Schauspielers ein Dankgedicht geschrieben.
23.1.15 P. an Walter, Detmold, Fa. Gees, Kolonialwaren: Karte
W.s Geburtstag 23. 1.15 P. an Fritz: Karte
26.1.15 P. an Mutter: Brief
bittet um Strümpfe alle 2-3 Wochen, sie sollte kürzere stricken; ebenfalls um Insektenpulver.
27.1.15 P. an Fritz: Karte
28.1.15 P. an Mutter: Karte
30. 1.15 P. an Mutter: Brief
machen nachts Brennholz für Ofen in der Deckung; brechen Häuser aus erorbertem Terrain ab. "Kaisersgeburtstag haben wir uns Glühwein gebraut & schössen uns die Engländer mit Granaten & Schrapnells die Musik dazu. Wir hatten des Mittags ein gewaltiges Hurra ausgebracht & haben sie vor Wut wohl so lebhaft auf uns geschossen. Schaden haben wir aber dabei nicht erlitten & uns wenig darein gekehrt." erinnert nochmal daran, daß Fritz Bücher in Ordnung bringen soll, für den Fall, daß er felddienstfähig geschrieben würde.
31. 1.15 P. an Mutter: Karte
1.2.15 P. an Mutter: Brief
kleine Wäsche gehalten, was nicht nach seinem Geschmack ist; hat Knieschoner erhalten, benötigt keine Kälteschutzmittel mehr, dafür monatlich Strümpfe; hat Sohn v. Ferd. Bubenhausen getroffen, der sich von Eisenbahnern zur Infanterie versetzen lassen hat; Geschenke (Zigarren) von W. Kaufmann, Brake u. Adolf Zeddies, Grohnde
"Man muß sich doch freuen, daß Leute, die man fast vergessen hat, jetzt an einen denken." Kuchen von Carola Lücke, die er jetzt sogar duzt.
2.2.15 P. an Mutter: Brief, Beaucamps
Foto v. P. aus dem Felde an Brüder Otto, Willi u. Ernst geschickt; Geburtstagskarte an Fritz mit seinem Bild geschickt
"Das Wetter ist hier viel launenhafter, als bei mir früher die Mädchen." sind noch bis Ende der Woche dort stationiert.
2.2.15 P an Fritz: Karte
4.2.15 P. an Mutter: Ansichtskarte, Lille
ist die nächsten 3 Wochen in Beaucamps als "Rekrutenbändiger".
5.2.15 P. an Mutter: Brief
Rekrutenausbildung:
"Wir liegen mit 85 Mann auf einem Saal in einem großen Klafte. Es geht vollständig kasernenmäßig zu. Um 9 Uhr liegt alles im Stroh & des Morgens gegen 6 Uhr wird ge-weckt. Des Morgens 5 Stunden Dienst & des Nachmittags abermals 3-4 Stunden. Morgens & abends Kaffee & Brod & mittags wirkliches heißes Essen. Wir Gefreiten sind natürlich von allen Arbeitsdienst ausgeschlossen & haben wir nur für Ordnung & Reinlichkeit aufzukommen. Na, Befehlen kann ich ganz gut. Großen Spaß habe ich gerade nicht daran. Im Schützengraben ist man freier & hat ein ungebundenes Leben. Aber es wird dem Körper jedenfalls mal sehr gut tun, regelmäßig essen & schlaf zu erhalten ."
7. 2.15 P. an Mutter: Karte
klagt über Langeweile, im Schützengraben mehr Abwechslung.
9. 2.15 P. an Fritz: Karte
möchte gerne Lilie besuchen 10. 2.15 P. an Mutter: Brief
seit 23.8.14 nicht mehr ausgekleidet in einem Bett geschlafen; erinnert sich an Zeit bei Reims, wo er vor Hunger nicht schlafen konnte.
12.2.15 P. an Walter: Ansichtskarte, Lille
grüßt Lina Meier in Detmold.
