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Nachlass von Dr. Dr. Edith Schröder, geb. von Hübschmann, Ärztin und Psychologin (* 1925, + 2014) (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Deposita
1921-2014
Inhalt und Bewertung
BIOGRAPHIE
EDITH SCHRÖDER GEB. VON HÜBSCHMANN
geb. am 13.3.1925 in Riga, Lettland
gest. am 9.8.2014 in Stuttgart
13.3.1925 Geburt in Riga, Lettland, als viertes von sechs Kindern von Dr. med. Woldemar von Hübschmann und seiner Ehefrau Catharina, geb. Wulffius, die Eltern waren 1918 aus St. Petersburg, dort als Adelige verfolgt, ins Baltikum geflohen
1931 bis 1939 deutsche Grundschule Dünaburg, dann deutsches Gymnasium Riga
1939 Umsiedlung der Familie nach Lodz (Litzmannstadt) im Warthegau, Polen
1939 bis 1943 Gymnasium in Lodz, Abitur 1943
1943 bis 1945 Reichsarbeitsdienst und Ausbildung als med.technische Assistentin in Litzmannstadt
1945 Flucht nach West-Deutschland, neues Zuhause in Kitzingen am Main
1945-1946 Tätigkeit als Dolmetscherin englisch/deutsch
1946-1951 Studium der Medizin in Erlangen
1951-1953 Assistenzärztin in der Nervenklinik, Würzburg
1953 Promotion zur Dr. med. mit der Doktorarbeit ¿die Symptomatologie der endogenen Depressionen¿
1954 ¿ 1956 Hausarztvertretungen in Katzenbach bei Kissingen, als Kurärztin in Bad Gastein, Volontärärztin an der Medizinischen Poliklinik Würzburg
1955 Eheschliessung mit Dr. med Joachim Schröder, gebürtig von Stuttgart (von 1956 bis 1965 Geburt von fünf gemeinsamen Kindern), Tod des Ehemannes am 5.5.1989
1956 ¿ 1959 Studium der Psychologie in Würzburg, Abschluss als Dipl-Psych.
1958 Promotion zur Dr. phil. an der Universität Würzburg, Doktorarbeit ¿die Bedeutung der Herkunft Sigmund Freuds für sein Werk¿
1961-1963 Assistentin am Institut für Geschichte der Medizin in Würzburg
1962 Fachärztin für Innere Medizin
1963 Umzug von Würzburg nach Stuttgart aufgrund der Chefarztstelle des Ehemanns an der Medizinischen Klinik II, Bürgerhospital Stuttgart
1963 bis zum Tode: Niederlassung in freier Praxis in Stuttgart, ab
1968 Kassenzulassung bei der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg für Innere Medizin, 1979 für Psychotherapie, 1983 für Psychoanalyse
1966 ¿ 1974 Vortragstätigkeit vor Lehrern, Eltern und Schülern, Vorträge über Gesundheiterziehung, Geschlechtserziehung, Drogenprophylaxe...ca. 300 Vorträge
1973 ¿ 1986 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Landesanstalt für Erziehung und Unterricht, 1975 Verbeamtung als Regierungsmedizinalrätin, 1.1.1982 Beförderung als Obermedizinalrätin, 1983 Urkunde für 25 Jahre Staatsdienst, 1986 Ruhestandsurkunde
1975 ¿ 1979 Psychoanalytische Ausbildung mit qualifizierender Prüfung als psychoanalytische Psychotherapeutin (27.6.1979), an der Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und analytische Psychotherapie
1988 - 2000 Dozentin und Vorsitzende im Weiterbildungskreis für Ärzte aller Fachrichtungen: Zusatzqualifikation in Psychotherapie
9. August 2014 Tod im Augustinum-Killesberg, Stuttgart, wo sie seit Juli 2010 wohnte
Zugehörigkeiten:
seit 1969 Mitglied im Stuttgart Club ¿Soroptimist International¿ mit grossem internationalem Engagement,
Mitglied der evangelischen Kirche und der SPD und der Arbeiterwohlfahrt
