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A Rep. 003-04-14 Städtisches Krankenhaus Am Friedrichshain (Bestand)
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Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> A Bestände vor 1945 >> A 2 Magistrat der Stadt Berlin >> A 2.4 Nachgeordnete städtische Behörden und Einrichtungen >> A Rep. 003-04-ff. Städtische Krankenhäuser sowie Heil- und Pflegeanstalten
1914 - 1945
Vorwort: A Rep. 003-04-14 Städtisches Krankenhaus Am Friedrichshain
1. Krankenhausgeschichte
In Berlin wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhundert alle städtischen Fürsorge-Kranken in der königlichen Charité untergebracht und behandelt. Der Kaufmann/Bäckermeister ? Jean Jacques Fasquel schenkte 1864 der Stadt Berlin 50.000 Taler zur Errichtung eines Krankenhauses und hatte mit seinem bis 1868 befristeten Legat die Stadtväter unter sanften Zeitdruck gesetzt. Die Stadtverordneten beschlossen darauf hin Anfang 1868 den Bau des ersten städtischen Krankenhauses. Das für 600 Betten ausgerichtete Krankenhaus wurde nach einem Projekt der Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden und unter fachmännischer Beratung des Stadtverordneten Prof. Rudolf Virchow in Pavillonstil in sechsjähriger Bauzeit vollendet. Den natürlichen Heilfaktoren Licht und Luft wurden damit größeren Raum gegeben. Die ersten Patienten zogen im Oktober 1874 ein, es standen 620 Betten in 12 Pavillons zur Verfügung. Weitere Bauten wurden errichtet: 1881 ein Operationshaus, 1885 ein Diphtheriepavillon. Seit 1898 gab es eine Röntgeneinrichtung. Weitere Bauten, wie z.B. eine Desinfektionsanstalt, ein neues Leichenhaus und ein Eiskeller, wurden errichtet. Das Pflegerinnenhaus wurde zur Chirurgischen Poliklinik umgebaut.
Als sich ab 1908 die Diphtherie erneut stark ausbreitete, wurde einer der beiden alten Infektionspavillons umgebaut. Man legte eine Quarantäneabteilung mit 61 Betten an und errichtete einen Pavillon mit 56 Betten. Zusätzlich wurden drei Operationssäle und neue Räume für die Röntgenabteilung geschaffen. Die letzten großen Erweiterungen des Krankenhauses vor dem Ersten Weltkrieg waren Personalwohnhäuser. Allerdings wurden sie bereits ab Dezember 1914 zweckentfremdet, weil man sie als Übergangslazarette nutzte. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Bettenkapazität auf 1060 gesteigert worden.
1924 übernahm der Bezirk Friedrichshain die Verwaltung des Städtischen Krankenhauses. Zur Erweiterung wurden die Kinderstation und die Tbc-Station errichtet sowie die Inneren Häuser und das Chirurgische Haus ausgebaut. Mit dem Neubau der äußeren und inneren Frauenstation konnten nun 200 Betten zur Verfügung gestellt werden. Neue chemische und bakteriologische Laboratorien unterstützten die Ärzte und Ärztinnen bei der Diagnostik. Den Mitarbeitern im Krankenhaus im Friedrichshain gelang es neue Behandlungswege zu etablieren. Es wurden eine Behandlungsstelle für "ungezieferkranke Schulkinder", eine Lungenfürsorgestelle, eine Ambulanz für Haut- und Geschlechtskrankheiten, eine Fürsorgestelle für Körperversehrte ( Krüppelfürsorgestelle) und eine Schutzimpfstelle für gefährdete Angehörige stationär behandelter Diphtherie-Kranker geschaffen.
Im Oktober 1933 benannte man das Krankenhaus in Horst-Wessel-Krankenhaus um. Horst Wessel war ein von den Nationalsozialisten als Märtyrer inszenierter SA-Sturmführer, der 1930 niedergeschossen wurde und im Krankenhaus im Friedrichshain verstorben war.
