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IG Örtliche Wirtschaft (Bestand)
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Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Deutsche Demokratische Republik mit sowjetischer Besatzungszone (1945-1990) >> Organisationen und Verbände >> Gewerkschaften
1954-1958
Bestandsbeschreibung: Aufgaben und Organisation:
Auf dem 4. FDGB-Kongreß, der vom 15. bis 20. Juni 1955 in Berlin tagte, wurde die Bildung der IG Örtliche Wirtschaft offiziell beschlossen. Im Beschluß des Kongresses heißt es: "Zur besseren gewerkschaftlichen Betreuung der Werktätigen in der örtlichen volkseigenen Wirtschaft, in den privatkapitalistischen und Handwerksbetrieben beschließt der 4. FDGB-Kongreß die Schaffung einer Gewerkschaft Örtliche Wirtschaft. In den privatkapitalistischen Betrieben kommt es besonders auf die Erziehung aller Werktätigen zu einem hohen Klassen- und Staatsbewußtsein und auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch Abschluß von Betriebs- und Arbeitsschutzvereinbarungen an. In allen Privatbetrieben ist das gewerkschaftliche Mitbestimmungsrecht voll zur Kontrolle über die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen auf dem Gebiet der Produktion und der Arbeitsbedingungen, bei der Einhaltung der Lieferverträge mit volkseigenen Betrieben und staatlichen Einrichtungen, der richtigen Verwendung der Rohstoffe und der Einhaltung der Qulitätsbestimmungen erforderlich. ..." (aus: "Protokoll der Verhandlungen des 4. FDGB-Kongresses vom 15.-20.Juni 1955 in der Werner-Seelenbinder-Halle zu Berlin", Berlin 1955)
Bereits vor dem 4. FDGB-Kongreß wurden von Seiten der Gewerkschaften Vorstellungen zur Gründung einer IG, in der der gesamte privatwirtschaftliche Bereich sowie die kommunal geleiteten Wirtschaftsbetriebe zusammengefaß werden sollten, entwickelt. Nachdem von staatlicher Seite durch die VO des Ministerrates der DDR vom 26.11.1953 ein Staatssekretariat für Örtliche Wirtschaft mit eigenem Geschäftsbereich und mit der VO vom 06.08.1953 zum 01.08.1953 eine Zentrale Industrie- und Handelskammer der DDR errichtet worden waren, nahmen die Vorstellungen zur Gründung der o.g. IG konkretere Formen an.
Mit der Schaffung eines Staatssekretariats für Örtliche Wirtschaft und der später erfolgten Gründung der IG Örtliche Wirtschaft sollten die permanenten Planrückstände im Bereich der kommunalen Wirtschaft abgebaut und dieser Wirtschaftsbereich stärker in die sozialistische Planwirtschaft (2. Fünfjahrplan von 1956-1960) einbezogen werden.
Für die Gewerkschaften kam es darüber hinaus darauf an, den gewerkschaftlichen Einfluß in den Privatbetrieben und den Betrieben mit staatlicher Beteiligung wesentlich auszubauen.
Mit der Vorbereitung der IG Gründung befaßte sich der Sekretär des FDGB-Bundesvorstandes für Organisation Kurt Meier. Durch die Abteilung Organisation des Bundesvorstandes, die Zentralvorstände der IG/Gew. und die Bezirksvorstände des FDGB wurden entsprechende Anträge aus den Betrieben an den 4. Kongreß organisiert. Bei den Kadervorschlägen waren die Abteilung Organisation, die Kaderabteilung des Bundesvorstandes und die Zentralvorstände der IG/Gew. einbezogen.
Im Vorfeld der Gründung wurden mehrere Varianten der Einbeziehung von Beschäftigten verschiedener Wirtschaftszweige diskutiert. Schließlich wird mit dem Beschluß des Präsidiums des FDGB-Bundesvorstandes (P 61/55) der Tätigkeitsbereich der IG genau definiert:
"Die Aufgaben der neuzubildenden IG Örtliche Wirtschaft" vom 28.07.1955 werden Betriebe aus dem Organisationsbereich der IG Bau-Holz (nur Holzbetriebe), der IG Metall, der IG Textil-Bekleidung-Leder, der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten, der IG Chemie und der IG Transport in die IG örtliche Wirtschaft überführt.
In diesem Beschluß wird der Organisationsbereich folgendermaßen abgegrenzt:
a) Sozialistische Wirtschaft
Industriebetriebe und Kombinate die den Abteilungen Örtliche Wirtschaft bei den Räten der Bezirke und Kreise unterstellt sind;
Betriebe und Werkstätten der Konsum-Genossenschaften, außer Einrichtungen des genossenschaftlichen Handels und solchen Betrieben, die dem Verband Deutscher Konsumgenossenschaften in Berlin direkt unterstellt sind.
b) Private Wirtschaft
Privatkapitalistische Betriebe der Industrie und des Transports;
Handwerksbetriebe und Betriebe, die in die Gewerberolle der Bezirkshandwerkskammern eingetragen sind.
