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Archiv der Friedrich-Gundert-Stiftung (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Deposita
Inhalt und Bewertung
Pflege des Nachlasses des Buchhändlers Friedrich Gundert (1847-1925)
Vorsitzende der Stiftung Frau Dr. Margret Frenz
Die Gundert-Stiftung wurde Mitte der 1990er- Jahre von Nachfahren zweier Familien, die früher im Steinhaus gelebt haben, gegründet. Stiftungszweck ist, das Ansehen von und die Erinnerung an Friedrich Gundert zu bewahren. Auch dieser, ein Sohn des berühmten Missionars Hermann Gundert und ein Onkel von Hermann Hesse, hat im Steinhaus gelebt. 1875 trat er als Geschäftsführer in den Calwer Verlagsverein ein. Zusammen mit seiner Tante Henriette Enßlin fertigte er Auszüge aus den Predigten seines Vaters und gab sie als "Hermann Gunderts Schriftgedanken" heraus. Weil er aber auch Kirchenmusiker war, befinden sich unter den Stiftungsartikeln Notenblätter. Dazu kommen Mitbringsel aus einer Missionarstätigkeit wie Speere, Pfeilspitzen Spielzeug und Musikinstrumente. Friedrich Gundert und seine Frau Emma wurden im Familiengrab Gundert-Hesse auf dem Friedhof der Stadt Calw beigesetzt.
Hermann Gundert (* 4. Februar 1814 in Stuttgart; + 25. April 1893 in Calw) war ein deutscher Missionar, Sprachwissenschaftler, Lehrer, Schriftsteller und Verleger. Er schrieb die erste Grammatik der südindischen Sprache Malayalam, "A Malayalam and English Dictionary", und verfasste geschichtliche und geografische Werke in der Malabar-Region und in Deutschland. Er übersetzte die Bibel ins Malayalam und wird daher auch als "Luther Keralas" bezeichnet. Hermann Gundert war der Großvater des Dichters und Schriftstellers Hermann Hesse und des Missionars und Ostasienwissenschaftlers Wilhelm Gundert.
Hermann Gundert war Lehrer, Missionar, Sprachwissenschaftler, Schriftsteller und Verleger. Er erwarb sich große Verdienste um die Erforschung der südindischen Malayalam-Sprache und die Erschließung der Geschichte Malabars (heute Kerala), ebenso um die Einführung des modernen Schulwesens, das schließlich zum Neu-Malayalam führte. Kerala ist heute das Bundesland Indiens mit der höchsten Alphabetisierungsrate. Gundert brachte nicht nur eine solide klassische Bildung, sondern auch seine Erfahrung, die er in anderen Teilen Südindiens gemacht hatte, mit. In Kerala genießt er heute große Anerkennung.
Als erster Schulinspektor für Malabar und Kanara beeinflusste Gundert den Aufbau des modernen Schulsystems von der Grundschule bis hin zur universitären Ausbildung in einem Gebiet, das sich etwa 600 km von Kozhikode im Süden über Mangalore bis Hubli im Norden erstreckte und von Thalassery ca. 100 km ins Landesinnere bis nach Manantavadi in den Wynad-Berge reichte.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1859 war Gundert in Calw zunächst Mitarbeiter im Calwer Verlag und ab 1862 dessen Leiter. Von namhaften Autoren edierte Gundert einschlägige historische Werke und Kommentare zum Alten und Neuen Testament oder verfasste sie selbst. Jahrelang publizierte er gleichzeitig fünf Zeitschriften und schrieb dafür selbst hunderte Artikel, ohne - in der Regel - seine Autorenschaft preiszugeben. Bei Vorträgen im ganzen Land und auf internationalen Missionskonferenzen brachte er sein umfassendes Wissen ein und belebte die weltweite Diskussion zur Verständigung zwischen den Völkern und Religionen.
Eine wichtige Rolle in Gunderts Leben und Werk spielt seine aus der französischen Schweiz stammende Frau Julie geb. Dubois, die er im Juli 1838 in Chittoor geheiratet hatte. Sie war nicht nur die erste Missionarsfrau der Basler Mission in Indien, sondern gründete auch die ersten "Mädchen-Institute" (Mädchenschulen mit Heim) in Mangalore, in Thalassery und in Chirakkal bei Kannur. Aus diesen Schulen gingen gut ausgebildete und im evangelischen Glauben unterwiesene Frauen hervor, die zu großen Stützen der neuen Gemeinden wurden.
In Kerala und zunehmend auch in Deutschland gewinnt Hermann Gundert an Bedeutung. Anlässlich seines hundertsten Todesjahres fanden 1993 Seminare in Calw und die Hermann-Gundert-Konferenz in Stuttgart unter großer indischer Beteiligung statt. Die Malayalam-Forschung sowie der Bekanntheitsgrad Gunderts erfuhren dadurch in Indien und Europa neuen Auftrieb.
Anlässlich des 200. Geburtstags von Gundert erklärte die Hermann-Hesse-Stadt Calw das Jahr 2014 zum Gundert-Jahr. Verschiedene Einrichtungen in der Stadt veranstalteten in Zusammenarbeit mit der Hermann-Gundert-Gesellschaft Feiern, Vorträge, Ausstellungen, Schulprogramme, Seminare und einen Gundert-Familientag. Am 9. Oktober 2015 wurde - in Zusammenarbeit mit der Thunchath Ezhuthachan University Tirur, Kerala - an der Universität Tübingen ein Gundert-Lehrstuhl eingerichtet: In jedem Semester wird ein indischer Gastdozent aus Kerala Kurse sowohl in der Malayalam-Sprache als auch über die Literatur, Geschichte und Kultur Keralas abhalten. Durch Gunderts Enkel Hermann Hesse (1877-1962) lebt die Tradition der Familie zu einem guten Teil in der Literatur weiter - sowohl im Deutschen als auch in vielen Sprachen der Welt, in denen Hesses Werke übersetzt vorliegen.
Von seinem Großvater hatte Hesse die Begeisterung fürs Mystische und die indische Kultur. So konnte er, ohne je Indien besucht zu haben, Bücher wie Siddhartha schreiben. Die enge Bindung an den Großvater zeigte sich auch in dem Verständnis, das Gundert seinem Enkel entgegenbrachte, als dieser das Seminar in Maulbronn verließ. Später widmete Hesse seinem Großvater literarische Denkmäler: In seinen Schriften Großväterliches und Kindheit des Zauberers wird Gundert direkt beschrieben; in Siddhartha lebt er als Fährmann "Vasudeva" sowie im Glasperlenspiel als "Musikmeister" dichterisch weiter.
Im Oktober 2015 wurde in Zusammenarbeit der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Thunchath Ezhuthachan Malayalam University Tirur ein "Gundert-Chair" für Malayalam gegründet.
Die Hermann-Gundert-Gesellschaft als gemeinnütziger Verein setzt das geistige Erbe Gunderts fort und dient der Pflege des interkulturellen Dialogs. Hierfür sind die Tätigkeiten in fünf Schwerpunkte gegliedert: Austausch, Ausbildung, Wissenschaft, Kunst und Reise.
Neben der Bibelübersetzung erstellte Hermann Gundert ein Wörterbuch und die erste systematische Grammatik der Malayalam-Sprache.
Er beschäftigte sich intensiv mit der lokalen Kultur, schrieb Schulbücher und brachte 1847 im Städtchen Thalassery (Tellicherry) die erste Zeitung in der lokalen Sprache heraus. Er übersetzte Werke aus dem Sanskrit nach Malayalam, darunter eine buddhistische Streitschrift aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert gegen das Kastensystem. Für seine Verdienste wird Gundert in Kerala heute noch verehrt, eine Straße in Thalassery ist nach ihm benannt und ein 5 m hohes Denkmal gewidmet.
Die neue Universitätsbibliothek in Kannur, die größte Bibliothek in Südindien, wird 2014 nach ihm benannt werden. Eine Statue von ihm soll das Eingangsportal zieren.
Julie, Elise und Frieda Gundert:
Wie auch andere Familien in Calw hatten die Gunderts eine starke Bindung zur Basler Mission. Von sieben Schwestern, die hier im Haus aufwuchsen, traten drei als Missionsbräute bzw. Krankenschwester in deren Dienst. Im Steinhaus wuchsen als Töchter von Emma und Friedrich Gundert sieben Mädchen auf: Julie, Elise, Hildegard, Emma, Luise, Frieda und Fanny Gundert, alle Kusinen von Hermann Hesse. Die Familie Gundert hatte seit langem eine enge Verbindung zur Basler Mission: die Großeltern der Mädchen, Julie und Hermann Gundert, waren Missionare in Indien gewesen, andere Familienmitglieder standen ebenfalls in deren Diensten.
Die Heiratspraxis der Basler Mission sah vor, dass Missionare ledig in ihre Einsatzgebiete geschickt wurden und erst später eine Ehefrau nachgeschickt bekamen. Oft kannten sich die Zukünftigen gar nicht, denn die Basler Mission fädelte die Heirat ein. Die Frauen, Missionsbräute genannt, fuhren dann per Eisenbahn, Schiff und Ochsenkarren allein und mit gespannten Erwartungen in eine unbekannte Zukunft, in eine andere Kultur, kurz in eine fremde Welt. Die Motive waren, neben der religiösen Überzeugung und dem Gefühl "Auserwählte" zu sein, auch Abenteuerlust und Flucht vor der Enge der Heimatstadt.
Aus der Gundert-Familie ging zuerst Julie Gundert, die älteste Tochter, geboren am 27. August 1874, diesen Weg: Sie heiratete 1899 den in Kamerun (Afrika) stationierten Missionar Georg Schürle und tat mit ihm zehn Jahre Dienst in Afrika. Kaum waren sie zurück in der Heimat, starb Georg Schürle 1909. Seine Frau stand plötzlich mit ihren sieben kleinen Kindern allein da, von denen das älteste neun Jahre alt und das jüngste noch gar nicht geboren war. Julie Gundert starb 1966 in Calw.
Ihr nach machte es Elise, geboren am 23. April 1877, als sie 1901 den Indien-Missionar und Schulinspektor Immanuel Pfleiderer, den sie nur ganz flüchtig kannte, in Mangalur / Indien heiratete und mit ihm bis 1914 dort wirkte. Wieder zurück in Deutschland wurde Pfleiderer Lehrer in Esslingen.
1922 starb Elise an den Folgen eines Sturzes. Der Witwer suchte eine neue Ehefrau und Mutterersatz für seine acht Kinder und heiratete 1923 seine Schwägerin Luise Gundert (1883- 1957).
Die Schwester Frieda (1887-1918) wurde Krankenschwester bei der Basler Mission.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.