1. Zur Biographie Edith Schröders: Edith Schröder (mit vollem Namen Natalie Edith Schröder) entstammte väterlicherseits der baltendeutschen Adelsfamilie von Hübschmann (mit vollem Namen Hübschmann von Biberbach), mütterlicherseits dem russischen Hochadel und dem christlich assimilierten Judentum. Im Jahre 1918 flüchtete die Familie, die wegen ihres Adelsstandes durch die Bolschewiki ihres Lebens bedroht war, von Sankt Petersburg zunächst nach Reval in Estland. Im Jahr 1922 zog die Familie nach Lettland um, das nach dem ersten Weltkrieg von Russland selbständig geworden war. Edith von Hübschmann wurde am 13.3.1925 als viertes von sechs Kindern des habilitierten Arztes (und Mitarbeiters von Wladimir Michailowitsch Bechterew) Woldemar von Hübschmann und seiner Frau Catharina, geb. Wulffius, in Riga geboren. Die Geschwister von Edith waren Dagmar (genannt "Dagi", später verheiratete Hock), Karin (genannt "Karuli", später verheiratete Krohn), Bruno, Ellen (genannt "Pusja", später verheiratete Steinen) und der im Zweiten Weltkrieg 1943 vermisste und vermutlich gefallene ältere Bruder Edgar, der Unteroffizier war. Als infolge des Hitler-Stalin-Paktes die Besetzung der baltischen Länder durch die Sowjetunion bevorstand, wurden die Hübschmanns im Oktober 1939 in den Warthegau umgesiedelt. Die Zwischenstation war Pasewalk in Vorpommern. Die Umsiedlung nach Litzmannstadt (heutiges Lodz) im Warthegau war durch rassische Verfolgung erschwert, die Eltern mussten Ariernachweise vorlegen, und die beruflichen Möglichkeiten des Vaters wurden immer wieder in Frage gestellt, da mindestens die Mutter halbjüdisch war. Die Gesetze zu den jüdischen Mischlingen beeinträchtigten sowohl das private als auch das berufliche Leben. Der Vater durfte erst 1941 nach Litzmannstadt einreisen und dort arbeiten. Er musste ein Jahr in Pasewalk und Aalbeck warten, bis er eine Facharztpraxis eröffnen durfte. Edith von Hübschmann trat in Litzmannstadt schon 1940 ins Gymnasium ein und verdiente sich zwischenzeitlich den Lebensunterhalt und das Schulgeld durch Nachhilfestunden. 1943 legte sie das Abitur ab und leistete anschliessend ihren Reichsarbeitsdienst in Krotoschin. Danach liess sie sich zur medizinisch-technischen Assistentin ausbilden. Die Familie musste 1945 vor den heranrückenden Russen nach West-Deutschland fliehen und kam in Kitzingen am Main unter. Damals war Edith von Hübschmann 19 Jahre alt. In der Nachkriegszeit nutzte sie ihr guten Englisch-Kenntnisse für Dolmetscher-Tätigkeiten bei der amerikanischen Besatzungsmacht, bis sie 1946 ein Studium der Medizin an der Universität Erlangen begann, das sie 1951 abschloss. Hiernach arbeitete sie als Assistenzärztin in der Nervenklinik Würzburg. 1953 wurde sie mit einer Arbeit über "Die Symptomatologie der endogenen Depression" bei Prof. Dr. med. Heinrich Scheller, Erlangen zum Dr. med. promoviert. Anschließend arbeitete sie als Hausarztvertreterin in Katzenbach bei Kissingen, als Kurärztin in Bad Gastein und als Volontärärztin an der Medizinischen Poliklinik in Würzburg. 1955 heiratete Edith von Hübschmann Dr. med. Joachim Schröder. Das Paar hatte fünf gemeinsame Kinder: Martina, geb. 1956, Stefan, geb. 1957, Bruno 1959, Hans, geb. 1961 und Alexander, geb. 1965. Von 1956 bis 1959 absolvierte Edith Schröder ein Studium der Psychologie in Würzburg, das sie als Diplom-Psychologin abschloss und worin sie - schon 1958 - mit einer Doktorarbeit über "Die Bedeutung der Herkunft Sigmund Freuds für sein Werk" zum Dr. phil. promoviert wurde. 1961-1963 arbeitete sie als Assistentin am Institut für Geschichte der Medizin in Würzburg. 1962 wurde sie Fachärztin für innere Medizin . Da ihr Mann die Chefarztstelle an der Medizinischen Klinik II im Bürgerhospital Stuttgart erhielt, zog die Familie 1963 nach Stuttgart um. Hier führte Edith Schröder eine eigene freie Praxis, für die sie 1968 die Kassenzulassung bei der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg für Innere Medizin, 1979 für Psychotherapie und 1983 für Psychoanalyse erhielt. 