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Bestände des Stadtarchivs Mainz >> Nachlässe >> Nachlässe, alphabetisch geordnet
1826 - 1912
ohne Zugang, laut Paul, Inventar zu dem Nachlässen der deutschen Arbeiterbewegung (S. 625) 1911 als Vorlass von Stumpf persönlich an die Stadtbibliothek abgegeben. Nach Mommsen, Deutsche Nachlässe in Archiven (1971): "1958 Stadtarchiv Mainz". Laut http://www.tuwanda.de/stumpf/texte/lebenslauf_von_paul_peter_stumpf.htm (Stand: 28.05.2020): "Über 40 Kisten mit persönlichen Aufzeichnungen" im Stadtarchiv Mainz als Geschenk von Paul Stumpf um 1907. (Es gibt jedoch kein Beleg für diese Aussage.)
Qaus: http://www.tuwanda.de/stumpf/texte/lebenslauf_von_paul_peter_stumpf.htm (erstellt von Dr. Amella S. C. E. Mai, Stand: 28.05.2020):
Lebenslauf von Paul Peter Stumpf (1826-1912)
Paul Peter Stumpf entstammt einer seit 1729 in Mainz nachweisbaren Familie, deren Mitglieder vorwiegend als Brunnenbauer und Pumpenmacher tätig waren. Am 5. August 1826 in Mainz als drittes von 12 Kindern seiner Eltern geboren, ist über Stumpfs Kindheit und Jugend nichts überliefert. Bekannt ist nur, daß er zunächst das Polytechnikum Darmstadt besuchte und d anach am Polytechnikum Karlsruhe Wasserbau-Ingenieurwesen studierte [1] .
Während des Karlsruher Studiums war er in einer Studentenverbindung aktiv [2] , dabei duellierte er sich mit einem Kommilitonen namens Puricelli , der später Besitzer der "Rheinböller Hütte" [3] , eines Eisenwerks war; Stumpf wurde dabei an der rechten Faust verletzt, während er seinen Gegner in die Brust traf [4] . Die Daten seiner Aufenthalte in Darmstadt und Karlsruhe konnten bislang nicht ermittelt werden.
1843-1847 erhielt er im Unternehmen seines Vaters eine technische und kaufmännische Ausbildung [5] .
Wohl Ende 1846 hielt er sich zum Erlernen der Sprache in London auf und aus gleichem Grunde 1847 /1848 in Brüssel und Paris .
Anfang 1847 lernte er in Brüssel Karl Marx und Friedrich Engels kennen [6] und wurde Mitglied des Deutschen Arbeitervereins in Brüssel; von 1847 bis 1852 war er Mitglied des Bundes der Kommunisten [7] . Anschließend (von Januar bis April 1848) hielt er sich in Paris auf [8] und erlebte dort die Februarrevolution. Gleichzeitig betätigte er sich erstmals nachweisbar politisch, indem er am 13.03.1848 zusammen mit Karl Marx eine Zeitungsanzeige unterzeichnete, in der die Deutschen in Paris aufgefordert wurden, dem "Klub der deutschen Arbeiter" beizutreten [9] . Noch am 25.03.1848 hatte er in Paris Sebastian Seiler [10] zu Gast und traf am (vermutlich) folgenden Tag Karl Marx [11] . Mit ihm und Friedrich Engels war er später gut befreundet [12] .
Nach der Rückkehr nach Mainz 1848 beteiligte er sich mit seinem Bruder Gottfried an der Gründung des Arbeiterbildungsvereins [13] .
Vom 14.-16.06.1848 als Abgeordneter des demokratischen Vereins von Mainz Teilnahme am demokratischen Kongreß [14] in Frankfurt am Main [15] . Er war Vorstandsmitglied des Turnvereins, des Arbeitervereins und des demokratischen Vereins in Mainz. Bei einem Zweigverein des demokratischen Vereins, dem "Bildungsverein für Arbeiter", trat Stumpf 1848/49 regelmäßig als Redner auf [16] .
