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Einheiten der Propagandatruppe des Heeres (Bestand)
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Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Norddeutscher Bund und Deutsches Reich (1867/1871-1945) >> Militär >> Reichswehr und Wehrmacht 1919 bis 1945/1946 >> Reichsheer und Heer >> Kommandobehörden, Verbände und Einheiten >> Weitere Einheiten
1939-1945
Geschichte des Bestandsbildners: Die zum 1. September 1939 geschaffene Abteilung Wehrmachtpropaganda (WPr) beim Wehrmachtführungsstab (WFSt) war für die Organisation und Führung der Propagandaeinheiten aller drei Wehrmachtteile und der Waffen-SS verantwortlich und steuerte deren Einsatz. Sie war hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung der Tätigkeit der Berichterstatter, der Bereitstellung von Fachpersonal und Spezialgerät auf die Zusammenarbeit mit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) angewiesen.
Zu den Propagandaeinheiten des Heeres zählten die an der Front eingesetzten Propaganda-Kompanien (PK) und die Propaganda-Abteilungen in den besetzten Gebieten. Zu ihren Aufgaben gehörten die Kriegsberichterstattung, die so genannte "Aktivpropaganda in den Feind und in die Bevölkerung der besetzten Gebiete" und die Betreuung der eigenen Truppe. Bei Kriegsbeginn wurde jeder Armee eine Propaganda-Kompanie zugeteilt, die jeweils mit drei Kriegsberichter-Zügen und einem Propaganda-Zug ausgestattet war. 1942 hatte sich die Zahl von ursprünglich sieben Propaganda-Kompanien des Heeres auf insgesamt einundzwanzig erhöht und die Propagandatruppen insgesamt fast Divisionsstärke (ca. 15000 Mann) erreicht. Nach Georg Tessin (siehe Literatur) verteilten sich die Propaganda-Kompanien 1942 wie folgt:
Die Propaganda-Kompanien 610 und 614 werden im Frontnachweiser, aber nicht in der Feldpostübersicht genannt
Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf der Publikation von Hasso v. Wedel: Die Propagandatruppen der Deutschen Wehrmacht. Neckargemünd 1962.
1943 wurden die Propagandatruppen zur selbständigen Waffengattung und der neu geschaffenen Dienststelle "Chef der Propagandatruppen" unterstellt. Im Zuge dieser Neuorganisation wurden zur Verkürzung des Befehlsweges bei den Heeresgruppen, den Luftflotten und Marinegruppenkommandos die Dienststellen der "Stabsoffiziere für Propaganda-Einsatz" (Stoprop) eingerichtet und dem Chef des Stabes unterstellt. Der Stoprop leitete den Propaganda-Einsatz im Bereich seiner Kommandobehörde und war gegenüber den Propaganda-Kompanien weisungsbefugt. Der Aufgabenschwerpunkt der Propaganda-Einheiten des Heeres verlagerte sich von der Kriegsberichterstattung stärker auf die Aktivpropaganda und die Truppenbetreuung. Infolgedessen wurden die Kriegsberichterzüge der Heeres-Propaganda-Kompanien entweder aufgelöst oder personell auf je zwei Wort- und einen Bildberichter reduziert und dafür ersatzweise je ein Heeresberichterzug bei den Heeresgruppen gebildet.