1975 bis 1979 unterzog sie sich - als dritte Ausbildung - einer Psychoanalytischen Schulung an der Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und analytische Psychotherapie und qualifizierte sich (27.6.1979) als psychoanalytische Psychotherapeutin. 1973 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Landesstelle für Erziehung und Unterricht im Referat "Sexualerziehung und Drogenprophylaxe". Ihre Aufgabe war es, die Sexualaufklärung und Drogenprophylaxe in den Schulen zu planen und teilweise auch durchzuführen. 1975 wurde sie als Regierungsmedizinalrätin verbeamtet und 1983 zur Obermedizinalrätin befördert. 1986 trat sie in den Ruhestand. Edith Schröder hat - vor allem im Rahmen ihrer Tätigkeit im Staatsdienst - zahlreiche Vorträge vor Lehrern, Eltern und Schülern zur Gesundheitserziehung, Geschlechtserziehung und Drogenprophylaxe gehalten. Die Zahl der Vorträge wird auf ca. 300 geschätzt. 1988 bis 2000, also nach ihrer Zurruhesetzung, war sie Dozentin und Vorsitzende im Weiterbildungskreis für Ärzte aller Fachrichtungen, an dem sie schon seit Anfang der 80er teilgenommen hatte. Sie war Mitglied der evangelischen Kirche, der SPD, in der auch ihr Mann in herausragender Weise engagiert war, und in der Arbeiterwohlfahrt. Seit 1969 war sie weiterhin Mitglied im Stuttgart Club "Soroptimist International" (vom Lateinischen sorores optimae, übersetzt "die besten Schwestern"), einer internationale Vereinigung mit dem Ziel, die Beteiligung der Frauen an Entscheidungen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu verbessern. Schröder übte im Soroptimist International - Deutsche Union der Soroptimst Clubs die Funktionen eines Governors (1972-1976) und einer Vizepräsidentin (1970-1972) aus. Durch diese Funktionen erhielt sie einen weltweiten Bekanntenkreis aus Soroptimistinnen.
2. Zum Nachlass und seine Bearbeitung: Edith Schröder, geborene von Hübschmann gehörte als Adelige und als Ärztin zur obersten Gesellschaftsschicht. Ihr Vater und ein Onkel waren Arzt, ihr Mann war Arzt und später leitender Arzt im Bürgerhospital Stuttgart, ihre Schwestern Dagmar und Karin hatten den Beruf der Medizinisch-technischen Assistentin gelernt und auch letztere hatten einen Arzt geheiratet. Die jüngste Schwester Ellen arbeitete als Arzthelferin - auch sie hatte einen Arzt geheiratet - und der Bruder Bruno war Diplom-Psychologe. Auch bei den Kindern der Schröders dominierte das medizinische Interesse: die Tochter Martina arbeitet als Diplom-Psychologin, die Söhne Stefan als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Bruno als Facharzt für Innere Medizin und als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Es handelt sich also um eine Arztfamilie über mehrere Generationen. Edith Schröder hat den Zweiten Weltkrieg und den Wiederaufbau erlebt, sie hat sich als Heimatvertriebene in die Gesellschaft integriert, sie hat sich wissenschaftlich engagiert und aktiv an der Aufklärungskampagne der 70er Jahre mitgewirkt. Sie selbst hat als Mutter von fünf Kindern - davon war eines, der Sohn Hans, schwerbehindert - Berufstätigkeit und Familie mit erstaunlicher Energie vereinbart und sich als Soroptimistin in Führungsfunktion auch für die gesellschaftlichen Interessen der Frauen eingesetzt. Diese für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wichtigen Themen spiegeln sich alle in ihrem Nachlass. Nicht nur diese Themen machen ihren Nachlass als