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Fotografie, die zwei nebeneinander stehende Frauen zeigt (kolonialistischer Kontext)
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Contentwarnung: Kolonialismus, Rassismus Schwarz-Weiß-Fotografie, die zwei dicht nebeneinanderstehende Frauen zeigt. Jede hält einen Arm hinter dem Rücken der anderen. Sie sind beide vom Kopf bis zur Mitte der Oberschenkel sichtbar, frontal fotografiert und blicken direkt in die Kamera. Sie tragen ein Tuch/einen Rock, das/der auf Bauchnabelhöhe sitzt, der Oberkörper der Frauen ist unbekleidet. Die beiden Personen stehen vor einem neutralen Hintergrund. Weil heute nicht mehr nachvollzogen werden kann, unter welchen Umständen und zu welchen Bedingungen diese Fotografie zweier teils unbekleideter Personen entstanden ist, wird die Abbildung hier nur zum Teil in Klarform gezeigt. Kontext: Das Foto stammt laut des Sexualwissenschaftlers und Sexualreformers Magnus Hirschfeld aus der 1887 erschienenen Publikation „Das Weib in der Natur- und Völkerkunde“ von Hermann Heinrich Ploss. Es stammt aus einem kolonialistisch-rassistischen, eurozentrischen Kontext. Hirschfeld selbst nutzte die Abbildung zur Demonstration sog. „viriler Frauen“ mit Mikromastie und einem angeblich „männlichem Ausdruck und Habitus“ (vgl. Hirschfeld, Magnus (1913): Geschlechtsübergänge. Mischungen männlicher und weiblicher Geschlechtscharaktere (Sexuelle Zwischenstufen), Max Spohr, Text vor. Tafel XIII). Dies ist im Kontext des von Hirschfeld entwickelten „Zwischenstufenkonzepts“ zu verstehen, das u. a. auch mit Körpermaßen arbeitete. Der „Zwischenstufentheorie“ lag die Annahme zugrunde, dass menschliche Eigenschaften eine männliche oder eine weibliche Ausprägung aufwiesen, die sich messen ließe, darunter auch Körpergröße, Knochen, Schädel, Becken, Gelenke, Muskulatur, aber auch z. B. Mimik und Handschrift. Allgemein und sehr verkürzt, beschreibt das Konzept der Zwischenstufen die Tatsache, dass jedes Individuum sowohl „männlich“ als auch „weiblich“ ausgeprägte Eigenschaften vereint, die einen oder mehrere der vier Bereiche betreffen können: 1. die Geschlechtsorgane, 2. sonstige körperliche Eigenschaften, 3. den Geschlechtstrieb und/oder 4. sonstige seelische Eigenschaften. Mit dieser Theorie öffnete Hirschfeld bereits 1907 das gängige Konzept des biologisch-genitalen Geschlechts für Aspekte, die u.a. auf der erlebten Identität der Individuen beruhten. Damit ebnete die „Zwischenstufentheorie”, die „während der Institutszeit die wissenschaftliche Leitidee für die meisten Mitarbeiter“ blieb, den Weg für das Verständnis von sexueller Vielfalt und Variabilität. (vgl. Herrn, Rainer (2022): Der Liebe und dem Leid, Suhrkamp, S. 31). Einher gingen damit auch eine Entpathologisierung und Entkriminalisierung des vermeintlich Abweichenden, von Menschen also, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm standen.
Bildunterschrift in Hirschfeld: Geschlechtsübergänge: Mikromastie viriler Frauen.
Bildunterschrift in Levy-Lenz: Hexenkessel der Liebe: Peruanerinnen mit Mikromastie
(Männerbrüste und männlicher Typus)
(Vgl. „Gynandrie“, Seite 191)
Bildunterschrift in: Back: Sexuelle Verirrungen des Menschen und der Natur, 2. Teil: Abbildung 69. Peru-Indianerinnen mit vollkommen männlichem Gesichtsausdruck und Habitus.
Hirschfeld, Magnus, 1913: Geschlechtsübergänge. Mischungen männlicher und weiblicher Geschlechtscharaktere (Sexuelle Zwischenstufen), Leipzig, Text vor Tafel XIII.
Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin
FSIFS-091_a
Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
Fotografische Sammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft