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Nachlass Ferdinand Kerstiens (Dep.) (Bestand)
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Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen (Archivtektonik) >> 4. Nichtstaatliches Schriftgut / Archivische Sammlungen >> 4.4. Nachlässe und Sammlungen (V) >> 4.4.1. Nachlässe und Sammlungen von einzelnen Personen
Form und Inhalt: Ferdinand Kerstiens
Ferdinand Kerstiens wurde am 23. März 1933 in Münster geboren. Er wuchs in Düsseldorf auf. Zum Studium der Theologie kam er 1953 zurück in seine Heimatstadt. 1959 wurde er mit fast vierzig anderen Priesteramtskandidaten, darunter Franz Kamphaus, der spätere Bischof von Limburg, und Reinhard Lettmann, als Nachfolger von Heinrich Tenhumberg Bischof von Münster, im Dom zu Münster zum Priester geweiht. Es folgten eine dreijährige Kaplanszeit in Bocholt, St. Josef, bevor Kerstiens 1962 zum Kaplan der Katholischen Studentengemeinde ernannt wurde. Von 1963 bis 1968 war er daneben Leiter des neuen Studentenwohnheims ”Albertus-Magnus-Kolleg“. Zwischen 1965 und 1968 war Kerstiens zur Promotion freigestellt. Im Doktorandenkolloquium bei seinem akademischen Lehrer Johann Baptist Metz beschäftigte er sich im Kreis auch vieler ausländischer Studierender mit der Befreiungstheologie und der ”Neuen politischen Theologie“, was ihn für sein weiteres Leben entscheidend prägte. Die Dissertation ”Hoffnungsstruktur des Glaubens“ (erschienen 1969) begutachtete Karl Rahner als Korreferent.
Von 1968 bis 1975 war Kerstiens als Studentenpfarrer in der Studentengemeinde an der Universität Münster tätig. Seit 1969 gehörte der zum Vorstand der KDSE (Katholische Deutsche Studenten-Einigung) und war eine Schlüsselfigur in der Auseinandersetzung mit der Deutschen Bischofskonferenz um deren Aufgaben und Selbstverständnis bis zur Auflösung Ende 1973. Auch in den Aufbau der Nachfolgeorganisation, der Arbeitsgemeinschaft von Gemeinden (AGG), gegründet 1974, war er eingebunden.
Kerstiens wurde 1975 Pfarrer in der Arbeitergemeinde St. Heinrich in Marl-Drewer und blieb dort bis zu seiner Emeritierung 1998. In diese Zeit fiel eine Anfrage der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster wegen eines Lehrauftrags. Kerstiens war bereit, diesen anzunehmen, jedoch verweigerte Bischof Heinrich Tenhumberg das ”Nihil obstat“, das erst Reinhard Lettmann nach dessen Tod erteilte.
1985 wurde Kerstiens Leiter des Pfarrverbandes Marl-West. Seit 1976 war er Mitglied im Priesterrat der Diözese Münster, einem Gremium aus 24 gewählten Priestern, das der Vertretung der Belange der Priester gegenüber dem Bischof und dessen Beratung dient. Er trat 2000 kurz vor dem Ende seiner sechsten Amtszeit zurück.
Ferdinand Kerstiens gehörte 1969 zu den Mitbegründern des Freckenhorster Kreises, der die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umsetzen will. Er war Mitglied des ”Ständigen Arbeitskreises“ bis 2008, zeitweise auch Mitglied der SprecherInnengruppe. Sein großes Engagement für den Freckenhorster Kreis, der in öffentlichen Aktionen und Verlautbarungen auf seine Ziele aufmerksam machte, zieht sich wie ein roter Faden durch seinen Nachlass.
Von 1969 an war Kerstiens auch Mitglied im Bensberger Kreis bis zu dessen Selbstauflösung 2004. Das Engagement des Bensberger Kreises für die Friedenspolitik, anfangs besonders für die Aussöhnung mit Polen, und für gesellschaftspolitische Fragen, bestand überwiegend im Verfassen von Papieren zu einzelnen Fragen, die Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung hatten. Kerstiens gehört zu den Mitverfassern von zahlreichen Stellungnahmen und Memoranden.
Seit 1980 war Kerstiens in der Initiative Kirche von unten aktiv, von 1982 bis 1987 auch Mitglied des Ko-Kreises (Koordinierungskreis) und engagierte sich später auch in ”Wir sind Kirche“. Er gestaltete zwischen 1980 und 2000 die Programme der ”Katholikentage von unten“ aktiv mit.
Mit seiner Emeritierung als Pfarrer in St. Heinrich, Marl, intensivierte Kerstiens sein seit den 1960er Jahren begonnenes Engagement bei Pax Christi, einer internationalen Organisation, die 1948 mit dem Anliegen der Versöhnung vorher verfeindeter Nationen entstand. Aufgrund dieser bereits langen und kontinuierlichen Mitarbeit wurde er 1997 zum ersten Mal zum Geistlichen Beirat von Pax Christi, Bistumsstelle Münster, gewählt, eine Aufgabe, die er über drei Wahlperioden bis 2009 wahrnahm. Zu den von ihm mitverantworteten Aktivitäten gehörten die ”Politischen Nachtgebete“ zunächst in Ahaus, später in Münster. Von 2000 bis 2006 war er Mitglied des Präsidiums der Deutschen Sektion von Pax Christi und engagierte sich 1997 bis 2003 in deren Kommission Weltwirtschaft - Ökologie - Entwicklung, deren Sprecher er wurde.
