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Industrie-Alarm: Viele Fachkräfte gehen. Ade, Baden-Württemberg
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 4/017 R060034/201
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 4/017 Fernsehsendungen von Südwest Fernsehen aus dem Jahre 2006
Fernsehsendungen von Südwest Fernsehen aus dem Jahre 2006 >> November 2006
2. November 2006
Was treibt die Menschen zur Auswanderung?
Die Industrie schlägt Alarm: Immer mehr Deutsche wandern aus. Es sind besonders die Hochqualifizierten und Hochmotivierten, die unser Land verlassen. Ihre Gründe: schlechte Berufsaussichten, zu hohe Steuern und Sozialabgaben, zu viel Bürokratie. Insbesondere jüngere Leute sehen in Deutschland keine Perspektive mehr. Die Folge: Wirtschaft und Wissenschaft fehlen Fachkräfte.
Auswanderungswelle junger Menschen
Mit 145 000 Fortzügen ins Ausland im Jahr 2005 verzeichnet Deutschland die höchste Abwanderung seit 1954. Das ist fast ein Viertel mehr als 2002. Der neue Rekord bei den Auswanderungen bereitet vor allem der Industrie Sorge. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) schlägt Alarm. "Immer mehr junge Menschen kehren Deutschland den Rücken", beklagt Ludwig Georg Braun, Präsident des DIHK. Besonders besorgniserregend ist dabei die Tatsache, dass die Hälfte der Emigranten jünger als 35 Jahre alt sind. Eines der Hauptmotive sei, nach Ansicht des DIHK, dass die Standortbedingungen in anderen Ländern besser seien. "Hohe Steuern und Sozialabgaben, ein nahezu undurchlässiger Arbeitsmarkt und ein Mangel in der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur sind im Vergleich mit europäischen Nachbarstaaten erhebliche Nachteile", so Braun. Es sind Ärzte, die nach Norwegen oder in die Schweiz gehen, Ingenieure und Wissenschaftler in die USA, Agrarwissenschaftler nach Neuseeland. "Deutschland muss endlich seine Strukturprobleme anpacken und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver Standort sein", fordert Braun.
Folgen der Auswanderung
Zugleich kommen immer weniger Neubürger nach Deutschland, und wenn, sind sie meist ungelernt und arm, nicht gerade die, die die Unternehmen brauchen. Während Staaten wie Kanada oder USA meist nur die Menschen ins Land lassen, die qualifiziert sind, genügt in Deutschland zum Beispiel schon der Nachweis, dass man Spätaussiedler ist. Dabei ist Deutschland mit seiner alternden und schrumpfenden Bevölkerung um so mehr auf qualifizierte Einwanderer angewiesen. Laut Statistik müssten jährlich 200 000 bis 300 000 Menschen einwandern, wollte man den Bevölkerungsstand halten. Tatsächlich kamen im letzten Jahr gerade mal 80 000 nach Deutschland. Auf der anderen Seite zieht es immer mehr Deutsche ins Ausland. Darunter auch viele Spitzenforscher, weil sie in diesen Ländern, z.B. den USA, größere Freiheiten in Anspruch nehmen können als bei uns. So warnt der Hamburger Ökonom Thomas Straubhaar im Spiegel vom 30.10.06 vor einer Art "DDR-Effekt", wonach man gerade die Kräfte verliert, die man braucht. "Wenn wir nichts dagegen tun, werden sich die Probleme dieses Landes in einer Weise zuspitzen, wie sich das heute kaum jemand vorstellen kann": So arbeiten von den etwa 7 000 Medizinstudenten, die Jahr für Jahr ihr Studium beenden, laut Marburger Bund mittlerweile knapp die Hälfte im Ausland. Die Ausbildung dieser knapp 3000 Ärzte hat den Steuerzahler etwa 600 Millionen Euro gekostet, doch behandelt werden Patienten in der Schweiz, Schweden oder England, während in Deutschland schon tausende Ärzte in Praxen und Kliniken fehlen. In der Industrie können 16% der Stellen für Fachkräfte schon nicht mehr besetzt werden. Allein im Maschinenbau gibt es derzeit 7000 offene Stellen. Obwohl Fachkräfte in bestimmten Bereichen gesucht sind und man ihnen durchaus attraktive Stellenangebote macht, sind es fast immer ökonomische Gründe, die Menschen ins Ausland treibt. Schon mehrmals hatte Deutschland regelrechte Auswanderungswellen zu verkraften.
Flucht vor dem Elend - Das "Jahrhundert der Auswanderung" Im 19. Jahrhundert verließen schätzungsweise 800.000 Menschen den Südwesten. Nirgendwo in Deutschland gingen damals mehr. Nur wenige trieb die Abenteuerlust. Vor allem Hunger und Arbeitslosigkeit waren Schuld an der Auswanderungswelle. Schlechte Witterung hatte die Ernten zerstört, Hungerjahre folgten. Die Getreidepreise stiegen, die Handwerker hatten zu wenig Aufträge. Die Erbschafts-Realteilung zersplitterte bäuerliche Betriebe. Bauern blieb oft nur noch ein kleines Stück Land - zu klein, um davon leben zu können. Den Traum von einem besseren Leben wollten sich die meisten Badener, Württemberger und Hohenzoller in der "Neuen Welt" erfüllen. Amerika stand auf Platz eins der Einwanderungsländer. Doch das Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hatten sich die meisten ganz anders vorgestellt. Auf die Träume folgte harte Aufbauarbeit.
Kritik der SPD: Betriebe selbst schuld
Die Kritik des DIHK-Präsidenten an der Auswanderungswelle ist allerdings auch auf
Widerspruch gestoßen. So kritisierte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Bildungsexperte Jörg Tauss scharf die Position des DIHK. Die kaum verhohlenen Vorwürfe Brauns an die Adresse der Wirtschaft, "die qualifizierten Menschen keine Jobs anbieten könne, sie monatelang mit unbezahlten Praktika beschäftige und keinerlei Konzept habe, bereitsausgewanderten Fachkräften im Ausland frei werdende Jobs in Deutschland anzubieten, habe keinerlei Berechtigung, sich über die Folgen der eigenen Politik zu beklagen."
Die LÄNDERSACHE berichtet in Reportagen und Berichten über die Auswanderungswelle.
Live-Diiskussion mit:
- Andreas Richter, IHK Stuttgart,
- Jörg Tauss, SPD-Bundestagsabgeordneter.
0:23:00; 0'23
Audio-Visuelle Medien
Herkunft: Ländersache - Politik in Baden-Württemberg
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
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