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5. Forstamt Burghausen (Bestand)
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Staatsarchiv München (Archivtektonik) >> II. Neuere Bestände (Behörden und Gerichte des 19. - 21. Jahrhunderts) >> B. Behörden des Königreichs Bayern und des Freistaats Bayern >> 6.) Landwirtschaft und Forsten, Umwelt >> Forst >> Oberförstereien (1803-1822) bzw. Forstämter älterer Ordnung (1822-1853 -1885/89), Forstamt für die Saalforste, Forstämter neuerer Ordnung, Saalforstämter (1885-2005)
1800-1983
Forstamt n.O. Burghausen (1889-1973/75): Behördengeschichte
Das Forstamt n.O. Burghausen entstand im Zuge der großen Forstorganisationsreform von 1885 aus dem gleichnamigen Forstrevier ä.O. Burghausen und dem Forstrevier Bergham. Diese Reviere unterstanden zuvor dem Forstamt ä.O. Hohenwart (bis 1822), dem Forstamt ä.O. Burghausen in Altötting und schließlich ab 1853 dem Forstamt ä.O. Altötting (siehe dort).
Nach der VO von 1885 verfügte Forstamt n.O. Burghausen über einen Forstmeister daselbst sowie über einen Forstamtsassessor in Bergham (1) . Erst 1889 wurde das Forstamt Burghausen definitiv formiert, damit hörten die Forstreviere Burghausen und Bergham auf zu bestehen (2).
Das Forstamt hatte zunächst seinen Sitz traditionsreich in der Burghausener Burg, allerdings nicht mehr im alten Forstmeisterturm (Burg 18), sondern in einer der Torbauten (Burg 17); 1957 erhielt das Amt einen Neubau (St. Johannserstr. 6) unterhalb des Eggenbergs. Der zum 1. November 1889 errichtete Assessorenposten Bergham wurde später zur Forstamtsaußenstelle umgewandelt und zum 1. April 1932 aufgelöst (3).
1960 und 1961 wurden die Bezeichnungen der Forstdienststellen verändert (4). Mit der Forstverwaltungsreform 1973 wurde das Forstamt Burghausen aufgelöst (5), Nachfolger wurde das Forstamt Altötting. Bis 1975 bestand in Burghausen noch eine Zweigstelle des Forstamts Altötting, welche bis 1975 als Registraturbildner weiterwirkte (6).
Besonders hinzuweisen ist auf die Rolle, die ab 1914 v. a. die Firma Wacker Chemie AG, Burghausen (urspr. Dr. Alexander Wacker Gesellschaft für elektrochemische Industrie KG) (7), als Gegenstand der Amtstätigkeit im so genannten Bayerischen Chemiedreieck spielte. Dabei lässt sich zum einen anhand der Ankäufe von Forstgrundstücken die sukzessive Erweiterung des Werksgeländes und die Inbetriebnahme neuer Anlagen - auch die Nutzung der Wasserkraft (s. Alzwerke") - nachvollziehen, zum anderen war das Forstamt bereits seit den 1920er Jahren mit Umweltverschmutzung durch Industrieabgase ("Rauch und sauere Gase") konfrontiert und dokumentierte immissionsbedingte Waldschäden ausführlich. Der Bestand kann also als Ergänzungsüberlieferung für firmengeschichtliche Forschungen interessant werden, ein wichtiges Fallbeispiel für den frühen Umgang mit Umweltverschmutzung liefern und nicht zuletzt für aktuelle Fragen der Umwelt- und Gesundheitspolitik in Zusammenhang mit der chemischen Industrie im Raum Burghausen relevantes Datenmaterial liefern.