Ferdinand Kerstiens engagiert sich für den Frieden, für die Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vaticanums, für eine Kirchenreform auf der Grundlage der gemeinsamen Verantwortung aller Getauften für Kirche und Gesellschaft, für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche und ihre Zulassung zu Weiheämtern, für Eine Welt, gegen den Pflichtzölibat, für die Ökumene, für die Freiheit der katholischen Lehre, für die Befreiungstheologie. Er hat seine politischen Aktivitäten aus dem Glauben heraus entwickelt.
Sein Engagement für die Eine Welt schlägt sich außer in der Mitarbeit im Brasilien-Kreis in St. Heinrich und im Freckenhorster Kreis auch in persönlichen Kontakten nach Peru nieder, die im Bestand dokumentiert sind.
Seine Aktivitäten sind in zahlreichen Stellungnahmen, Presseerklärungen, publizistischen Beiträgen, Vorträgen, Veranstaltungen, Briefen an Politiker und Bischöfe in Einzelfragen im Hinblick auf bestimmte Entscheidungssituationen dokumentiert. Kerstiens verfasst und veröffentlicht seine Texte in der Regel nicht als Einzelner, sondern rückgebunden und abgestimmt mit einer gesellschaftlich relevanten Gruppe.
Mehrfach erhielt Kerstiens Preise für Predigten.
Bis heute lebt Ferdinand Kerstiens in Marl.
Der Bestand
Der Bestand wurde im Februar 2022 als Depositum ins Landesarchiv übernommen. Nach dem Tod des Depositars geht er in das Eigentum des Landesarchivs über. Der Bestand ist nach Archivgesetz NRW zu benutzen. Die zahlreichen dort enthaltenen Manuskripte unterliegen dem Urheberrecht. Daher dürfen von diesen Manuskripten u.a. keine Fotos oder Kopien gemacht werden und es darf daraus nicht wörtlich zitiert werden, falls der jeweilige Urheber nicht sein Einverständnis erklärt hat.
Herr Kerstiens wird auf seinen Wunsch über jede Benutzung durch das Landesarchiv informiert.
Drei CDs mit der Dokumentation der Friedensdemonstration = Schlusskundgebung des ”Katholikentag von unten“ in Düsseldorf am 4. September 1982 (vgl. Nr. 47) wurden entnommen und sind nun im Bestand W 751/Audio- und Videosammlung Nr. 386 erfasst. Sie befinden sich z. Zt. in der Digitalisierung.
Februar 2023, Mechthild Black-Veldtrup
Ferdinand Kerstiens - Veröffentlichungen:
selbständige Veröffentlichungen (vorhanden in der Dienstbibliothek; in den Lesesaal zu bestellen unter ”Bibliothek - Sammlung Kerstiens Nr. ...“)
Sammlung Kerstiens Nr. 1
Grosse Hoffnungen - erste Schritte: Glaubenswege durch das Lesejahr A, Luzern 2001
Sammlung Kerstiens Nr. 2
Wachsame Geduld - Zeit für Entscheidung: Glaubenswege durch das Lesejahr B, Luzern 2002
Sammlung Kerstiens Nr. 3
Fragender Glaube - Kraft zum Widerstand: Glaubenswege durch das Lesejahr C, Luzern 2003
Sammlung Kerstiens Nr. 4
Die Hoffnungsstruktur des Glaubens, Mainz 1969, zugleich Münster (Westfalen), Univ., Diss., 1968
Sammlung Kerstiens Nr. 5
Neuer Wein in alte Schläuche: Sakramente der Befreiung, 1. Aufl. Düsseldorf 1994
Sammlung Kerstiens Nr. 6
Praxis der Befreiung, Zürich u.a. 1984 (Theologische Meditationen 63)
Sammlung Kerstiens Nr. 7
Schlaglichter: Ermutigung zum Glauben, Stuttgart 1978
Sammlung Kerstiens Nr. 9
Umbrüche - eine Kirchengeschichte von unten: autobiographische Notizen, 2., überarb. Aufl. Berlin u.a. 2013 (Persönlichkeit im Zeitgeschehen 2)
Sammlung Kerstiens Nr. 10
Der Weg Jesu, 1. Aufl. Mainz 1973 (Topos Taschenbücher 14)
Sammlung Kerstiens Nr. 11
Wie wir christlich leben können: Orientierungen am Evangelium, Mainz 1973 (Gruenewald-Texte)
Liste der insgesamt 441 Veröffentlichungen von Ferdinand Kerstiens, Stand Anfang 2022, in Nr. 82.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.