Für die besetzen Gebiete wurden Propaganda-Abteilungen aufgestellt, die sich wiederum in Staffeln gliederten. Sie sollten in den besetzten Gebieten die Institutionen der öffentlichen Meinungsbildung, insbesondere die Presse, den Rundfunk und den Film, wieder in Gang setzen, deren Arbeit überwachen und zensieren sowie u.a. mit Flugblatt- und Lautsprecheraktionen gezielt auf die einheimische Bevölkerung einwirken. Für die verschiedenen Aufgaben gab es im Stab einer Propaganda-Abteilung jeweils eine Fachgruppe für Presse, Film, Schrifttum, Rundfunk, Kultur und Aktivpropaganda. Propaganda-Abteilungen waren im Bereich eines Militärbefehlshabers oder in den rückwärtigen Heeresgebieten tätig und diesen Befehlshabern unterstellt. Fachlich und einsatzmäßig blieben sie an Weisungen der Abteilung WPr gebunden. Sie wurden nach den Standorten der Stäbe und die Propaganda-Staffeln, die teilweise auch für besondere Aufgaben abkommandiert wurden, nach größeren Städten benannt. 1940 wurden die Propaganda-Abteilungen Belgien und Frankreich gebildet. Im Zusammenhang mit dem "Unternehmen Seelöwe" wurde zu Täuschungszwecken eine Propaganda-Abteilung K (Kanalküste) aufgestellt, die jedoch, ohne zum Einsatz gekommen zu sein, wieder aufgelöst wurde. Auf dem Balkan gab es die Propaganda-Abteilungen Südost und Serbien. Während des Feldzuges gegen die Sowjetunion erhielt jedes rückwärtige Gebiet einer Heeresgruppe eine eigene Propaganda-Abteilung. So entstanden die Propaganda- Abteilungen B (Baltikum bzw. Nord), W (Weißrußland bzw. Mitte), U (Ukraine), D (Don) und K (Kaukasus). 1944 wurde die Propaganda-Abteilung I (Italien) aus der Propaganda-Abteilung D gebildet.
Bearbeitungshinweis: Der Bestand war bislang nur in einer Findkartei erschlossen, die durch zahlreiche Überlieferungsverweise angereichert war. Im Januar 2005 wurde der Bestand von Frau Schiekel im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste überarbeitet und in die Datenbank Basys-S eingegeben. Sie überprüfte die Verzeichnungen auf den Karteikarten, konkretisierte - wo erforderlich - Titel und Laufzeit und fügte zur weiteren inhaltlichen Erläuterung Enthält-Vermerke hinzu. Die Erschließung erfolgte nach den archivischen Verzeichnungsrichtlinien des Bundesarchivs.
Bei der Klassifikation wurde unterschieden zwischen den Propaganda-Abteilungen mit ihren Propaganda-Staffeln und den Propaganda-Kompanien und -Zügen. Für die Stammtafeln wurde ein eigener Klassifikationspunkt angelegt. Im Zuge der Bearbeitung wurde der Aktenband RH 45/4 mit Stammtafeln von Abwehrtrupps herausgenommen und in den einschlägigen Bestand RW 49 (Nachgeordnete Dienststellen und Einheiten des Amtes Ausland/Abwehr) integriert.
Bereits 1979 waren die Aktenbände 9 und 18 an die damalige Filmbildstelle (jetzt: Bildarchiv) in Koblenz und 30 bis 33 an die Dienstbibliothek abgegeben worden.
Bestandsbeschreibung: Der weitaus größte Teil der Akten, die in das Bundesarchiv-Militärarchiv gelangt sind, stammt aus einer Aktenrückgabe aus den USA von 1963. Der Bestand wurde im Jahr 1977 durch eine umfangreiche Sammlung von Propagandamaterial der Propaganda-Staffel Kroatien in Form von Wandzeitungen, Bekanntmachungen und Flugblättern etc. (28 AE) ergänzt, die dem Militärarchiv von privater Hand als Kopien übergeben wurden.
