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Grimme, Adolf (Bestand)
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Laufzeit: 1890 - 1963 (1964 - 1993)
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 3 Bde
Bestandsbeschreibung: Lebensdaten: 1889 - 1963
1. Lebenslauf Adolf Grimmes
1889 Geboren am 31. Dezember 1889 in Goslar im Harz als zweites Kind des Eisenbahnbeamten Georg August Adolf Grimme und seiner Ehefrau Auguste Luise geb. Sander
1896-1900 Besuch der Volksschule in Weferlingen
1900-1904 Besuch des Gymnasiums in Hildesheim
1904-1906 Besuch des Gymnasiums in Sangerhausen (1906 Tod des Vaters)
1906-1908 (erneut) Besuch des Andreanums in Hildesheim
1908 Abitur
1908-1914 Studium der Germanistik und Philosophie an den Universitäten Halle, München (Schüler des Philosophen Max Scheler) und Göttingen (Schüler des Germanisten Edward Schröder und des Philosophen Edmund Husserl)
1914 Ablegung des Lehramtsexamens in Philosophie, Germanistik, Französisch, Religion; Note "Gut"
1914-1915 Referendar am Königlichen Gymnasium in Göttingen
Juli 1915 Einberufung als Soldat, Rekrutenausbildung in Straßburg, nach längerer Krankheit lernt er im Lazarett in Straßburg seine spätere Frau, die Malerin Maria (Mascha) Brachvogel, kennen
(Der Ehe entstammen 3 Kinder, Sohn Eckard verunglückte 1931 als Vierzehnjähriger tödlich)
Nov. 1915 Entlassung als "dienstunbrauchbar"
1916-1919 Assessor am Realschulgymnasium in Leer/Ostfriesland
1918 Eintritt in die Deutsche Demokratische Partei
1919 Leitung der Ortsgruppe Leer der DDP, im gleichen Jahr Austritt aus dieser Partei
1919-1923 Studienrat und Oberstudienrat an höheren Schulen in Hannover
Anschluß an die Bewegung entschiedener Schulreformer (Paul Östereich, Berthold Otto)
1922 Eintritt in die SPD
1923-1924 Dezernent beim Provinzialschulkollegium Hannover
1925-1927 Oberschulrat in Magdeburg
1928-1929 Ministerialrat im Preußischen Kultusministerium, persönlicher Referent des Kultusministers Carl Heinrich Becker
1929-1930 Vizepräsident des Provinzialschulkollegiums Berlin/Brandenburg
1930-1932 Preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung im Kabinett Otto Braun (ernannt im Januar 1930)
20. Juli 1932 Absetzung als Minister mit der gesamten preußischen Regierung durch Reichskanzler von Papen
Grimme arbeitet illegal als Korrektor (Verlag Walter de Gruyter, Berlin), treibt bis 1942 theologische und literarische Studien (Arbeit am Johannes-Evangelium)
1935 Pensionszahlung als Vizepräsident des Provinzialschulkollegiums
11.10.1942 Verhaftung, angeklagt u.a. mit seinem Studienfreund Dr. Adam Kuckhoff, Schriftsteller, wegen vermutetem antifaschistischen Widerstandskampf ("Rote Kapelle")
Febr. 1943 Verurteilung wegen Nichtanzeige eines Vorhabens des Hochverrats zu 3 Jahren Zuchthaus
1942-1945 Strafgefangener in den Zuchthäusern Spandau, Luckau und Hamburg/Fuhlsbüttel
Mai 1945 Befreiung durch die englische Besatzungsmacht
1945-1946 Kommissarischer Regierungsdirektor, ab 15.12.1945 Leitender Regierungsdirektor der Hauptabteilung Kultur des Oberpräsidiums in Hannover
1946-1948 Kultusminister des Landes Hannover bzw. Niedersachsen (ernannt am 27.11.1946)
Febr. 1947 Trennung von Mascha Grimme
Ende 1947 Heirat mit Josefine geb. v. Behr, geschiedene Kopf (geb. 1907)
1948-1956 Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, Hamburg, bis zu dessen Auflösung zum 1. Januar 1956 (Amtsübernahme: 15.11.1948)
1956-1963 Ruhestand in Brannenburg/Degerndorf am Inn
1963 Gestorben am 27. August in Brannenburg/Inn
Auszeichnungen
1932 Goethe - Medaille für Kunst und Wissenschaft
1948 Ehrendoktorwürde (Dr. phil.) durch die Georg-August-Universität zu Göttingen
1949 Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main
1954 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
1962 Großes Verdienstkreuz des niedersächsischen Verdienstordens und Landesmedaille
1961 Deutscher Volkshochschulverband stiftet Adolf-Grimme-Preis als Fernsehpreis des Deutschen Volkshochschulverbandes
Ehrenämter (Jahr der Übernahme)
1946 (-1958) Vorsitzender der Barlach-Gesellschaft (Ehrenmitglied seit 1956)
1946 (-1957) Vorstandsmitglied der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft
1948 Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes und Senator der Max-Planck-Gesellschaft
1948 (-1956) Vorstandsmitglied des Deutschen Bühnenvereins
1948 (-1962) Vorstandsvorsitzender bzw. Mitglied des Vorstandes der Stiftung Deutsche Landerziehungsheime, Hermann Lietz-Schule
1949 Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt
1949 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Erziehung und Unterricht, München