Quelle für die damalige Zeit so wertvoll. Hinzu kommt vor allem die Art der Dokumentation, die besonders reichhaltig und dicht ausfällt. So enthält der Nachlass nicht nur die für Nachlässe üblichen Dokumente über das Leben, über die berufliche Tätigkeit, die private und sonstige Korrespondenz, die Veröffentlichungen und Vorträge der Nachlasserin, und Zeugnisse ihres nebenberuflichen Engagements. Herausragend ist die besondere Dichte dieser Unterlagen. Ihre tagebuchartigen Aufzeichnungen halten geradezu akribisch mannigfaltige Details ihrer Tätigkeiten pro Tag fest, oft sogar mit Uhrzeit. Diese genauen Aufzeichnungen hat Edith Schröder über mehrere Jahrzehnte durchgehalten, nämlich von den 50er Jahren bis 2009. Erste, noch knappe Niederschriften beginnen mit ihrem Studium, später fallen die Einträge wesentlich üppiger aus. Es finden sich Notizen über die erledigten Hausarbeiten bis hin zum Festhalten der Zahl der abgelaufenen Waschmaschinen. Auch ihre Einkäufe hielt sie fest, eine gern gepflegte Tätigkeit, für den sie den Ausdruck "piddeln" verwendete. Festgehalten sind weiterhin die erhaltene und die selbst verfasste Korrespondenz und die geführten Telefonate, wobei die Partner notiert werden. Auch über ihre Lektüre, über angeschaute Fernsehsendungen, besuchte Kinofilme und gehörte Vorträge finden sich Aufschriebe. Später kommen Aufzeichnungen über Wohlbefinden oder Krankheiten sowie Stimmungen hinzu. Ebenso festgehalten sind die erhaltenen Besuche, die Zubettgehzeit und der Zeitpunkt des morgendlichen Aufwachens. Auch die Fotoalben von Edith Schröder sind bemerkenswerte Quellen, denn sie hat 64 Alben, die fast den gesamten Zeitraum ihres Lebens abdecken, sorgfältig geführt und auch kommentiert. Neben der Serie aus 61 durchnummerierten Alben gibt es Fotoalben zu besonderen Erlebnissen wie die Russland Reise, ihre Freundin Chick Chaiken oder die Feier des 89. Geburtstags in der Seniorenresidenz Augustinum, Stuttgart-Killesberg. Sie hat die Fotos selbst ausführlich erläutert und ihnen zahlreiche Erinnerungsstücke wie etwa Postkarten, Zug- und Flugtickets, Schriftstücke, Rechnungen etc. zur anschaulicheren Dokumentation beigegeben. Diese üppige Bildserie spiegelt optisch das gesamte Leben Edith Schröders wieder und ergänzt und veranschaulicht die sonstigen schriftlichen Dokumente des Nachlasses . Edith Schröder hat auch selbst eine Gesamtschau ihres Lebens versucht und übergreifende Ego-Dokumente hinterlassen. 2006 resümierte sie in einem ausführlichen und längeren Tonband-Interview mit ihrer Tochter Martina in Zürich das eigene Leben. Die Aufzeichnungen liegen digitalisiert im Nachlass vor. Wenige Jahre später schrieb sie ihre Lebenserinnerungen nieder, die 2010 im Selbstverlag erschienen. Das sind relativ seltene Quellen, die die Reflexion Schröders über ihr eigenes Leben enthalten. Auch die Korrespondenz ist bemerkenswert. Sie enthält eine Unzahl von (Ansichts-) Postkarten (über 1500 Stück), die die Nachlasserin sorgfältig aufhob und sammelte, ein Zeichen für den ihnen zugemessenen Wert. Sie hatte die Postkarten bereits selbst nach Anredeart (persönlich mit "Du" - distanziert mit "Frau Schröder") getrennt und damit zwei Arten der Kontakte in Gruppen herausgestellt. Die Postkarten lassen die weitreichenden Verbindungen Edith Schröders und ihrer Familie erkennen, auch wenn der Inhalt oft banal (Gruß aus dem Urlaub, Weinachts- und Neujahrsgrüße) bleibt. Edith Schröder hat sie sorgfältig behandelt und aufbewahrt. Sie ergänzte die oft fehlenden Nachnamen der Absender handschriftlich, fügte Datierungen