13.2.15 P. an Mutter: Brief
gewöhnt sich nur langsam daran durchzuschlafen, weil Rhythmus aus Schützengraben gewohnt; über Rekruten: "Es sind fast lauter Polen & Elsässer & werde ich wohl von allen Gefreiten der Beliebteste sein. Ich habe nämlich keinen Spaß mehr, die Hammels anzuschnauzen & zu trietzen & gehorchen sie mir doch am besten. Meine Ruhe & mein roter Bart scheint Ihnen mächtig zu imponieren & da wir sehr viel ältere, bis 32jährige Ersatzrekruten haben, denken sie wohl, ein so alter Soldat wie ich, könnte ihnen schon befehlen. Das ich erst 22 Jahre alt bin, glaubt mir doch keiner."
erwägt Möglichkeit, daß auch Walters Jahrgang eingezogen würde.
16.2.15 P. an Martha Vietmeier, Lippstadt: Karte
17.2.15 P. an Mutter: Brief
hat Pakete erhalten, u. a. v. Minna Witte; bittet um Fenchelöl gegen Ungeziefer berichtet von Besuch in Vorstadt v. Lilie "großstädtisches Treiben & habe ich mich sehr gewundert, daß so dicht hinter der Front ein solches Leben herrschen kann."
20. 2.15 P. an Mutter: Brief
seit Monaten wieder mal Hering zum Abendbrot gegessen "Delikatesse"; Siege in Rußland
22. 2.15 P. an Fritz: Karte
24. 2.15 P. an Mutter: Karte
dankt für Handtuch, das er gut gebrauchen könne, freut sich über Erfolge in Rußland,
"über 100000 Gefangene will doch was heißen."
26.2.15 P. an Mutter: Brief, Beaucamps
sendet Foto mit
"Wenn ich selbst das Bild ansehe, weis ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, als 22jähriger kann ich eigentlich doch nicht so alt aussehen."
Abendessen: Kartoffeln, Schweinekotlett und deutsches Bier; Beerdigung von Toten bei der Kirche v. Beaucamps, "Leider werden fast täglich einer oder auch mehere zu ewigen Ruhe gebettet. Tote, auch wenn sie monatelang draußen gelegen haben, kann ich ohne Grauen sehen, aber die dumpfen Trauermärsche unserer Regts.-Kapelle gehen durch Mark & Bein. Achtung, präsentiert das Gewehr & langsam sinkt nieder ein Held in die Grube & gleichzeit-zig schwören die lebenden Kameraden Rache & treues Aushalten bis zum Siege oder auch zum Tode."
27.2.15 P. an Fritz: Bildpostkarte "Underberg-Serie XIII.3
"Vorgehende Artillerie bei Soissons" (Maler: W. Kiesslich)
4. 3.15 P. an Mutter: Brief
Aufstellung seiner mitgemachten Schlachten, Gefechte, Stellungskämpfe u. Belagerungen (auf Grundlage d. Reg.tagebuches)
14.-16.8.14 Belagerung v. Fort de Holleque/Einnahme v. Lüttich
23.8. Gefecht bei La Garde-Collamont/Schlacht b. d. Übergang d. Sambre in Belgien
24.8. Gefecht bei Lars-La-Buziers
25.8. Gefecht bei Fontaine-Valmont
26.8.-7.9. Belagerung v. Maubeuge
12.9. Gefecht bei Vanteley (Aisne)
13.9.-16.9. 3tägiges Gefecht b. Ferme St. Marie
19.9.-4.10. Gefechte auf Höhe u. b. Loivre/ Schlacht bei Reims und Stellungskampf im Schützengraben
8.10.-19.11. Gefecht b. Souchez u. Erstürmung d. Kapelle Notre Dame de Larette (südwestl. v. Arras) und Stellungskampf
22.11.-17.12. Gefecht bei Fouquet u. Radinghem; Stellungskampf
20.12.-30.12. Gefecht b. La-Bassee u. Erstürmung v. Givenchy bei La-Bassee
2.1.15-heute Stellungskampf bei Fouquet
bittet darum, diesen Brief bei seinen an sie geschickten Tagebüchern etc. aufzubewahren
4. 3.15 P. an Fritz: Karte
7.3.15 P. an Mutter: Karte
berichtet v. Nachricht, daß er weiterhin Rekruten ausbilden soll, vermutl. als Entschädigung für noch nicht erfolgte Beförderung zum Unteroffizier, die bereits 3mal eingereicht wurde; Grund: keine Stelle frei. "In der Heimat werden die Verwundeten, die wieder zur Front müssen, fast alle befördert & wir haben hier das Nachsehen. Na, mir ist es ganz egal was ich bin, meine Pflicht tue ich doch & die Kugeln treffen den einen wie den andern." bittet um Geldsendung
8.3.15 P. an Fritz: Karte
9.3.15 P. an Mutter: Brief
hat Bart abnehmen lassen,
"... sehe jetzt wieder glatt, jung & vor allen Dingen sehr gut aus."