Nachdem die von der Frankfurter Nationalversammlung am 28.03.1849 in Kraft gesetzte Verfassung unter anderem von Bayern und Sachsen abgelehnt worden war, kam es in der (damals bayerischen) Pfalz und in Sachsen zu Aufständen. Stumpf beteiligte sich zunächst an der rheinisch-pfälzischen Revolution [17] , indem er im März 1849 als "Hauptmann" eine Kompanie von 21 Munitionsarbeitern des "Rheinhessischen Armeekorps" beim Freischarenzug in der Pfalz führte [18] und bei Kirchheimbolanden gegen preußische Truppen mitkämpfte [19] .
Im Mai 1849 Teilnahme am Freischarenzug von Lichtenstein (Sachsen) nach Dresden [20] , deswegen vom Schönburg`schen Justizamt zu Lichtenstein steckbrieflich gesucht [21] .
Wohl, um die ganze Sache etwas in Vergessenheit geraten zu lassen, arbeitete Stumpf vom 01.10.1849 bis 01.05.1850 wieder bei Riche in Paris [22] und wohnte dort bei Schard [23] .
Im Mai 1850 wurde er sodann im "Rheinischen Hochverratsprozeß" wegen der Beteiligung an den Unruhen in der Pfalz angeklagt [24] , sogar vorübergehend inhaftiert, dann aber freigesprochen [25] . Seine Rolle in diesem Prozeß scheint eine bedeutende gewesen zu sein, denn es existiert eine Lithographie der 10 wichtigsten von insgesamt ca. 70 Angeklagten [26] , auf der er abgebildet ist.
Im Frühjahr 1851 soll er Mazzinis [27] Schrift "Republik und Königtum" [28] verbreitet haben [29] . Er steht als Emissär mit Schimmelpfeng [30] in enger Verbindung [31] und soll Anhänger der deutschen Bewegungspartei gewesen sein [32] . Im April und Mai 1851 ist er in Straßburg [33] , von dort aus soll er als "eifriger Handlanger der Revolutionsfraktion" mehrfach mit revolutionären Schriften nach Köln gereist sein [34] ; dabei wird er auch als "Werkzeug des Zentralkomitees" [35] bezeichnet [36] . Gleichzeitig wird er als "tätiges, aber untergeordnetes Mitglied der Demokratie" genannt [37] . Am 01.09.1851 wurde bei ihm eine Hausdurchsuchung vorgenommen [38] .
Laut polizeilicher Mitteilung aus Dresden vom 07.10.1851 reiste er von dort nach London ab, um Marx, Engels, Dietz [39] , Schartner [40] und Schapper [41] , die "Chefs der deutschen Kommunisten" zu treffen [42] . Tatsächlich war er zwar Mitte September 1851 in London, hatte Marx aber nicht besucht [43] .
Vielleicht wegen der bevorstehenden Hochzeit mit seiner aus Frankfurt am Main stammenden Braut, vielleicht auch, weil ihm in Mainz "der Boden zu heiß" wurde, siedelte Stumpf im Herbst 1851 nach Frankfurt über und erhielt dort am 25.09.1851 das Bürgerrecht [44] . In Frankfurt lebte er im Haus Römerberg 8. 1853 wurde er in Frankfurt in den Handelstand [45] aufgenommen und war nun nicht mehr nur Mechaniker, sondern handelte "Mechanische Gegenstände aller Art" und reparierte sie. Im gleichen Jahr ging er mit seiner Familie nach Mainz zurück, hatte aber noch ein Geschäft in Frankfurt . 1855, das Geschäft war damals in der Neuen Kräme 16, machte er mit seinem Unternehmen Konkurs, womit die Frankfurter Zeit beendet war [46] , wenn er auch noch bis 1866 als Frankfurter Bürger mit Wohnsitz in Mainz in den Adressbüchern erwähnt ist [47] .
Seine politische Betätigung setzte er jedoch fort: Anfang 1852 erkundigt sich Schickel [48] (wohl in Anspielung auf die kurz zuvor erfolgte Hochzeit von Stumpf) bei Cluß [49] , "ob Paul Stumpf Philister [50] geworden sei, oder ob er Stand halte?" [51] Cluß schreibt dazu an Wolff [52] : "Ich bezweifle letzteres beinahe; Paul möchte von jeher Alles antappen, aber nur nicht so plump, mit den rohen Händen, ohne Handschuhe" [53] .