Inhaltliche Charakterisierung: Dieser Bestand enthält nur Aktensplitter einiger Propagandaeinheiten des Heeres. Die Stammtafeln sind annähernd vollständig erhalten. Die Propaganda-Staffel Kroatien ist mit einer umfangreichen Sammlung von Flugblättern, Broschüren, Wandzeitungen und Plakaten vertreten, die in Kopie vorliegen. Hervorzuheben ist auch die Überlieferung der Propaganda-Kompanie 612 mit 24 Archivalien aus der Zeit von 1939 bis 1941. Diese Kriegstagebücher und Tätigkeitsberichte geben einen guten Einblick in die Arbeit einer Propagandaeinheit. In diesem Kontext ist zu erwähnen, dass Tätigkeits- und Lageberichte von Propagandaeinheiten im größeren Umfang auch im zentralen Bestand des Wehrmachtführungsstabes (RW 4) und bei den Ic-Abteilungen der Kommandobehörden und Verbände überliefert sind. Hinweise auf andere Bestände sind unter dem Punkt Überlieferungsverweise aufgeführt; diese Liste ist nicht vollständig, da die einschlägigen Bestände nicht systematisch überprüft wurden.
Erschließungszustand: vollständig erschlossen
Zitierweise: BArch RH 45/...
Einheiten der Propagandatruppe des Heeres, 1939-1945
169 Aufbewahrungseinheiten; 2,0 laufende Meter
Bestand
deutsch
Fremde Archive: Deutsche Dienststelle (WASt), Berlin: Erkennungsmarkenverzeichnisse und namentliche Verlustmeldungen
Archives nationales, Paris: Schriftgut der Propaganda-Abteilung Frankreich
RH 53-18/146: Propaganda-Kp. 621.- Berichte über den Polenfeldzug, Sept. 1939
MSG 2/11623: Propaganda-Kp. 666.- Propaganda-Berichte über Rostow, Aug. 1942
MSG 2/2344: Berichte H. Janellos über seinen Einsatz bei der Prop. Abt. Ukraine, 1941-1942
MSG 3-277: "Die Wildente". Informationen für Propaganda-Kompanien
Literatur: Buchbender, Ortwin: Das tönende Erz: deutsche Propaganda gegen die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg. Stuttgart 1978 (Schriftenreihe der Studiengesellschaft für Zeitprobleme. Militärpolitik; 13)
Echternkamp, Jörg (Hrsg.): Die Deutsche Kriegsgesellschaft: 1939 bis 1945 / im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes - Stuttgart : 2004 - 2005 (2 Bde)
Eckhardt, H.-W.: Die Frontzeitung des deutschen Heeres 1939-1945. Wien 1975
Ertl, Hans: Als Kriegsberichter 1939-1945. Innsbruck 1985, (Propaganda-Kompanie 501)
Held, Walter: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg. Eine Bibliographie der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. 5 Bde. Osnabrück 1978 ff.
Hotz, Walter: Daß der Geist nicht sterben kann. Gesichte, Berichte und Gedanken der Kriegsjahre. Lindhorst 1982
Leser, Lothar: Deutsche Flugblattpropaganda im Bereich der 20. (Gebirgs-) Armee (Propaganda-Kompanie 680). in: Jahresbibliographie der Bibliothek für Zeitgeschichte 1974, S. 573-586
Leverkuehn, Paul: Der geheime Nachrichtendienst der deutschen Wehrmacht im Kriege. Frankfurt am Main [u.a.] 1964
Murawski, Erich: Der deutsche Wehrmachtbericht 1939-1945: ein Beitrag zur Untersuchung der geistigen Kriegführung; mit einer Dokumentation der Wehrmachtberichte vom 1.7.1944 bis zum 9.5.1945. 2., (durchges.) Aufl. Boppard 1962
Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945. 20 Bde. Osnabrück 1967 ff.
Wedel, Hasso v.: Die Propagandatruppen der Deutschen Wehrmacht. Neckargemünd 1962
Wette, Wolfram (Hrsg): Das letzte halbe Jahr: Stimmungsberichte der Wehrmachtpropaganda 1944/45. 1. Aufl. Essen 2001
Wulf, Josef: Presse und Funk im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Frankfurt a. Main 1983
Zöller, Alexander: Die Propagandakompanien der Wehrmacht. In: Stiftung Topographie des Terrors (Hg.). Hans Bayer. Kriegsberichter im Zweiten Weltkrieg (Ausstellungskatalog). Berlin 2014, S. 137-149.