klagt darüber, dicker zu werden; über Flugzeugangriffe: "Vor einiger Zeit habe ich mal gesehen, wie einer gezwungen wurde, herunter zu kommen. Leider landete er zu weit weg, um hinlaufen zu können. Wenn wir einen feindl. Flieger sehen, verhalten wir uns unbeweglich oder suchen irgendwo Deckung. Den in geschlossene Abteilungen werfen sie nur zu gern Bomben & Pfeile. Wiederholt habe ich schon gesehen, wenn sie Bomben werfen & kann man die Geschosse bis kurz über die Erde sehen."
10. 3.15 P. an Fritz: Brief, Beaucamps
Angriff v. Engländern auf breiter Front; größte Alarmbereitschaft
10. 3.15 P. an Mutter: Brief, Beaucamps
rechnet damit, am 13. oder 20. abgelöst zu werden, um wieder in den Schützengraben zu kommen.
12. 3.15 P. an Mutter: Brief
warten seit zwei Tagen auf Einsatz, schlafen mit Gepäck; verweist auf Zeitungsberichte über Situation an seinem Einsatzort
13. 3.15 Paul, Beaucamps an Mutter: berichtet von Kampfhandlungen
15. 3.15 P. an Fritz: Karte
zieht morgen wieder in Schützengraben
17. 3.15 P. an Mutter: Brief
wieder zurück aus Schützengraben, bei Rekrutenausbildung "Vor ein paar Tagen schrieb ich mal, das meine Komp. arg im Gefecht sei. Wunderbarerweise haben wir keinen Mann verloren. Das Regt., wo wir zur Unterstützung waren, war von 48 Batl. Engl. angegriffen, also von ungefähr 15facher Übermacht. 2 Batl. des Regts. hielten den Anprall aus & warfen die Engl. unter fürchterlichen Verlusten zurück. Das 3. Batl. wurde erst überrannt & hatte sehr schwere Verluste. Der Rest warf mit Unterstützung die Engl. aber wieder zurück. Bei unserm Regt, haben die Engl. lange nicht angegriffen. Das letzte Mal kurz vor Weihnachten, wo am anderen Morgen allein vor einer Komp. über 400 Tote lagen. Dies haben sich die Engl. scheinbar sehr gemerkt. Kürzlich haben wir mal ein paar Engl. er-wischt, diese wollten feststellen, wo sich die Flügel unseres Reg. befanden & sagten diese aus, sie wollten in unserer Nachbarschaft & nicht wieder den 55ern in die Finger fallen." erhält gerade Befehl zum Fertigmachen; Verlegung
19. 3.15 P. an Mutter: Brief, La Molles Bericht der letzten Nacht
"Um 7 Uhr rückte ich mit einem Kommando von 12 Mann nach unsern Schützengraben, um Sachen abzunehmen. Die Sache verzögerte sich sehr & gegen 2 Uhr nachts hatte ich alles wegschaffen lassen. Da wir schon um 11 Uhr in dem 8 km entfernten F.- sein mußten, hatte ich meine Leute zur Vorsicht schon weggeschickt. Um 2 Uhr hatte ich die letzte Fuhre aufladen lassen, (es waren Handgranaten) & in rasanter Fahrt ging es unserer Truppe nach. Der Gespannführer kannte die Gegend nicht & in der entsetzlichen Finsternis mußte ich scharf aufpassen, daß ich die Richtung nicht verlor. Durch zerschossene Ortschaften, über Feldwege ging es unserem Ziele zu. Dabei mußte man immer geheime Angst haben, daß der Wagen kippte oder in die Brüche ging. Was ziemlich gleichbedeutend mit in die Luft fliegen war. Den die Handgranaten entzünden sich sehr leicht. Um 3 Uhr erreichten wir unsern Bestimmungsort & unser Batl. Meine Komp. war noch nicht da. Sie traf erst um 8 Uhr morgens ein & haben wir bis dahin auf der Straße gelegen. Es war sehr kalt & ein entsetzliches Schneegestöber. Dann marschierten wir weiter & um 1/2 11 Uhr kamen hier im Quartier & haben wir gleich bis 4 Uhr nachmittags geschlafen. Mit 11 Mann liegen wir in einem Raum, so groß wie die Speisekammer bei Euch. Morgen marschieren wir weiter & kommen wahrscheinlich für ein paar Tage in Korpsreserve."
