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Bürgerlich und Romantisch
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Weimarer Zeitung, Nr. 96, 25.04.1858, S. 382: „Nachdem wir in voriger Woche die ‚Memoiren des Teufels‘, ein ächt französisches Machwerk, gesehen, am vergangenen Sonntage aber uns an Shakspeares unvergänglich reizender Humoreske: ‚Ein Sommernachtstraum‘ mit der herrlichen Musik Mendelssohns – in einer im Ganzen recht guten Aufführung erholt und gelabt hatten, wurden wir in dieser Woche durch das Spiel eines Gastes, Frl. Doris Genast aus Wiesbaden, erfreut. Wir sagen: eines Gastes, nicht: einer Fremden, denn der Name Genast klingt dem weimarischen Publikum niemals fremd, und Frl. Genast ist von früher her eine demselben vertraute und liebe Erscheinung auf hiesiger Bühne. Zu beklagen hatten wir, daß durch besondere Umstände, namentlich durch das, überhaupt sehr bedauerliche abermalige Unwohlsein des Herrn Genast, das Repertoir dermaßen beschränkt, insbesondere aber die Aufführung größerer, klassischer Stücke dermaßen erschwert war, daß Frl. Doris Genast sich begnügen mußte, in solchen Rollen aufzutreten, die, wenn auch in mancher Beziehung ganz dankbar, doch nicht geeignet erscheinen, ihr, jedenfalls viel weiter reichendes künstlerisches Talent in seinem ganzen Umfange und nach allen Seiten hin zur Geltung kommen zu lassen. Dies und die verlockende Schönheit des langersehnten milden Frühlingswetters mag wohl schuld sein, daß das Theater bei den ersten beiden Gastvorstellungen […] nicht so gefüllt war, wie gerade hier wohl zu erwarten gewesen wäre. Fräul. Genast zeigte uns, als Frau v. Rosen […], was aus diesem Charakter durch ein feines, etwas keckes, aber doch immer auf dem sichern Grunde eines natürlichen und gebildeten weiblichen Gefühls sich bewegendes Spiel zu machen sei, und bewährte vollkommen den Ruf ihrer ausgezeichneten Befähigung zu Rollen dieser Art im höheren Lustspiel oder Conversationsstück. Das Publikum erkannte dies auch durch lebhafte und wiederholte Beifallsbezeugungen und Hervorruf am Schlusse an. Es war zu billigen, daß Frl. Genast nicht ohne Frl. Reinecke und Herrm Grans erscheinen wollte, denn beiden gebührte ein wesentlicher Antheil an dem günstigen Gesammteindrucke des Stücks; aber auch Hr. Herrmann [!] hätte nicht allzubescheiden sich der Theilnahme an dieser auch von ihm wohlverdienten Ehre entziehen sollen.“