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Brot für die Welt in der DDR (Bestand)
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Archiv für Diakonie und Entwicklung (Archivtektonik) >> Zentrale und übergeordnete Organisationen >> Diakonisches Werk der Ev. Kirchen in der DDR
1958-1991
Die Aktion Brot für die Welt konzentrierte sich auf Sofort- und Katastrophenhilfe, die in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz der DDR geleistet wurde.
Vorwort: Die Aktion „Brot für die Welt“ nimmt innerkirchlich wie auch ökumenisch einen besonderen Rang im Leben der evangelischen Christenheit in Deutschland ein.
Die Entwicklung begann im Jahre 1959 in Berlin. Der Leiter der Berliner Stelle des Werkes „Innere Mission und Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“, Dr. Christian Berg, war zusätzlich mit der Leitung der ökumenischen Abteilung der Hauptgeschäftsstelle dieses Werkes betraut worden. Angeregt von der katholischen Hilfsaktion „Misereor“, legte er dem Präsidenten des Werkes ein Memorandum mit dem Vorschlag vor, sogleich an die Vorbereitung einer gleichgerichteten Aktion im deutschen Protestantismus zu gehen. Der Rat der EKD und die Freikirchen stimmen Ende Juli 1959 der geplanten Aktion zu, die damit die oberste kirchliche Autorisierung erhielt. Die Hauptgeschäftsstelle des Werkes „Innere Mission und Hilfswerk“ wurde um die Vorbereitung und Durchführung dieser Aktion gebeten. Die Aktion, die auf Vorschlag Bergs den Namen „Brot für die Welt“ erhielt, war ins Leben gerufen und begann in der Weihnachtszeit 1959 ihre Tätigkeit (siehe dazu: Berg, Die Entstehung der Aktion „Brot für die Welt“ in Berlin 1959, in: Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte 53 [1981],173-184).
Entwicklung in der DDR
Durch gemeinsame Verhandlungen autorisierte Vertreter der westlichen und östlichen Gliedkirchen der EKD und Freikirchen gelang es von vornherein, die Aktion „Brot für die Welt“ auch im Bereich der DDR durchzuführen. In Vorbereitung der ersten Aktion im Jahre 1959 übertrug die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens ihrem Oberkirchenrat Ulrich von Brück den Vorsitz eines neu gebildeten landeskirchlichen Ausschusses (von Brück an „Innere Mission und Hilfswerk“, Berliner Stelle, 11.09.1959, ADW, BfdW DDR 1).
Der Rat der EKD setzte einen Verteilerausschuss ein, dem aus dem Bereich der DDR Präses Lothar Kreyssig, Missionsdirektor Gerhard Brennecke und Oberkirchenrat von Brück angehörten. Seit 1961 waren diese Ausschussmitglieder bevollmächtigt, im Blick auf das Aufkommen der Aktion „Brot für die Welt“ im Bereich der DDR zu handeln (von Brück an Bischof Johannes Jänicke, 04.04.1964, ADW, BfdW DDR 5). Als Leiter dieses Teilausschusses, der sich allmählich immer mehr verselbständigte, wurde von Brück zum Hauptverantwortlichen der Aktion „Brot für die Welt“ im Bereich der DDR. Bei seinem Bemühen um eine sinnvolle und gezielte Verwendung der Spendengelder musste er jedoch starke Einschränkungen in Kauf nehmen. Der Staatssekretär für Kirchenfragen, Werner Eggerath, erklärte in einem Brief vom 13.07.1960 an den thüringischen Bischof Moritz Mitzenheim, dass das Deutsche Rote Kreuz der DDR berufen sei, die gesammelten Gelder nach entsprechender Vereinbarung mit autorisierten Vertretern der Evangelischen Kirchen in der DDR ihrer Zweckbestimmung zuzuführen (ADW, BfdW DDR 1).
Die Schwerpunkte der Aktion „Brot für die Welt“ konzentrierten sich im wesentlichen auf Sofort- und Katastrophenhilfe, medizinische Hilfe zur Selbsthilfe. In den ersten 20 Jahren (1959-1979) konnten aus dem Bereich „Brot für die Welt“ DDR mehr als 450 Sendungen in über 60 Länder gehen.