23. 3.15 P. an Mutter: Brief
"Wir sind ungefähr noch mit 40-50 Mann, die mit der Komp. aus Detmold ausgerückt sind, alles andere Landwehr, Freiwillige & Rekruten. Als erfahrene Krieger sind wir gleichmäßig zwischen die Rekr. verteilt." über nächsten Schützengrabeneinsatz:
"Wir kommen an wichtige Punkte zu liegen & sind die meistens ziemlich gefährlich. Daß macht uns aber wenig Sorge, unser Herrgott wird schon mit uns sein."
25.3.15 P. an Mutter: Karte, Marquillier
26.3.15 P. an Johanne: Brief
über Bau von Schützengräben:
"Weil die Gegend zu flach ist, können wir das Wasser nicht aus den Gräben bringen & bauen sie deshalb den Graben über den Mutterboden. Von vorn wird die Erde aufgeworfen & entsteht dadurch gleichzeitig ein Wassergraben. Durch ungezählte Sandsäcke geben wir dem Ganzen halt & so türmen sich feste Bollwerke auf. Was des Nachts nicht auf Posten steht, muß arbeiten & so geht die Zeit sehr schnell herum. Durch den Hochbau haben wir bedeutend mehr Bewegungsfreiheit & können uns ziemlich sicher hinter den Brustwehren bewegen. Augenblicklich sitze ich vor meiner Hütte & schreibe. Ein großer Tisch mit Stühlen bietet uns großen Komfort & fühle ich mich ganz mollig hier. Allerdings erinnert einen das ununterbrochene Zischen der Granaten über einen daran, das es bitterer ernst ist. Sobald wir selbst unter Feuer genommen werden, verfügen wir uns schleunigst in unsere Höhlen & muß man dann mit Geduld & Ruhe abwarten, was es gibt. Angenehm ist es nicht, wenn die Granaten näher & näher kommen & man kann sich nicht wehren. Verluste treten selten, aber doch oft genug auf, um fühlbar zu werden ."
27.3.15 P. an Fritz: Farbpostkarte "Reichsmarineluftschiff. Wacht an deutscher Ostseeküste, n. Gemälde v. Hans Rudolf Schulze, Berlin. - Deutscher Luftflotten-Verein (Werbung für Vereinsbeitritt)"
28.3.15 P. an Mutter: Brief
liegen bei einem zerstörten Dorf, hausen in einer Ruine "Bei einem Angriff der Engl. haben wir Alarm zu schlagen & müssen ohne Rücksicht auf uns solange feuern, bis wir sicher sind, das der Graben völlig bereit ist & können uns dann zurückziehen. Sobald das Feuer von hinten aufgenommen ist, kann ich mit meinen Leuten auf einem bestimmten Wege zurück gehen. 24 Stunden liege ich hier (...). In einen Keller haben wir uns etwas Stroh geschleppt & alles verhängt, damit kein Lichtschein nah außen dringt. Es ist unheimlich düster zwischen den Trümmern einstigen Lebens & Ratten & Eulen hausen hier in großer Anzahl. Ein Segen ist es doch, das der Krieg in Feindesland ist. Wenn man hier einst blühende Städte & Dörfer in Schutthaufen & dazwischen Grab an Grab sieht, versteht man erst so recht, was Krieg bedeutet. Von den letzten Kämpfen liegen hier noch Tote herum & wie Diebe schleichen wir uns heran, nur um unsere Kameraden beerdigen zu können & muß selbst noch bange sein, dabei niedergeschossen zu werden. 3 Bayern haben wir diese Nacht schon begraben."