Dienstblatt Teil VII Nr. 193 vom 02.06.1933 Umbenneung des Krankenhauses im Friedrichshain in Horst-Wessel-Krankenhaus auf Antrag des Bezirksamtes Friedrichshain
Aufgrund des starken Anstiegs von Unfällen mit den sich massenhaft in Berlin ausbreitenden Autos und damit einhergehenden Unfällen und Knochenbrüchen wurden immer mehr Operationen nötig. Das Krankenhaus richtete 1938 einen neuen Operationspavillon ein, der zu den modernsten in Berlin gehörte.
1941 verfügte das Krankenhaus über die planmäßige Bettenzahl von 1105 Betten. Die Leitung hatten die Ärztlichen Direktoren Prof. dr. von Domarus und Dr. berndt sowie der Verwaltungsdirektor Nörenberg inne. Am Standort Landsberger Allee 159 standen die I.-III. Innere Abteilung , die I.-II. Äußere Abteilung sowie die Röntgenabteilung, Patholgische Abteilung, Bakteriologische Abteilung, Chemische Abteilung, eine Apotheke, die Chirurgische Poliklinik sowie der Blutspendernachweis für die medizinische Versorgung im Verwaltungsbezirk zur Verfügung. In der Staalich anerkannten Krankenpflegeschule wurden 85 Lernschwestern ausgebildet.
1942 wurde das Krankenhaus im Friedrichshain erstmals durch die Bombardierung durch die Alliierten getroffen. Bis Kriegsende war das Krankenhaus von der Zerstörung zu großen Teilen gekennzeichnet. Die Bettenkapazität von 1.260 vor dem Krieg halbierte sich in den Kriegsjahren. Noch notdürftig konnten knapp 600 Betten, die zum Teil in Korridoren und im Keller stehen, genutzt werden.
Nach Kriegsende 1945 wurde das Städtische Krankenhaus am Friedrichshain neu aufgebaut und erweitert.
Im Oktober/November 2009 erhielt das Landesarchiv Berlin von der VIVANTES-Krankenhaus am Friedrichshain, Bereich Pathologie die Sektionsbücher aus der Prosektur des Krankenhauses Friedrichshain. Zum Verbleib der Unterlagen des ehemaligen Verwaltungsarchivs des Städtischen Krankenhauses am Friedrichshain konnten von Seiten der VIVANTES GmbH keine Informationen mitgeteilt werden.
2. Bestandsgeschichte
Der Bestand umfasst 96 Akten (12,60 lfm) mit der Laufzeit 1914-1945. Er beinhaltet v.a. Sektionsbücher aus dem Bereich der Prosektur / Pathologie. Dies sind vier Bücherserien: Sektionsberichte, Sektionsprotokollbücher (Nr., Name, Klinische Diagnose, Anatomische Diagnose, Äußeres, Extremitäten, Brusthöhle, Bauchhöhle, Kopf, Rückenmark), Sektionsdiagnosebücher (Sektionstag, Name, Klinische Diagnose, Hauptkrankheit/Todesursache) und Diagnosebücher (Station, Aufnahme-Nr., Aufnahmetag, Name, Beruf, Geburts- und Sterbetag, Uhrzeit, Klinische Diagnose, Anatomische Diagnose, Beerdigungsdatum, Friedhof, Sektionszeichen). Eine Fundsache betr. Tätigkeit des Verwaltungsdirektors Nörenberg rundet den Bestand ab (LAB Rep. 205 Acc. 1642 Nr. 1).
Die Akten wurden im November /Dezember 2009 mit der Software Augias.Archiv 8.3 erfasst und sind nun über die Datenbank und Findbuch zugänglich.
Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesarchivs.
Der Bestand wird wie folgt zitiert: Landesarchiv Berlin, A Rep. 003-04-14 Nr. ... .