1950 Mitglied des Deutschen Ausschusses für UNESCO-Arbeit
1951 Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission
1953 Ehrenmitglied der Fernseh-Technischen Gesellschaft, Darmstadt
1954 Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung
1957 Beiratsmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt
1959 Mitglied des P.E.N.
Veröffentlichungen Grimmes (in Auswahl)
- Der religiöse Mensch - Eine Zielsetzung für die neue Schule. Berlin 1922;
- "Selbstbesinnung" - Reden und Aufsätze aus dem ersten Jahr des Wiederaufbaus. Braunschweig 1947;
- Vom Wesen der Romantik. Heidelberg 1947;
- Dieter Sauberzweig (Hrsg.): Adolf Grimme - Briefe. Heidelberg 1967;
- Eberhard Avé - Lallemant (Hrsg.): Adolf Grimme - Sinn und Widersinn des Christentums. Heidelberg 1969
Von Grimme herausgegebene Zeitschriften
- Monatsschrift für höhere Schulen, Berlin 1930-1933
- Die Schule (ab H. 3/1950 Unsere Schule), Monatsschrift für geistige Ordnung. Hannover 1945 - 1955
- Denkendes Volk, Blätter für Selbstbildung. Braunschweig 1947-1949
2. Bestandsgeschichte und Bemerkungen zur Benutzung des Bestandes. Literaturhinweise
Adolf Grimmes Nachlaßpapiere, die in großen Zügen seinen gesamten Lebensweg widerspiegeln, gelangten in mehreren Etappen ins Geheime Staatsarchiv. Ein erster Teil sehr geringen Umfangs (ca. 0,10 lfd.m.) wurde bereits 1969 vom Bundesarchiv übergeben (gemäß Schreiben des Archivs vom 26.1.1976), weitere Teile wurden ab 1974 von Frau Josefine Grimme direkt übernommen.
Letztaufgeführte Teile des Nachlasses waren zunächst als Depositum (Depositalvertrag vom 20. Juni 1974) ins Archiv gelangt. Dieses Depositum wurde im Juni 1981 von Frau Josefine in ein Geschenk umgewandelt.
Die von Grimmes angelegte Autographensammlung wurde 1981 (ebenfalls von Frau Josefine) dem GStA verkauft.
Der Bestand ist damit in seiner Gesamtheit in das Eigentum des Archivs übergegangen.
Die Vorordnung des Bestandes im Geheimen Staatsarchiv erfolgte unter Anleitung von Dr. Cécile Lowenthal-Hensel zunächst durch Sabine Preuß, dann durch Heidemarie Nowak.
Ordnungsarbeiten wurden auch von Josefine Grimme selbst noch einmal vorgenommen. Außerdem identifizierte sie Unterschriften und fügte in aufwendiger Arbeit Korrespondenzen zusammen.
Die Verzeichnung wurde von Inge Lärmer und von Ute Dietsch beendet.
Die zunächst getroffene Entscheidung, auf Enthält-Vermerke bei Korrespondenzen zu verzichten, wurde bei Eingabe der Titel in die Datenbank in Absprache mit der Referatsleiterin Dr. Iselin Gundermann aufgehoben. Alle Akten, die in diesem Zusammenhang v.a. aus technischen Gründen noch einmal überprüft werden mußten, wurden im Interesse der Benutzung auf die Erforderlichkeit von Enthält-Vermerken überprüft und entsprechend ergänzt. Das betrifft v.a. Korrespondenz mit Künstlern bzw. mit sehr hochgestellten Persönlichkeiten -Persönlichkeiten der Zeitgeschichte- oder Akten mit für die wissenschaftliche Auswertung wertvollen Inhalten.
Josefine Grimme betonte in ihren Schreiben (u.a. in einem Brief vom 27.7.1980), daß die Akten "im wesentlichsten noch so, wie mein Mann sie gesichtet hatte", seien. Das Ehepaar Grimme hat bewußt Adolf Grimmes eigene Registratur bzw. sein Archiv gestaltet.