Amtsleiter:
1889-1890 Forstmeister Franz Quante (zuvor Revier Bergham)
1890 Forstamtsassessor Karl Beck (von Bergham) (Verwesung)
1890-1895 Forstmeister Bernhard Freiherr von Großschedel
1895 Forstamtsassessor Richard Voit (Verwesung)
1895-1916 Forstmeister Richard Freiherr von Rehlingen und Haltenberg (+1919)
1916 Fortstamtsassesor Firnkäs (Verwesung)
1916- Forstmeister Alexander Schwarz
1917-1929 Forstmeister bzw. Oberforstmeister Ludwig End
1929-1930 Forstamtmann bzw. Regierungsforstrat Max Elste (Verwesung)
1930-1949 Forstmeister Ulrich Schmid
1949-1956 Forstmeister bzw. Oberforstmeister Josef Sterr
1956 Oberforstmeister Alfons Eger, FoA n.O. Altötting (Vertretung)
1956-1967 Oberforstmeister Josef Karl
1967-1968 Oberforstmeister Ludwig Wihr (Vertretung)
1968-1973 Oberforstmeister Ludwig Wihr
Forstamtsassessor bzw. Außenforstamtmann in Bergham:
1889-1894 Forstamtsassessor Karl Beck
1894-1900 Forstamtsassessor Richard Voit
1900-1902 Forstamtsassessor Franz Kreuter
1902-1909 Forstamtsassessor Josef Maier
1909-1914 Forstamtsassessor Thomas Sachenbacher
1914-1920 Forstamtsassessor Otto Scherg
1920-1925 Forstamtmann Karl Schmidt
1925-1932? Forstamtmann Max Elste
Reviere:
FoDSt. Burghausen Ost (1949: Rfö Burghausen I, 1961: Haiming I)
FoDSt. Burghausen West (1949: FW Burghausen II, 1961: Haiming II)
FoDSt. Bergham Ost (1949: FW Bergham I, 1961: Bergham I)
FoDSt. Bergham West (1949: FW Bergham II, 1961: Bergham II)
FoDSt. Öd (1963ff)
Bestandsgeschichte
Bei der Formierung des Forstamts 1889 bestand die Registratur des bisherigen Reviers Burghausen aus drei Abteilungen: der Kurrentregistratur, den reponierten Akten und den zum Verkauf bzw. Einstampf bestimmten Akten, jeweils mit einem eigenen Repertorium (8). Die Registratur des bisherigen Reviers Bergham wurde der Registratur des neu formierten Forstamts einverleibt, mit Ausnahme derjenigen Akten, welche als "Handregistratur" dem Assessor zu Bergham verblieben. Diese Berghamer Akten waren größtenteils geheftet, mit Ausnahme jener seit 1885 angelegten. "Akten für das Staatsarchiv sind (in Bergham) nicht vorhanden" (1889). Ein Verzeichnis der 1890 kassierten Akten ist im Akt über die Amtsextraditionen erhalten (9). Leider sind offenbar alle älteren (d.h. vor 1885 angelegten) Berghamer Akten später vernichtet worden.
Bei der Formierung des Bestandes wurden einzelne zwischen 1885 und 1889 abgelegte und abgeschlossene Akten des Reviers Burghausen dem Forstamt n.O. Burghausen zugeschlagen, da es sich lediglich um eine organisatorische Zwischenlösung handelte. Im Bereich der Nichtstaatswaldungen wurden Akten des Forstreviers ä.O. Sur (ehem. zum Forstamt ä.O. Reichenhall gehörig) übernommen und weitergeführt; sie enthalten daher die Operate seit 1853.
Mit dem 1. November 1889, dem Zeitpunkt der endgültigen Formierung des Forstamts n.O., waren für den laufenden Dienst neue Akten anzulegen. Ausnahmen wurden lediglich für die bereits angelegten Mobilieninventare bis 1892 gestattet. 191771918 wurde der Aktenplan der laufenden Registratur geändert bzw. erweitert, dieser neue Aktenplan wurde zur Rekonstruktion der Registraturschicht I herangezogen. 1949 existierte nur ein aktuelles Aktenverzeichnis der laufenden Registratur, während das Verzeichnis der reponierten und in einem separaten Raum aufbewahrten Akten neu angelegt werden sollte.
Eine Aktenaussonderung an das zuständige Staatsarchiv kam im Fall des Forstamts n.O. Burghausen während dessen Bestehen nie zustande. Eine Reklamation des Kreisarchivs München 1957-1958 erbrachte kein Ergebnis. Bei der Auflösung des Forstamts 1973 bzw. der Außenstelle 1975 wurde die Altregistratur (ab etwa 1790) komplett nach Altötting überführt, wo sie in zwei Kellerregalen bis 2005 lagerte und erst dann im Zuge der Auflösung des Forstamts an das Staatsarchiv München abgegeben wurde.