Zum Organisationsbereich der IG Örtliche Wirtschaft gehören nicht:
Betriebe der Bau- und Baustoffindustrie, des Handels, der Land- und Forstwirtschaft, des Erwerbsgartenbaus, Gaststätten und Beherbergungsbetriebe, volkseigene Nahverkehrsbetriebe sowie alle Betriebe, die den Bezirksdirektionen für Kraftverkehr unterstehen, Müll- und Fäkalienabfuhr (Stadtreinigungsbetriebe), Einrichtungen und Betriebe aus dem Bereich Gewerkschaft Gesundheitswesen sowie die Betriebe und Einrichtungen aus dem Organisationsbereich der hier nicht aufgeführten IG/Gewerkschaften."
Mit den konkreten Aufgaben zur Bildung der IG Örtliche Wirtschaft wurde auf der 20. Tagung des FDGB-Bundesvorstandes am 20.06.1955 vom neugewählten Bundesvorstand ein Vorbereitendes Komitee beauftragt. Diesem Komitee gehörten folgende Mitglieder an: Hans Löhn als Vorsitzender, Karl Lücke als stellv. Vorsitzender, desweiteren Gerhard Schilling, Rolf Deubner, Georg Rosenberger, Heinz Thiele, Lotte Pfeiffer, Werner Hertel und Hans Spengler.
Auf der ersten Sitzung des Vorbereitenden Komitees am 01.07.1955 berieten die Anwesenden über die Stärke des Sekretariats und die zu bildenden Abteilungen. Im Ergebnis wurden folgende Abteilungen geschaffen:
1. Abt. Organisationsmassenarbeit mit dem Sektor Information und dem Sektor Statistik,
2. Abt. Kaderausbildung,
3. Abt. Produktionsmassenarbeit,
4. Abt. Löhne mit Sektor Arbeitsrecht,
5. Abt. Kulturelle Massenarbeit,
5. Abt. Sozialversicherung,
7. Abt. Arbeitsschutz,
8. Abt. Arbeiterversorgung,
9. Abt. Feriendienst,
10. Abt. Finanzen mit Sektor Innere Verwaltung,
11. Büro Verschlußsachen.
Auf der regionalen Ebene wurden vom Juni bis August 1955 in allen Bezirken der DDR Vorbereitende Bezirkskomitees ins Leben gerufen.
In allen Kreisen mit über 5000 Beschäftigten in der örtlichen Wirtschaft entstanden Kreiskomitees (Stand Okt. 1955 = 197 Kreiskomitees) und in allen Orten, in denen mehr als 2000 Beschäftigte arbeiteten Ortsvorstände.
Am 27. und 28.01.1956 fand die 1. (konstituierende) Tagung des Provisorischen ZV der IG Örtliche Wirtschaft statt.
Die erste und einzige Zentraldelegiertenkonferenz fand vom 29.-31.03.1957 in Leipzig statt. Auf der konstituierenden Sitzung des ZV wurde folgendes Sekretariat gewählt:
Sekretär / Fachbereich
Rudolf Höppner / Vorsitzender
Albert Enke / stellv. Vorsitzender
Rolf Deubner / Sekretär für Löhne
Lotte Pfeiffer / Sekretär für Kulturelle Massenarbeit
Georg Rosenberger / Sekretär für Feriendienst und Arbeiterversorgung
Hans Spengler / Sekretär für Sozialversicherung und Arbeitsschutz
Gerhard Schilling / Sekretär für Organisationsmassenarbeit
Heinz Thiele / Sekretär für Kaderentwicklung
Auf der achten Tagung des ZV am 15. und 16.07.1957 wurden folgende Kommissionen gebildet:
1. Arbeiterversorgung, Bau- und Wohnungswesen,
2. Arbeit mit den Kindern,
3. Arbeits- und Gesundheitsschutz,
4. Feriendienst,
5. Kulturelle Massenarbeit,
6. Gesamtdeutsche Arbeit,
7. Produktionsmassenarbeit,
8. Betriebe mit staatlicher Beteiligung,
9. Handwerk,
10. Löhne und Tarife,
11. Jugend,
12. Frauen und Arbeitskreis verdienter Gewerkschaftsveteranen.
Im Juni 1958 erfolgte die Auflösung der IG Örtliche Wirtschaft.
Nachdem das Sekretariat des Zentralvorstandes seine Arbeit eingestellt hatte, wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die bis zum Ende des Jahres 1958 die geschäftliche Abwicklung übernahm.