Nach Übernahme der Quellen durch das Archiv war es daher Zielstellung, die von Adolf und Josefine Grimme festgelegte Ordnung nicht zu zerstören. Bei der Benutzung des Bestandes ist folglich zu beachten, daß -wenn vorhanden- soweit als möglich die Aufschriften auf Leitzordnern, die Beschriftung von Heftern bzw. Faszikeln oder eingelegte Zettel mit Inhaltszusammenfassung der jeweiligen Mappen (also von Grimme[s] vergebene "Aktentitel") beibehalten und im Findbuch in Anführungsstriche gesetzt wurden, gegebenenfalls -als Angebot an den Benutzer- erläutert durch "Enthält-Vermerk".
Die Sammlungen Josefine Grimmes (Gruppe 1.1.3) wurden von Adolf Grimme begonnen und daher ebenfalls im Zusammenhang gelassen.
Im Findbuch, v.a. Gruppe Korrespondenzen, ist in den Aktentiteln die Stückzahl (nicht die Blattzahl) der vorhandenen Schriftstücke ersichtlich. "K" bedeutet, daß sich (meist teilweise) an diesen Stellen nur Kopien im Briefwechsel befinden (die Originale sind dann überwiegend in der Autographensammlung, die fast ausschließlich Briefe an Grimme enthält - Gruppe 6.4).
Handakten, die Grimme über die Zeit als preußischer Kultusminister bis in die Zeit als niedersächsischer Kultusminister führte, wurden nicht getrennt; sie sind in die Zeit des Beginns der Aktenbildung (preußisches Ministerium) eingeordnet.
Bei der Benutzung sind auch die möglichen Überschneidungen der einzelnen Gruppen zu beachten.
Da Josefine Grimme die Aktenbildung bei den Korrespondenzen selbst vornahm (mit eigener Mappe, Stückezählung und oft auch Blattzählung, wie an den Mappenbeschriftungen noch ersichtlich), wurde entschieden, später oder in anderen Zusammenhängen ins Archiv gelangte Schreiben des jeweiligen Korrespondenzpartners als extra Band auszuweisen und nicht in die vorhandenen Mappen einzuarbeiten. Das erklärt dann beispielsweise auch Überschneidungen in den Laufzeiten der Einzelbände mit den Schreiben eines Korrespondenzpartners.
Auch die von Grimmes vorgenommene Zusammenfassung von Schreiben einiger Korrespondenzpartner mit gleichem Anfangsbuchstaben zur Untergruppe "Einzelne", bei manchen ergänzt durch den Vermerk "Unwesentliches", wurde beibehalten, waren letztere Schriftstücke doch im Entstehungszusammenhang für Grimmes eben unwichtig. Dabei kann es sich bei den Verfassern der Schreiben durchaus um historisch bedeutsame Persönlichkeiten handeln.
Einige Bände der Klassifikationspunkte 2.5.5 und 2.5.6 sind aus personenschutzrechtlichen Gründen bislang nicht frei zugänglich.
Kassationen wurden im Archiv nicht vorgenommen.
Tonbänder mit Reden und Auftritten Adolf Grimmes wurden von Frau Grimme 1979 an das Adolf-Grimme-Institut in Marl gegeben.
Einen Teil der schreibtechnischen Arbeiten (Korrespondenzpartner) erledigte Waltraud Wehnau.
Literatur über Grimme (in Auswahl)
- Walter Oschilewski (Hrsg.): Wirkendes, sorgendes Dasein - Begegnungen mit Adolf Grimme. Berlin 1959;
- Julius Seiters: Adolf Grimme - ein niedersächsischer Bildungspolitiker. Hannover 1990;
- Kurt Meissner: Zwischen Politik und Religion. Adolf Grimme. Leben, Werk und geistige Gestalt. Berlin 1993
Der Bestand ist zu zitieren:
GStA PK, VI. HA Familienarchive und Nachlässe, Nl Adolf Grimme, Nr.#
Berlin, Mai 2000 (Ute Dietsch, Inge Lärmer)
Nachtrag 2015:
Die folgenden Nummern sind im Nachlass nicht vergeben: 3, 5, 1040-1043, 1350, 2901 (wurde kassiert) und 3396.
Die nachstehenden Nummern wurden erst im Jahr 2015 verzeichnet und in die Findmittel eingearbeitet: 4, 24, 47, 52, 62, 79, 87, 90, 103, 109, 155, 169, 183, 265, 277, 283, 615, 661, 662, 666, 668, 1294, 1326, 1348, 1369, 1372, 2163, 2892, 3052, 3162. Dabei wurden ferner die Nummern 3445-3456 neu gebildet.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.