Mit Zustimmung der Konferenz der Kirchenleitungen, des Präsidiums der Evangelischen Freikirchen in der DDR und des Hauptausschusses des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchen in der DDR wurden 1978 Leitsätze für die Arbeit der Aktion „Brot für die Welt“ der Evangelischen Landes- und Freikirchen in der DDR und eine Geschäftsordnung für den Verteilerkreis der Aktion beschlossen. In den Leitsätzen wurde unter anderem festgelegt, dass die Aktion „Brot für die Welt“ vom Bund der Ev. Kirchen in der DDR und den Evangelischen Freikirchen verantwortet und vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirchen in der DDR durchgeführt werden sollte (ADW, BfdW DDR 8).
Am 07.05.1980 wurde Pfarrer Günther Otto zum neuen Bevollmächtigen der Aktion „Brot für die Welt“ ernannt. Durch Verhandlungen mit den verantwortlichen staatlichen Stellen in der DDR gelang es ihm, die Aktion stärker vom Deutschen Roten Kreuz zu lösen und in Abstimmung mit staatlichen Bilanzorganen, Produktions- und Transportbetrieben Kleidung, Medikamente, medizinische Ausrüstungen und Nahrungsmittel für die von Katastrophen und Hunger betroffenen Länder unmittelbar bereitzustellen. Pfarrer Otto nahm seine Aufgaben bis zur Verabschiedung aus dem kirchlichen Dienst im Frühjahr 1991 wahr.
Mit der Zusammenführung der Gliedkirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR mit der EKD und dem Beitritt der gliedkirchlichen Diakonischen Werke zum Diakonischen Werk der EKD endete die Tätigkeit des Verteilerkreises der Aktion „Brot für die Welt“ mit Wirkung vom 01.04.1991.
Umfang des Bestandes
Der Bestand umfasst mit 277 Verzeichnungseinheiten die Akten der Bevollmächtigten für die Aktion „Brot für die Welt“ von Brück (1959-1980) und Otto (1980-1992).
Durch die starke Einflussnahme des Deutschen Roten Kreuzes beinhalten die Akten der Anfangsphase viele Grundsatz- und Koordinierungsfragen, während die ab 1980 gebildeten Akten erkennen lassen, dass sich die Aktion „Brot für die Welt“ immer mehr aus dem Einflussbereich des DRK herauslösen und gezielt Projekte und Hilfsaktionen in Eigenregie verwirklichen konnte.
Bei etwas mehr als der Hälfte der Verzeichnungseinheiten handelt es sich um Projektakten, die nach geographischen Gesichtspunkten angelegt wurden.
Ordnung und Zuordnung des Bestandes
Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirchen in der DDR wurde von den Kirchenleitungen der Evangelischen Kirchen und Freikirchen mit der praktischen Durchführung der Aktion „Brot für die Welt“ beauftragt. Es erschien daher sinnvoll, nach Abstimmung mit dem Bevollmächtigten Otto, den Aktenbestand als Depositum dem Archiv des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland zu übergeben.
Der Bestand wurde 1994/95 von Herrn Johannes Hofmann verzeichnet und geordnet, ohne dass dabei auf eine vorgefundene Ordnung zurückgegriffen werden konnte. Kassationen wurden nicht vorgenommen. Das Findbuch schrieb Frau Heidemarie Köppen. Im Zuge der Retrokonversion wurde der Bestand 2006 in die Archivdatenbank Augias eingegeben.
Literatur
Christian Berg: Brot für die Welt. Dokumente, Berichte, Rufe (Schriften für Diakonie und Gemeindebildung, Bd. 7). Berlin / Stuttgart 1962.
Ulrich von Brück: 10 Jahre „Brot für die Welt“; in: Fröhlich helfen 1970, 50-53.
Abkürzungen
CCPD Commission on the Churches' Participation in Development
CDU Christlich-Demokratische Union
CICARWS Commission for Inter-Church Aid, Refugee and World Service
CIMADE Comité inter-mouvements auprès des evacués
CMC Christian Medical Commission (des Ökumenischen Rates der Kirchen)
DDR Deutsche Demokratische Republik
DRK Deutsches Rotes Kreuz
EKD Evangelische Kirche Deutschlands
ev. evangelisch
HEKS Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz
HO Handelsorganisation
luth. lutherisch
LWB Lutherischer Weltbund
mbH mit beschränkter Haftung
o.D. ohne Datum
ÖRK Ökumenischer Rat der Kirchen
SGB Sozialistischer Großhandelsbetrieb
u.a. unter anderem
UNICEF United Nations International Children's Emergency Fund
UNO United Nations Organization
v.a. vor allem
VEAHB Volkseigener Außenhandelsbetrieb
VEB Volkseigener Betrieb
VVB Vereinigung volkseigener Betriebe
WHO World Health Organization
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.