Statistische Angaben zur IG Örtliche Wirtschaft:
Mitglieder:
689.789 (Sept. 1956)
799.560 (I. Quartal 1958)
Vorsitzende:
Hans Löhn (20.06.1955-15.04.1956)
danach Hauptabteilungsleiter im Ministerium für Arbeit
Nach Auflösung der IG Örtliche Wirtschaft erhielt das Zentrale Gewerkschaftsarchiv 1958/59 das Schriftgut. Zur Zeit des Bestehens der IG existierte kein Aktenplan gearbeitet. Der einheitliche Aktenplan des FDGB trat erst am 01.01.1966 in Kraft. Als Findhilfsmittel diente ein Ablieferungsverzeichnis.
Noch im Zentralen Gewerkschaftsarchiv erfolgte eine Grobbewertung und vorläufige Verzeichnung des Bestandes. Im Zuge dieser Arbeiten wurde bereits etwa die Hälfte des übernommenen Schriftgutes kassiert und die während der Tätigkeit des Registraturbildners entstandene käufmännische Ablage in die buchmäßige Ablage gebracht.
Im Jahre 2001 wurde der Bestand endgültig bearbeitet, d.h. eine Feinbewertung vorgenommen und ausführliche Enthält-Vermerke angefertigt.
Die bestehenden Aktenbände blieben im Wesentlichen erhalten und eine Korrektur der inneren Ordnung der Akten erfolgte nur bei groben Fehlern.
Bisher nicht erschlossene Bestandsergänzungen (ca. 0,10 lfm) kamen hinzu und wurden entsprechend verzeichnet.
Der Gesamtumfang betrug vor der Bearbeitung 3,51 lfm (120 AE) und nach der Bearbeitung 2,90 lfm (116 AE). Dubletten, Rechnungen und Zahlungsbelege kassiert werden.
Im Rahmen der Erschließungsarbeiten wurden die Akten in Aktenmappen umgebettet und entmetallisiert.
Inhaltliche Charakterisierung: Die Überlieferung umfasst den Zeitraum von 1954 bis 1958.
Die frühesten Schriftstücke stammen aus dem Jahre 1954 als nach Bildung des Staatssekretariats für Örtliche Wirtschaft und Schaffung einer zentralen Leitung der Industrie- und Handelskammer der DDR die ersten Vorstellungen zur Gründung einer Industriegewerkschaft für den Bereich der kommunalen Wirtschaft, besonders unter dem Aspekt der Zusammenfassung von Privatbetrieben und Betrieben mit staatlicher Beteiligung, entwickelt wurden.
Bereits aus der Zeit vor dem 4. FDGB-Kongreß finden sich eine ganze Reihe von Dokumenten, die die Vorbereitung der Gründung darstellen, insbesonders zu Fragen der Abgrenzung zu den bereits bestehenden Branchengewerkschaften.
Nach Konstituierung des Vorläufigen Komitees der IG am 20.06.1955 setzt die eigentliche Schriftgutüberlieferung ein. Bis zur Aulösung der IG ist die gesamte Breite der gewerkschaftlichen Tätigkeit des ZV dokumentiert.
Nach Auflösung des ZV im Juni 1958 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der geschäftlichen Abwicklung der IG, aus dieser Zeit sind v.a. Revisionsprotokolle und Abschlussbilanzen im Schriftgut der Abt. Finanzen überliefert.
Folgendes Schriftgut ist u.a. überliefert:
- Dokumente zur Gründung der IG,
- Protokoll der Zentralen Delegiertenkonferenz,
- Protokolle der Zentralvorstandssitzungen (Protokolle der 6. und 7. Sitzung fehlen),
- Protokolle der Sitzungen des Vorbereitenden Komitees später des Sekretariats des ZV,
- Struktur- und Stellenpläne des Zentralvorstandes,
- Tätigkeit der IG in Privatbetrieben und Betrieben mit staatlicher Beteiligung,
- Tätigkeit der Instrukteure des ZV in den Bezirken,
- Gewerkschaftswahlen,
- Tätigkeit der Gewerkschaftsschulen,
- Kaderunterlagen der IG,
- Abschluß der Betriebs- und Arbeitsschutzvereinbarungen,
- Einführung der 45-Stunden-Woche in der DDR,
- Tätigkeit der Klub- und Kulturhäuser der IG und Kinderferiengestaltung,
- Internationale Beziehungen v.a. zu den Gewerkschaften der sozialistischen Staaten,
- Gesamtdeutsche Arbeit (Verständigungsausschüsse),
- Tätigkeit der Frauenkommission,
- Berichte der Zentralen Revisionskommission und der Bezirks- und Kreisrevisionskommissionen,
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den für den Bereich der Örtlichen Wirtschaft zuständigen staatlichen Organen sind Protokolle des Vorstandes und des Präsidiums der Industrie- und Handelskammer der DDR und die Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Örtliche Wirtschaft überliefert.