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Briefwechsel des Karl Friedrich Wilhelm von Tucher mit seiner Frau Friederike Karoline Wilhelmine Camilla (5)
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E 29/VIII Familienarchiv von Tucher/Jüngere Linie/Leitheimer Zweig
Familienarchiv von Tucher/Jüngere Linie/Leitheimer Zweig
04.08.1866 - 30.08.1866
Enthält:
1866 August 4: Brief des Karl Friedrich Wilhelm von Tucher aus Nürnberg an seine Frau Friederike Karoline Wilhelmine Camilla (in Leitheim).
Seit letztem Dienstag ist die Stadt von allem brieflichen Verkehr abgesperrt, aber Schreiber erhielt soeben Nachricht, die Postverbindung nach Süden - mit dem Omnibus nach Roth und von da mit der Eisenbahn nach Augsburg - sei hergestellt. Die Stadt ist mit preußischem Militär angefüllt. Es mögen sich hier und in der Umgebung etwa 6000 Mann aufhalten. Schreiber hat 16 Mann in Quartier und weitere 4 Mann, für die er die Verpflegung besorgen muss. Bei Kusine Caroline logieren 10 Mann und ein Kompaniehauptmann. Bisher kam es nicht zu Störungen, es scheint, die Leute sind gut erzogen. Bei Sigmund liegen 17 Mann im Garten. Von Forstverwalter Baier erfuhr Schreiber, dass in Simmelsdorf 1000 Mann zu verpflegen waren. 200 Mann und die Offiziere samt Pferden und anderweitig zum Vorspann requirierten Pferden mussten für einen Tag von uns (also von der Gutsverwaltung) verpflegt werden. Wie lange der Zustand dauern wird, ist nicht abzusehen, sodass Adressatin ihre geplante Reise nach Zangberg wohl alleine vornehmen muss. Theodor soll mitreisen, wofür Schreiber über Erzberger 300 Gulden nach Leitheim schicken lässt. Erwähnung einer Institutsrechnung sowie der liebevollen Pflege, welche man in Zangberg dem Mariechen angedeihen ließ. - Helene hat sich bestens bei der Einquartierung bewährt. Sie musste zunächst allein damit fertigwerden, da Schreiber abwesend war. ... daß es mir sehr unheimlich war unterwegs zu erfahren die Preußen seyen in Nürnberg eingerükt, kannst du dir vorstellen. Schreiber war nach München gereist, um die vorgeschlagene Beförderung Max' zum Leutnant der Infanterie voranzutreiben. Max war inzwischen mit seiner Batterie von Augsburg per Eisenbahn nach München verlegt worden. Schreiber sprach mit dem Kriegsminister und mit seinem alten Freund Rotberg. Die Heimreise über die Oberpfalz gestaltete sich schwierig, da keine Fahrtmöglichkeit zu bekommen war. So bildete sich eine Gruppe von 4 Mann, darunter Schreiber, die von Neumarkt bis Feucht zu Fuß gingen, wo sie den Postomnibus nach Nürnberg erreichten. - Heute begannen Friedrichs Ferien, er brachte ein Zeugnis, das besser ausgefallen ist, als zu erwarten war. Unter seinen 35 Mitschülern ist der der Beste, sämtliche Noten sind mit "vorzüglich" bezeichnet, lediglich im Rechnen hat er nur ein "sehr gut". Die Beurteilung lautet: " das feine Benehmen und die musterhafte Gewissenhaftigkeit dieses wackeren Schülers verdient besondere Erwähnung". Auf Theodors Brief sei geantwortet, Schreiber glaubt nicht, dass der Vormarsch bis zur Donau reichen wird, sodass mit Versorgung von Verwundeten in Leitheim nicht gerechnet werden muss.
1866 August 10: Brief des Karl Friedrich Wilhelm von Tucher aus Nürnberg an seine Frau Friederike Karoline Wilhelmine Camilla (in Leitheim).
Bedankt sich zum heutigen Hochzeitstag für 31-jährige Liebe. Wann Schreiber abreisen kann, liegt noch im Dunklen. Das Haus ist seit heute früh 5 Uhr wieder geräumt, nachdem die Mannschaft nach Weiden abgezogen ist. Aber das Einquartierungsamt fragte gestern, ob Schreiber nach Abzug der Leute einen General mit Adjutanten, 2 Schreibern, 7 Gemeinen und 10 Pferden aufnehmen könne, wogegen Schreiber allerdings protestierte. Was ein solcher Protest nützt, ist abzusehen, sodass Schreiber die bisher belegten Räume vorsorglich säubern ließ. - Adressatin soll Theodor mit nach Zangberg nehmen, um Mariechen abzuholen. Schreiber kann hier nicht weg. - Arbeiten in der Brauerei wurden unterbrochen durch die Meldung, der General werde einquartiert. - Karl muss in Leipzig noch eine Arbeit abschließen, dabei seine Professoren erwähnt. - Einquartiert wurden jetzt: Oberst von Treskow, Brigadier, und sein Adjutant von Grone - scheinen beyde sehr artige Leute zu seyn. Sie speisten heute Mittag beim Großherzog von Mecklenburg, heute Abend haben wir aber die Ehre sie zur Tafel zu haben. Lieber wäre mir wenn Herr Oberst sich bequemt hätte auf dem Zimmer zu soupiren. Diese Einquartierung wird etwa eine Woche dauern.