3. Korrespondierende Bestände
A Rep. 000-02-01 - Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin
A Rep. 001-02 - Magistrat der Stadt Berlin, Generalbüro
A Rep. 001-06 - Magistrat der Stadt Berlin, Personalbüro
A Rep. 013-04-05 - Magistrat der Stadt Berlin, Kriegsversorgungsstellen - Abteilung für Seifenversorgung
C Rep. 746 - Krankenhaus Am Friedrichshain
F Rep. 251-02 - Postkartensammlung Landesarchiv bis 1990
F Rep. 270 - Allgemeine Kartensammlung
F Rep. 290-08 - Fotoalben
4. Literatur- und Quellenverzeichnis
100 Jahre Krankenhaus im Friedrichshain. - Selbstverlag Berlin 1974
Denkschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens des Krankenhauses im Friedrichshain zu Berlin 1874-1924. - Berlin 1924
Engel, Helmut: Der Zeitgeist, die Gesundheit und die frische Luft das Krankenhaus im Friedrichshain als Kulturdokument. - Berlin 1999
Gabriel, Lutz: Die Gründungs- und Baugeschichte des ersten städtischen Krankenhauses Berlin im Friedrichshain in den Jahren 1860-1875, Humboldt-Universität Berlin, Medizinische Fakultät, Diss. 1970, S. 95.
Höhne, Stephan: Die Rolle der Architektur im Krankenhausbau Die bauliche Erweiterung des Krankenhauses im Friedrichshain als ganzheitliches Ensemble. - Berlin 1999
Krankenhaus im Friedrichshain 125 Jahre. - Berlin 1999
Städtisches Krankenhaus im Friedrichshain Archivordnung für das Verwaltungsarchiv. - Selbstverlag Berlin 1982
Stürzbecher, Manfred: Einige Bemerkungen zur älteren Geschichte der Apotheke des Städtischen Krankenhauses im Friedrichshain. - Berlin 1999
Stürzbecher, Manfred: Hundert Jahre Städtisches Krankenhaus Friedrichshain ein Beitrag zu seiner Geschichte. - Berlin 1975
Thomas, Gertraud: Zur Geschichte der Apotheke des Krankenhauses im Friedrichshain.- Berlin 1999
Will, Michael: Archivalische Quellen und Literatur zur Geschichte des Städtischen Krankenhauses im Friedrichshain in Berliner Archiven und Bibliotheken. - Selbstverlag Berlin 1993
Wolf, Jörn Henning: Medizinhistorische Streiflichter auf die inwendigen Facetten der 125-jährigen Krankenhausgeschichte im Berliner Friedrichshain. - Berlin 1999
Berlin, Juni 2017 Kerstin Bötticher
Ludwig Pick, geboren 1868, war einer der berühmtesten Pathologen seiner Zeit. Er leitete die Pathologie des Krankenhauses im Friedrichshain von 1906 bis 1933. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er drangsaliert und schließlich 1933 zunächst degradiert und später schließlich ganz von der Arbeit im Krankenhaus ausgeschlossen. Ludwig Pick starb 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt. Im Jahr 2000 wurde eine Straße in Berlin-Friedrichshain nach ihm benannt, es gibt auch einen Stolperstein - einen der zahlreichen bronzenen Gedenksteine auf Fußgängerwegen in Berlin. * Simmer, Hans H.: Der Berliner Pathologe Ludwig Pick (1868-1944). Husum 2000. S. 137, S. 273 ff.
Bestand
Verwandte Verzeichnungseinheiten: A Rep. 000-02-01 Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin
A Rep. 001-02 Magistrat der Stadt Berlin, Generalbüro
A Rep. 001-06 Magistrat der Stadt Berlin, Personalbüro
A Rep. 013-04-05 Magistrat der Stadt Berlin, Kriegsversorgungsstellen - Abteilung für Seifenversorgung
C Rep. 746 Krankenhaus Am Friedrichshain
F Rep. 251-02 Postkartensammlung Landesarchiv bis 1990
F Rep. 270 Allgemeine Kartensammlung
F Rep. 290-08 Fotoalben
Zugangsbestimmungen: Einige Akten sind aufgrund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es gesonderter Zustimmung des Landesarchivs.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
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