Laut polizeilicher Mitteilung vom 24.04.1852 ist er Mitglied des Arbeitervereins in London [54] .
Nach einem Verzeichnis von 1854 wirkte er für Zwecke der Umsturzpartei [55] . Außerdem scheint er sich in Paris aufgehalten zu haben, denn laut polizeilichem Wochenbericht vom 28.03.1854 aus Berlin wurde seine Adresse auf einem Zettel von Dr. Falkenthal gefunden [56] .
Laut polizeilichem Wochenbericht vom 03.04.1860 aus Hannover reiste er ständig zwischen Straßburg und Köln, um politische Schriften zu verbreiten, galt als Handlanger der Revolutionspartei und stand in Köln mit Dr. iur. Hermann Heinrich Becker [57] in Verbindung [58] .
Im Oktober 1865 hielt er sich geschäftlich in Paris auf [59] .
Während des Krieges 1866 beteiligte er sich an der Gründung eines "Vereins zur Unterstützung verwundeter Krieger" in Mainz, jedoch nicht, um dadurch den Staat zu unterstützen, sondern um "die wachsende Not der hiesigen arbeitenden Klasse" zu lindern [60] .
Obwohl Stumpf schon 1866 als Sozial-Demokrat bezeichnet wurde [61] gründete er im Juni 1867 die Sektion Mainz der von Marx gegründeten Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) [62] . Im gleichen Jahr war er noch Delegierter auf dem Lausanner Kongreß der Internationalen Arbeiter-Assoziation [63] .
Am 12.05.1867 wurde unter Beteiligung von Stumpf auf dem Arbeitertag in (Wiesbaden-) Biebrich der Mittelrheinische Arbeiterbund gegründet [64] .
Spätestens seit 1867 scheint Stumpf an eine neue Ehe gedacht zu haben, denn er schrieb einem Freund [65] : "Wenn Sie mich an eine junge reiche Witwe (½ Liebe + ½ Geld = 1 Frau) verschachern können ...".
Anfang 1868 gründete er in Mainz einen Sozialdemokratischen Arbeiterverein, dessen Kern die Mitglieder der Mainzer IAA waren [66] . Dieser Verein trat mit einem "Manifest der sozialdemokratischen Partei" an die Öffentlichkeit [67] .
1869 war Stumpf an der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiter-Partei in Eisenach beteiligt, indem er "1500 Mitglieder der Deutschen Sektion der Internationalen Arbeiter-Assoziation" als Mitglieder in die SDAP überführte [68] . Er war dann auch ab dem Gründungsparteitag selbst Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei [69] .
1869 besuchte Karl Marx Stumpf in Mainz [70] . Am 18.07.1872 schrieb Stumpf an Engels [71] , er sei "von der öffentlichen Agitation zurückgetreten", tatsächlich scheint er von da ab kaum noch politisch in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten zu sein, er führte aber bis zu seinem Tode noch rege Korrespondenz mit alten Weggefährten [72] .
Von 1870-1876 hatte Stumpf seinen Betrieb und seine Wohnung im Eckhaus Schustergasse 45/Stadionerhofstraße in Mainz, 1878 lebte er im Hause Große Bleiche 41, 1880-1883 im Platanenweg 3, von 1887 bis zu seinem Tod lebte er in der Gartenfeldstraße 4.
Zu seinen prominenten Freunden gehörten neben Marx und Engels [73] auch der Vorsitzende der Paulskirchenversammlung und spätere Hessische Ministerpräsident Heinrich Freiherr von Gagern [74] , August Bebel [75] und Ferdinand Lasalle sowie Wilhelm Liebknecht [76] (von dessen Sohn Karl Liebknecht er sogar Taufpate war [77] ) und angeblich auch Giuseppe Garibaldi [78] .
[Fußnoten hier nicht aufgeführt]
Kollektaneen zur Mainzer Geschichte u. städt. Angelegenheiten seiner Zeit, Zeitungsausschnitte, Broschüren; Tätigkeit der Pumpenmacherfamilie Stumpf für die Festung Mainz; keine Materialien zur persönlichen politischen Tätigkeit von Stumpf
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Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
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