Von Febrar bis April 2007 wurden die Provenienzen der Altöttinger Abgabe analysiert und die Revierakten Burghausen beim zuletzt zuständigen Forstamt ä. O. Altötting verzeichnet (siehe dort). Die Provenienz Forstamt n.O. Burghausen wurde im März 2007 aus den Abgaben herausgelöst und im April durch die Archivreferendare Stefanie Albus, Julian Holzapfl M.A. und Dr. Thomas Paringer unter der Leitung von Archivrat z. A. Dr. Daniel Burger verzeichnet. Es zeigte sich, dass der Assessor bzw. die Forstamtsaußenstelle Bergham eine eigene Registratur mit abweichenden Aktenzeichen geführt hatte. Da der überwiegende Teil jener Akten 1932 mit Auflösung der Außenstelle endeten, war die Rekonstruktion der Berghamer Registratur geboten. Sowohl beim Forstamt Burghausen als auch beim Assessor Bergham wurden einzelne, nicht archivwürdige Akten nachkassiert (10).
Insgesamt kann die Überlieferung des Forstamts n.O. Burghausen als erfreulich geschlossen angesehen werden. Sie lässt sich in mehrere Registraturschichten einteilen. Ein ältester Aktenplan galt seit der Gründung bis zum Jahr 1917, ehe er von einem neuen Aktenplan abgelöst wurde, der bis 1951 in Kraft blieb. Seit 1951 bis zur Auflösung galt der Einheitsaktenplan der Bayerischen Staatsforstverwaltung.
Für die Bestandsgliederung wurden zwei Registraturschichten unterschieden: Als Gliederung der älteren Registraturschicht I wurde die Aktenordnung der Jahre 1918-1951 gewählt (11), in die auch die älteren Akten (1885-1917) eingereiht wurden (12). Die Eingliederung dieser älteren Akten wurde durch die überlieferte Konkordanz erleichtert, die bei der Neuordnung 1917/18 angelegt worden war (13). Die Registraturschicht I umfasst 23 Gruppen, die mit römischen Zahlen bezeichnet sind.
Die Einführung des Einheitsaktenplans 1951 brachte einen Bruch in der Systematik, weshalb für die seit 1951 abgeschlossenen Akten eine jüngere Registraturschicht II (1951-1973) gebildet wurde. Sie umfasst 19 Gruppen, das Ordnungssystem ist alphanumerisch aufgebaut. Die Registratur der Provenienzstelle "Forstassessor Bergham" wurde mangels eines Aktenverzeichnisses anhand der Aktenzeichen rekonstruiert. Die aus 16 Gruppen bestehende Bestandsgliederung orientiert sich dabei an den jüngeren Aktenzeichen; aufgrund der guten Registraturführung waren diese fast immer eindeutig zu ermitteln. Die ältesten Akten, die nach einer anderen Systematik geordnet waren, wurden in diese Ordnung miteinbezogen.
Möglicherweise aufgrund des nachgeordneten Charakters des Assessors wuren in einigen Fällen Überschneidungen mit der Überlieferung des Forstamts Burghausen festgestellt, konkret bei einigen Einzelfallakten zur Forstrechtsablösung.
München, 2. Mai 2007
Dr. Daniel Burger - Stefanie Albus, Julian Holzapfl M.A., Dr. Thomas Paringer
Fußnoten:
(1) Im Verzeichnis der zum 1. Juli 1885 definitiv formierten Forstämter (Finanzministerialblatt 1885, S. 656) fehlt Burghausen noch.
(2) GVBl 1889, S. 554, Bek. vom 16. Oktober 1889. Der Titularforstmeister von Burghausen war bis 1889 Theodor Auer, in Bergham war bis 1889 Oberförster Franz Quante tätig.
(3) FMBl 1932, S. 15f; Bek. vom 17. Märuz 1932.
(4) StAM, Forstämter (Burghausen) 21385.
(5) Noch vorgesehen war es in der VO vom 17. November 19666 (GVBl 1966, S. 90-131).
(6) StAM, Forstämter (Altötting) 20809.
(7) Siehe den Artikel von Dietmar Grypa zur Wacker-Chemie in: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44969.
(8) StAM, Forstämter (Burghausen) 21513.
(9) Ebd.
(10) Dies betrifft insbesondere Generalia (Ausnahme: Die Generalienserie 1908-1932 beim Assessor Bergham, die als Muster archiviert wurde). Kassiert wurden auch Versicherungsunterlagen und Holzhauerlohnangelegenheiten (massenhaft gleichförmige Unterlagen).
(11) StAM, Forstämter (Burghausen) 21507: Laufendes Aktenrepertorium (1918ff.).
(12) StAM, Forstämter (Burghausen) 21506 und 21509: Ältere Aktenrepertorien (1890-1917).
(13) StAM, Forstämter (Burghausen) 21506.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
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