30. 3.15 P. an Mutter: Brief
Ablauf einer Nacht im Schützengraben:
"Wir Gruppenführer müssen zu unseren Zugführern, (einem Off. Stellvertr.) & empfangen Befehle für die Nacht. Bekommen auch oft eine Zigarre, einmal eine wirkliche, andermal eine von der Sorte, die absolut nicht schmecken. Sind wir hier entlassen, dann teilen wir unsere Gruppe ein. Posten, Essen-, Brot-, Post- & Holzholer. Und dann kommt abend für abend der berüchtigte Befehl, die Nacht wird durchgearbeitet. Da müssen die Brustwehren verstärkt werden, Unterstände gebaut, Drahtverhaue angelegt & wer weiß was alles. Wir haben 6 Gruppen im Zuge & lösen sich die Gruppenführer die nacht hindurch mit Dienst ab. Wenn man Dienst hat, ist man verantwortlich für die richtige Anzahl Posten. Gleichzeitig muß man das Arbeiten überwachen. Um 48 Mann bei nacht zu überwachen, ist sehr schwer. Wenn man die Posten & Arbeiter zählt, fehlen die Arbeiter (...). Wirft man die Drückeberger dann aus den Unterständen heraus, laufen einem die ändern inzwischen wieder weg. Aber da die Nächte wunderbar hell & klar sind, macht es trotzdem viel Spaß. (...) Bis 12 Uhr nachts werden Sachen empfangen & wenn man dann noch Dienst hat, ist es mit dem Schlafen vorbei. Von 4 Uhr ab steht die ganze Komp. fertig zum Schuß im Graben. Die Morgenzeit ist die Gefährlichste. Um 6 Uhr ist es hell & dann ziehen die Tagesposten auf." über Verpflegung:
"Des Abends zwischen 8 & 11 Uhr haben wir warmes Essen von der Feldküche. Weil das Gemüse selten wird, gibt es meistens Reis oder Graupen. Auch öfter Erbsen & Bohnen, die sehr gern gegessen werden. Oft gibt es Sachen, für die wir keinen Namen wissen, man kann sie aber essen. Außerdem gibt es Tee, Kaffee oder Kakao, die wir uns selbst kochen, dazu reichlich Zucker & auch Schmalz, Käse & Speck. Die letzten Tage gab es sehr wenig Brod. (...) Es gibt dann allerdings noch Zwieback, den ißt man sich aber sehr schnell leid & sättigt auch nicht gut."
1. 4.15 P. an Fritz: Brief
hat Edwin Kemper wiedergetroffen; berichtet über weitere entfernte Bekannte aus Brake u. Lemgo; bittet um Taschenmesser u. Fenchelöl
3.4.15 P. an Fritz: Karte, Ferme (?)
4.4.15 P. an Mutter: Brief
klagt über Ratten u. Läuse; berichtet von Angriff: "Gegen 4 Uhr schlug eine Granate in unseren Hof & wurde von der Wache ein Mann getötet & ein weiterer schwer verwundet. Ersterem habe ich die Sachen abgenommen & die Augen zugedrückt. Das Letzte, was ich ihm & seinen Angehörigen zu Liebe tun konnte. An einem solchen Tag wie heute darf man gar nicht darüber nachdenken. Es mag hart & grausam erscheinen, aber jetzt erzählen wir uns schon wieder die lustigsten Geschichten. Wenn es einem auch schwer fällt, Kopf hoch & eine zuverischtliche Miene aufgesetzt, man richtet dafurch die schwachnervigen wieder mit auf. Es ist Kriege & damit muß man sich abfinden ."
5.4.15 P. an Mutter: Brief
"In den letzten 8 Tagen hat meine Komp. 3 Tote & 3 Verwundete. Oft treten wochenlang keine Verluste ein & dann wieder auf einmal."
"Wie du ja weißt, bin ich früher auch viel allein gewsen & kann es auch heute noch ganz gut aushalten."
6.4.15 P. an Fritz: Karte
8.4.15 P. an Mutter: Karte
9.4.15 P. an Mutter: Brief
10.4.15 P. an Johanne: Karte
über gegenseitige Besuche im Schützengraben: "Den ganzen Tag bekomme ich Besuch & von Zeit zu Zeit muß man welche herauswerfen, sonst wird es zu langweilig. Du siehst also, wir besuchen uns hier, als hätten wir stets Sonntag."
11.4.15 P. an Fritz: Karte
o. D. P. an Johanne: Karte
o. D. P. an Fritz: Karte
Ende 12.14 P. wohl an Johanne: Karte (1. Karte oder Brief dazu nicht erhalten)
Willi Carell gestern durch Granatsplitter schwer verwundet; ältester Sohn v. Zimmermeister Heitmeier durch Kopfschuß getötet.
Archivale
Information on confiscated assets
Further information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.