hinzu und erläuterte den Inhalt kurz. Die verschiedenen, sich ergänzenden Dokumentationen des Nachlasses bilden ein Ensemble und lassen sich am besten gemeinsam nutzen und auswerten. Der Nachlass des Ehemannes Joachim Schröder (Bestand P 20/1) enthält weitere relevante Unterlagen. Im Januar 2015 übergab die Tochter von Edith Schröder, Martina Lustenberger-Schröder, die Unterlagen dem Hauptstaatsarchiv zur Archivierung. Sie befanden sich noch in dem elterlichen Haus in Stuttgart Killesberg. Die Tochter hatte sie geordnet und beschriftet und eine Abgabeliste angefertigt. Die archivische Erschließung und Ordnung des Bestandes begann März 2018 und wurde von Anwärtern des 56. Lehrgangs des gehobenen Archivdienstes (Margarethe Baumgartner, Dominique Frings, Alexander Ploebsch, Lisa Weber) und Referendaren des 53. Lehrganges des höheren Archivdienstes (Sarah Bongermino und David Gniffke) unter Anleitung des Unterzeichnenden durchgeführt. Einige Unterlagen von Joachim Schröder waren aus den abgegebenen Material herauszutrennen und in den Nachlass des Ehemanns einzugliedern. Der Nachlass von Edith Schröder enthält als eigene Provenienz Unterlagen der Eltern von Edith Schröder, Woldemar und Catharina von Hübschmann, die sie nach dem Tod der Mutter 1981 erhalten und verwahrt hat. Dieser kleine Teilnachlass ist im Bestand unter einem eigenen Gliederungspunkt zusammengehalten worden. Nur die Briefe Edith Schröders an ihre Eltern sind unter der Korrespondenz Edith Schröders eingeordnet worden, da sie mehr über die Tochter als über die Eltern Auskunft geben. Wegen seines herausragenden Dokumentationswertes ist der Nachlass insgesamt recht "tief", also mit zahlreichen Enthält und Darin-Vermerken, erschlossen worden. Das gilt etwa für die Bilder-Alben wie für die tagebuchartigen Einträge. Einige, vor allem spätere Unterlagen, waren nicht mehr von der Nachlasserin geordnet worden und mussten bei der archivischen Ordnung in die richtigen Zusammenhänge gebracht werden. Auch Korrespondenzen ließen sich an verschiedenen Stellen finden und mussten neu durchstrukturiert werden. Vor allem war die Chronologie oft zu korrigieren. Bei der Korrespondenz wurden Familienmitglieder und häufige Korrespondenzpartner aus der allgemeinen Korrespondenz herausgezogen und nach dem Korrespondenzpartnerprinzip strukturiert, um sie besser hervorzuheben und einer gründlicheren Erschließung und Ordnung zu unterziehen. Bei dieser Korrespondenz wurde nicht mehr zwischen Postkarte und Brief unterschieden (wonach Edith Schröder ihre Korrespondenz getrennt hatte), sondern beides umfassende Büschel zu bestimmten Korrespondenzpartnern formiert. So gelang es dann, etwa für die Freundin aus Rigaer Zeiten, Harriet "Tutti" Gagnus , die Korrespondenz in Brief- und Postkartenform von 1947-2005 in einem Büschel zusammenzuziehen. Einige Einheiten des Nachlasses, so die Patientenakten und auch die Unterlagen über die Tätigkeit im Weiterbildungskreis Psychotherapie (WBK) für Ärzte Stuttgart, enthalten sehr persönliche Angaben über Dritte und müssen daher über den Tod der Nachlasserin hinaus eine Zeitlang für die Einsichtnahme gesperrt bleiben. Die Erschließung und Ordnung des Bestandes erfolgte von März bis September 2018 durch die oben genannten Anwärter und Referendare. Die Abschlussarbeiten übernahm der Unterzeichnete im August und September. Der Bestand enthält 265 Verzeichnungseinheiten in ca. 6 lfd. m und hat eine Laufzeit von 1921-2014. Stuttgart, im September 2018 Dr. Peter Schiffer
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.