1866 August 13: Brief der Friederike Karoline Wilhelmine Camilla von Tucher aus Leitheim an ihren Ehemann (in Nürnberg).
Die Abholung Marie's verzögert sich wegen Unwohlseins der Schreiberin. Man will sie aber noch vor dem 22. d.M. = Ablauf des Waffenstillstandes nach Hause bringen. Sorge, es könnte ein neuer Krieg kommen. Ein bayerisches Lager bei Donauwörth wird aufgelöst, sodass man in Leitheim vielleicht doch Einquartierungen bekommen wird. Eventuell kann man das Geld an Marie schicken, damit sie noch einige Zeit im Kloster verbringen kann. Heute morgen erhielt man die traurige Nachricht aus Gent vom Ableben der guten Cogels. Susanna würde einen Brief in Französisch schreiben, wozu Adressat das Konzept zu erstellen hätte. Grüße an Helene. Susanna würde Helene in Nürnberg ablösen, sobald Marie in Leitheim ist.
1866 August 14: Brief des Karl Friedrich Wilhelm von Tucher aus Nürnberg an seine Frau Friederike Karoline Wilhelmine Camilla in Leitheim.
Theodor sollte seine Schwester noch vor Ablauf des Waffenstillstandes abholen. Der Tod der Frau Cogels ist zu bedauern, für ihr Vermächtnis zu danken (s. Nr. 89). Helene ist dankbar für das Angebot Susannas, sie abzulösen, aber die Schwierigkeiten mit den Einquartierungen sind jetzt schon überwunden. Der Brigadier und sein Adjutant sind angenehme Leute und ihr Brigadestab ist ruhiger und reinlicher als die erste einquartierte Mannschaft.
1866 August 22: Brief der Friederike Karoline Wilhelmine Camilla von Tucher (aus Leitheim) an ihren Ehemann (in Nürnberg).
Schreiberin ist gestern von der Reise nach Zangberg zurückgekehrt. Theodor war mit dabei. Die Klosterfrauen danken für die Liebesgaben, die Adressat seiner Zahlung beigefügt hatte. Sie werden die kleinen Gaben für den Bau einer größeren Klosterkirche zurücklegen. Derzeit sind 42 Klosterfrauen und 66 Zöglinge hier. In München übernachtete man bei Verwandten, die gerade von einer Badereise zurückgekehrt waren. Schon in Zangberg hatte Schreiberin Probleme mit ihren falschen Zähnen, weswegen man in München einen Tag länger verweilte. In Leitheim sind nun 8 Herren und 33 Soldaten der Bayerischen Truppe untergebracht. Die Offiziere im Schloss, die Mannschaft im Gartenhaus und im Bauernhaus. Ist Karl angekommen? Nachrichten von Verwandten, ua.a. Brief von Nida Otting erwähnt.
Umfang/Beschreibung: 6 Prod
Archivale
Bemerkungen: Kloster Zangberg, ehem. Schloss, Salesianerinnenkloster, Internat seit 1862 mit 72 Zöglingen, Kirchenbau etwa 1868 begonnen
Indexbegriff Person: Baier, N (Forstverwalter Simmelsdorf)
Briefwechsel Karl Friedrich Wilhelm von Tucher
Einquartierung, preußische
Postverkehr unterbrochen
Kompaniehauptmann
Disziplin
Garten
Forstverwalter
Vorspann
Offiziere
Pferde
Reiseplan
Geldsendung
Leutnant
Beförderung
Kriegsminister München
Rückreise
Fußmarsch
Postomnibus
Ferien
Schulzeugnis
Beurteilung
Truppenvormarsch
Institut
Behandlung
Hochzeitstag
Truppenabzug
Einquartierungsamt
General
Adjutant
Schreiber
Gemeine
Protest
Reinigung
Brauerei Tucher
Student, Leipzig
Professoren, Leipzig
Oberst
Brigadier
Großherzog von Mecklenburg
Diner
Souper
Unwohlsein
Waffenstillstand
Kriegsgefahr
Lager
Kloster
Todesfall
französisch
Konzept
Brigadestab
Klosterfrauen
Liebesgaben
Zahlung
Kirchenbauprojekt
Klosterkirche
Zöglinge
Badereise
Gebiss
Truppen, bayerische
Soldaten
Gartenhaus
Schloss
Bauernhaus
Verwandte
Brief
Salesianerinnen
Internat
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.